Whistleblower: Millionen-Busse für UBS in London
Aktualisiert

WhistleblowerMillionen-Busse für UBS in London

Ungenügende Kontrollmechanismen machen der Schweizer Grossbank UBS weiterhin zu schaffen. Der Bundesrat findet, die Fehler seien noch nicht behoben. Und die britische Finanzaufsichtsbehörde (FSA) hat eine Busse von über 13,6 Millionen Franken ausgesprochen - wegen nicht autorisierter Transaktionen über Kundenkonten.

Laut den britischen Behörden hätten es Fehler den Angestellten erlaubt, nichtautorisierte Transaktionen über Bankkonten von Kunden abzuwickeln. Diese seien zwischen 2006 und 2007 von vier Angestelten getätigt worden, teilte die Finanzaufsichtsbehörde am Donnerstag mit. Insgesamt seien 39 Konten des in London basierten Wealth Management Geschäfts betroffen gewesen. Die Busse ist die dritthöchste, die die Behörde jemals ausgesprochen hat.

Laut Oliver Gadney, UBS-Sprecher in London, hat die UBS bereits die entsprechenden Schritte unternommen, um Abhilfe zu schaffen. Die betroffenen Angestellten würden nicht mehr länger für die Bank arbeiten. Laut der FSA waren die Vorgänge durch einen Whistleblower ans Licht gekommen.

Finma: Mängel nicht behoben

Die beim Subprime-Debakel der UBS zum Vorschein gekommenen Mängel im internen Kontrollsystem sind zurzeit noch nicht behoben. Dies gab der Bundesrat in einer am Donnerstag veröffentlichten Antwort gestützt auf Angaben der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma bekannt.

Die beanstandeten Mängel seien Teil eines grossen Projekts bei der UBS und zum heutigen Zeitpunkt noch nicht behoben, heisst es. Die Finma überwache die Fortschritte. Im Geschäftsbericht musste die Revisionsgesellschaft gemäss Finma keine Einschränkungen zu diesen Schwächen und auch zum Problem der knappen personellen Ressourcen bei den UBS-Kontrollorganen machen. Denn diese Schwächen hätten keine direkten Auswirkungen auf die finanzielle Berichterstattung der Grossbank gehabt.

Nicht gelogen: UBS hatte selber keine Ahnung

Die Finma glaubt nicht, dass die UBS die Aufsichtsbehörde angelogen habe. Die Finma verneint dies oder erklärt im Falle von unrichtigen Informationen der UBS über das Exposure auf dem US-Hypothekenmarkt im März 2007, die Grossbank habe selber nicht über die richtigen Informationen verfügt. Deshalb könne nicht gesagt werden, ob die FINMA-Vorgängerbehörde EBK angelogen worden sei.

Was den Aufbau von Subprime-Positionen bei der UBS-Investmentbank parallel zu den sehr grossen US-Immobilienrisiken beim hauseigenen Hedge-Fund DRCM betrifft, erklärt die Finma, diese Entwicklung sei zum Teil entgegen den ursprünglichen Aussagen des obersten Managements erfolgt. Bei der Investmentbank sei mehr Eigenhandel betrieben worden als ursprünglich kommuniziert.

Die Finma erwähnt dann die Abgänge des Chefs der Investmentbank, Huw Jenkins, und des UBS-Finanzchefs, Clive Standish am 1. Oktober 2007 sowie weitere Rücktritte. Dies habe im Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel kulminiert, der der Investmentbank eine aggressive Wachstumsstrategie verordnet habe.

Reiner Wein hätte UBS destabilisiert

Als zweckmässig bezeichnet die Finma den Umstand, dass die UBS im Vorfeld des staatlichen Rettungspakets vom Oktober 2008 nicht über den Stabilisierungsbedarf informiert hatte. Eine Information während der Vorbereitung des Pakets hätte die Bank über ein tolerierbares Mass hinaus destabilisiert, was die Kosten für den Bund stark erhöht hätte. Ausserdem gibt die Aufsichtsbehörde bekannt, dass das neue Liquiditätsregime für die beiden Grossbanken voraussichtlich im Frühling 2010 kommen werde. Bisher hatte es geheissen, die neuen Vorschriften würden noch in diesem Jahr verabschiedet. (dapd)

Parlamentarische Anfrage führt zu UBS-Bericht

Die nun veröffentlichten bundesrätlichen Angaben zur UBS sind eine Reaktion auf eine Anfrage im Parlament. Der Aargauer FDP-Nationalrat Philipp Müller setzte sich in einer siebenteiligen Interpellation kritisch mit dem im September veröffentlichten Finma-Bericht über die Finanzkrise auseinander. Der Bundesrat beantwortete die zahlreichen Fragen nun nicht direkt, sondern leitete dem Interpellanten die Sicht und die Antworten der Aufsichtsbehörde selber weiter. Denn die Landesregierung hat zwei externe Experten mit einer unabhängigen Analyse des Finma-Berichts beauftragt. Gestützt darauf will der Bundesrat dem Parlament einen umfassenden Bericht vorlegen, in dem er eine eigene Analyse der Rolle der Finma vornehmen will.

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