Abgezockt: Millionenbetrug beim Online-Poker
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AbgezocktMillionenbetrug beim Online-Poker

Wer die Karten des Gegners kennt, kann beim Pokern nicht verlieren: Hacker gewannen mit dieser Masche online rund zehn Millionen US-Dollar. Ein Profi soll ihnen geholfen haben.

von
Henning Steier

Die Betreiber der Poker-Seite UltimateBet müssen 1,5 Millionen US-Dollar Strafe sowie Entschädigungen in noch unbekannter Höhe an Betrugsopfer zahlen. Dies teilte die Kahnawake Gaming Commission mit, welche Lizenzen für Online-Glücksspiele vergibt.

Profi als Helfer

Laut einem Untersuchungsbericht ist Poker-Profi Russ Hamilton unter den Hauptbeschuldigten, die für die Betrügereien zwischen Mai 2004 und Januar 2008 verantwortlich sein sollen. Weitere Verdächtige werden am 3. November genannt. Dann wird der Abschlussbericht veröffentlicht.

Bis zu diesem Termin hat UltimateBet Zeit, alle Opfer zu entschädigen. Die Poker Seite gehört wie AbsolutePoker zu CEREUS, dem nach eigenen Angaben drittgrössten Poker-Netzwerk der Welt. Auch Absolute Poker wurde zu einer Geldstrafe wegen Betrügereien verurteilt.

Zehn Millionen Schaden

Aufgedeckt hatte die kriminellen Machenschaften, deren Gesamtschaden sich laut der Zeitung Sydney Morning Herald auf rund zehn Millionen US-Dollar beläuft, der Australier Micheal Josem. «Wer beim Pokern alle Karten des Gegners kennt, gewinnt immer und genau das ist passiert», sagt er. Dank einer Sicherheitslücke in der Seiten-Software konnten Hacker genau sehen, welche Karten ihre Gegner hatten.

Josem hatte in Blogs gelesen, dass bei Absolute Poker betrogen werde. Also analysierte er die Gewinnraten von 870 Accounts. Danach verglich er sie mit denen von verdächtigen Online-Zockern. Das Ergebnis: Manche Pokerspieler gewannen 100 mal häufiger als es einem sehr guten Profi normalerweise gelingt. So erspielte ein Nutzer namens NioNio mit 3000 Händen rund 300 000 US-Dollar.

Verschwundene Dokumente

Michael Josem meldete sich bei der Kahnawake Gaming Commission. Ermittlungen der Behörde ergaben, dass Absolute Poker versucht hatte, die Betrügereien zu verbergen, indem man Computer-Protokolle und Dokumente verschwinden lassen wollte. Das Unternehmen musste im Januar 2008 eine Strafe von 500 000 US-Dollar zahlen.

Absolute Poker und UltimateBet fordern seit dieser Woche vom Entwickler ihrer Software Schadensersatz von 75 Millionen US-Dollar. Die Begründung: Man sei nicht über die Sicherheitslücken informiert worden, die den Betrug ermöglichten.

Für Josem haben sich die Recherchen gelohnt: Er arbeitet heute für die Seite Poker Stars - als Sicherheitsexperte.

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