Klimawandel: Millionen von Glencore für geheime Kohle-Kampagne
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KlimawandelMillionen von Glencore für geheime Kohle-Kampagne

Der Rohstoffriese Glencore bestätigt eine geheime Kohle-Kampagne. Jetzt stoppt sie der Konzern und will Kohle nicht weiter ausbauen.

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ish
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Ertappt: Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Der Konzern lancierte eine geheime Kampagne für die Energiegewinnung aus Kohle.

Ertappt: Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Der Konzern lancierte eine geheime Kampagne für die Energiegewinnung aus Kohle.

Keystone/Alexandra wey
Unter anderem soll eine Facebook-Gruppe geschaffen worden sein, die wettert, die Energiepreise würden wegen des Umstiegs auf Solar- und Windenergie steigen.

Unter anderem soll eine Facebook-Gruppe geschaffen worden sein, die wettert, die Energiepreise würden wegen des Umstiegs auf Solar- und Windenergie steigen.

AP/Martin Meissner
Kohlekraftwerke stehen wegen der hohen Belastung mit dem Klimagas CO2 in der Kritik. Glencore gehört wegen seiner Kohleförderung zu den 100 grössten Treibhausgas-Emittenten.

Kohlekraftwerke stehen wegen der hohen Belastung mit dem Klimagas CO2 in der Kritik. Glencore gehört wegen seiner Kohleförderung zu den 100 grössten Treibhausgas-Emittenten.

Patrick Pleul

Eine verdeckte Kampagne mit dem Namen Cesar hat im Auftrag des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore auf Social Media und unter Politikern Stimmung für Kohleenergie gemacht. Bis Anfang dieses Jahres wurden im Internet

von angeblichen Grassroots-Bewegungen Posts über «saubere Kohle» geschaltet, wie «Guardian Australia» berichtet. Zudem liess der Konzern Umfragen zum Thema Kohle durchführen. Der Rohstoff ist wegen des hohen Ausstosses des Klimagases CO2 in der Kritik.

Glencore bestätigte die Kohle-Kampagne. «Das Ziel des Projekts bestand darin, Fakten rund ums Thema Kohle zu vermitteln und irreführenden Informationen von Umweltaktivisten entgegenzuwirken», sagt Glencore-Sprecherin Sarah Antenore zu 20 Minuten. Der Konzern habe stets alle Gesetze und Verordnungen eingehalten.

Spionage bei Greenpeace

Der Konzern beauftragte dafür Anfang 2017 die PR-Firma CT Group und soll dafür jährlich umgerechnet zwischen 5,3 und 9,3 Millionen Franken gezahlt haben. Glencore setzte bis diesen Februar auf den Ausbau des Kohlegeschäfts und kaufte auch in Australien weiter Kohleminen auf.

Bei seiner Kampagne habe Glencore auch Kohlegegner wie die Umweltorganisation Greenpeace ausspionieren lassen, wie der «Guardian Australia» weiter schreibt. Ziel sei es gewesen, an Informationen über ihr Budget und ihre Social-Media-Reichweite zu kommen sowie mögliche Schwachstellen zu finden, mit denen sie öffentlich blossgestellt hätte werden können. Zu diesem Vorwurf äusserte sich Glencore in einer offiziellen Stellungnahme nicht.

Glencore denkt um

Die Zeitung zitiert eine Quelle, wonach die Kampagne in Verbindung mit einer Website und Facebook-Gruppe namens «Energy in Australia» steht, die erneuerbare Energien wie Wind und Sonne für steigende Energiepreise und Blackouts verantwortlich macht. Website und Facebook-Gruppe wurden inzwischen vom Netz genommen.

Glencore stoppte die Kohle-Kampagne Ende Februar. Denn das Unternehmen hat seine generelle Energiestrategie geändert: Die Kohleförderung soll nicht mehr ausgeweitet, sondern auf dem jetzigen Stand begrenzt werden. Investoren haben Druck auf den Konzern ausgeübt haben und forderten von ihm eine klimafreundlichere Geschäftsstrategie. Dazu gehört auch UBS Asset Management, die das «Climate Action 100+»-Statement unterschrieben hat und Glencore als einer der grössten Klimagas-Emittenten der Welt angegangen ist.

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