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CybercrimeMillionen-Code von Goldman Sachs geklaut

Millionenschwerer Datenklau beim Wall-Street-Primus Goldman Sachs: Ein Ex-Programmierer der Bank soll in New York eine streng geheime Software für Wertpapiergeschäfte gestohlen haben.

Der 39-Jährige Verdächtige kam am Montag gegen eine Kaution von 750 000 Dollar auf freien Fuss, wie die Behörden mitteilten. Der gebürtige Russe mit amerikanischer und russischer Staatsbürgerschaft war bereits am Freitag von der US-Bundespolizei FBI auf dem Flughafen Newark bei New York festgenommen worden. Über eine Anwältin bestritt er alle Vorwürfe.

Finanzhäuser wie Goldman Sachs betreiben über komplexe Software-Programme ihren computergesteuerten milliardenschweren Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren. Die oft selbst entwickelten Codes der Hochgeschwindigkeits-Systeme sind streng gehütete Geheimnisse.

Die aufsehenerregende Sicherheitspanne mitten im Herzen des globalen Finanzzentrums Wall Street ist laut Experten ein Alptraum für Goldman Sachs. Wie in einem Computerspionage-Thriller soll der Beschuldigte die Daten mit einem potenziellen Millionenwert Anfang Juni heimlich heruntergeladen und via Internet nach Deutschland geschafft haben.

Millionenschaden möglich

Wenn die Software in die falschen Hände gerate, könne sie für Goldman Sachs einen Millionenschaden durch entgangenen Gewinne anrichten, warnte ein Ermittler dem Wirtschaftsdienst Bloomberg zufolge. Die Kopie des Computerprogramms sei in Deutschland noch immer vorhanden. «Derzeit wissen wir nicht, wer noch darauf Zugriff hat.»

Goldman Sachs wollte sich zunächst nicht zu dem Fall äussern. Angaben zur Höhe des bisher tatsächlich angerichteten Schadens gibt es nicht. Der Verdächtige war den Ermittlern zufolge bis Juni bei der Bank beschäftigt. Während seines Wechsels zu einer Technologie-Firma in Chicago sei ihm die Bank auf die Schliche gekommen. Der neue Arbeitgeber suspendierte den Vater dreier Mädchen inzwischen und bestritt US-Medien zufolge jede Mitwisserschaft.

Die Anwältin des Beschuldigten nannte die Vorwürfe bei einer Anhörung «absurd». Goldman Sachs habe gewusst, dass sich ihr Mandant Programme auf seinen Computer geladen habe, um zu Hause Arbeit erledigen zu können. Er habe dabei nur einen Bruchteil des Codes heruntergeladen und ihn keineswegs verbreitet.

Keine Abkehr vom Investmentbanking

Goldman Sachs gilt trotz aller Turbulenzen der Finanzkrise als die erfolgreichste Investmentbank der Welt. Ihr Ruf ist in der Branche legendär. Der Eigenhandel mit Wertpapieren, also die Geschäfte auf eigene Rechnung und nicht im Auftrag von Kunden, war lange eine der Goldgruben für die Wall-Street-Firma.

Im vergangenen Jahr wandelte sich Goldman Sachs rechtlich von der Spezial-Investmentbank in eine reguläre Geschäftsbank um und unterzog sich so stärkerer Kontrolle durch die Bankenaufsicht. In der Praxis betreibt das Finanzhaus aber weitgehend die bisherigen Geschäfte vom Handel über Firmenfinanzierung bis hin zur Beratung bei Übernahmen und Fusionen.

(sda)

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