Öffentlicher Verkehr: Millionen für einen stufenlosen Einstieg
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Öffentlicher VerkehrMillionen für einen stufenlosen Einstieg

Tram, Bus und Trolleybus in der Stadt Zürich sollen auch für mobilitätsbehinderte Menschen attraktiv sein. In den nächsten Jahren investieren die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) mehrere Millionen Franken in die hindernisfreie Mobilität.

Bereits vollständig niederflurig ist die Dieselbusflotte der VBZ.

Bereits vollständig niederflurig ist die Dieselbusflotte der VBZ.

Nach dem eidgenössischen Behindertengleichstellungsgesetz dürfen Menschen mit Behinderung wegen ihrer eingeschränkten Mobilität nicht benachteiligt werden. Dies gilt auch im öffentlichen Verkehr.

Bei den VBZ werde dieses Thema sehr ernst genommen, sagte deren Direktor Guido Schoch am Dienstag vor den Medien. Mit der Umsetzung des Niederflurkonzeptes «Eintreten statt Einsteigen» leisteten die VBZ einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung des Gesetzes.

Das Konzept gehe jedoch weit darüber hinaus. Ziel sei, mit dem Einsatz von Niederflurfahrzeugen den Zugang zum öffentlichen Verkehr generell für alle zu verbessern. Diesem Ziel komme die VBZ ab dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember einen grossen Schritt näher.

Jedes zweite Tram niederflurig

Laut Jacques Baumann, Bereichsleiter Markt, weist knapp die Hälfte der Tramflotte mindestens einen stufenlosen Einstieg auf. Auf den Linien 6, 10 und 12 (Glattalbahn) würden ausschliesslich Fahrzeuge mit einem Einstieg für Behinderte eingesetzt.

Bei den Tramlinien 2, 3, 4, 7, 9, 11, 13 und 14 sind mindestens 50 Prozent der Fahrzeuge niederflurig. Auf diesen Strecken stellt das technische Personal die Tramkompositionen so zusammen, dass alternierend jedes zweite Tram einen Niederflureinstieg aufweist, wie Baumann ausführte.

Dem Online-Fahrplan kann dann auch entnommen werden, wo und wann Niederflurfahrzeuge auf dem VBZ-Netz und auf den übrigen Buslinien im Verbundgebiet verkehren. Damit können vor allem mobilitätseingeschränkte Personen ihre Fahrten besser planen.

Keine Niederflurfahrzeuge eingesetzt werden auf den Linien 5, 8 und 15. Grund dafür sei, dass deren Strecken mit andern Bus- oder Tramlinien niederflurig erschlossen würden, sagte Baumann.

Bereits vollständig niederflurig ist die Dieselbusflotte der VBZ. Bei den Trolleybussen weisen knapp 50 Prozent Niederflureinstiege auf. Bis 2013 sollen auch die letzten Hochflurbusse durch moderne und klimatisierte Niederflurfahrzeuge abgelöst werden.

Hindernisfreie Haltestellen

Die VBZ investieren aber nicht nur in die Fahrzeugflotte, sondern auch in die behindertengrechten Zugänge zu den Haltestellen. Massnahmen getroffen werden sowohl für Körper- als auch für Seh- und Hörbehinderte, wie Projektleiterin Susanne Reumüller ausführte.

So können sich Sehbehinderte dank einer taktierten Feldmarkierung an den Tramhaltestellen besser orientieren. Die speziellen Markierungen - weisse, erhobene Linien - werden auf der Höhe der vordersten Einstiegstüre auf den Boden aufgebracht. Hörbehinderte werden zudem über einen Aussenlautsprecher vom Tramführer über die Tramnummer informiert.

Laut Reumüller weisen VBZ-Haltestellen im Idealfall eine Länge von 43 Metern und eine durchgehende Einstiegskantenhöhe von 30 Zentimetern auf. Aus städtebaulichen oder technischen Gründen sei es jedoch nicht überall möglich, diesen Modellfall zu realisieren. In solchen Fällen würden Kompromisslösungen mit Teilerhöhungen für den hindernisfreien Einstieg angestrebt.

Meilenstein für Behinderte

Ab dem Fahrplanwechsel kann an rund 80 Haltestellen ebenerdig ins Tram eingestiegen werden. Bis 2014 werden zusätzlich zu ohnehin vorgesehenen Erneuerungen im Rahmen von Gleissanierungen 44 wichtige Tramhaltestellen behindertengerecht ausgebaut. Finanziert werden diese Ausbauten mit einem Kredit von 32 Millionen Franken, der vom Kantonsrat bewilligt worden ist.

All diese Neuerungen seien ein Meilenstein für Behinderte, sagte Bernhard Rüdisüli von der Schweizerischen Fachstelle für hindernisfreies Bauen in Zürich, der selbst seit seiner Geburt körperbehindert ist. Noch vor wenigen Jahren seien Trams für Behinderte «eine Dekoration gewesen, die schön anzuschauen war, aber nicht benützt werden konnte». (sda)

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