«Pink Panther»: Millionendieb von Verbier ist gefasst
Aktualisiert

«Pink Panther»Millionendieb von Verbier ist gefasst

Sie stürmten in Verbier VS eine Bijouterie und raubten Juwelen für zwei Millionen Franken. Nun hat die Polizei einen der mutmasslichen Täter, Igor J., an der serbisch-montenegrinischen Grenze festgenommen.

von
Amir Mustedanagic

Fast zwei Jahre lang war Igor J. auf der Flucht vor der Schweizer Justiz, nun ist er in die Falle getappt. Die montenegrinische Polizei verhaftete den 29-jährigen Serben am Freitag am Grenzübertritt Dobrakovo zwischen Serbien und Montenegro. J. wird vorgeworfen, am 3. November 2009 in Verbier VS eine Bijouterie brutal überfallen und Uhren sowie Juwelen im Wert von zwei Millionen Franken geraubt zu haben.

Der Serbe soll mit drei Komplizen das Schmuckgeschäft kurz vor Ladenschluss gestürmt haben. Sie bedrohten die Angestellten mit Teppichmessern und einer automatischen Waffe, fesselten sie mit Klebeband und leerten anschliessend den Tresor. Der spektakuläre Coup dauerte weniger als fünf Minuten. Die Täter verschwanden, wie sie gekommen waren: schnell und fast spurlos.

Schweiz stellt Auslieferungsgesuch

Die Verhaftung endete nun ganz anders als die Raubüberfälle der berüchtigten und weltweit agierenden «Pink Panther»-Bande: Die montenegrinische Polizei verhaftete Igor J. ganz unspektakulär beim Versuch ins Land einzureisen. Wie das Bundesamt für Justiz gegenüber 20 Minuten Online mitteilt, erfolgte die Festnahme aufgrund eines Schweizer Fahndungsgesuchs. «Die Schweiz wird innert 18 Tagen ein formelles Auslieferungsgesuch für den Tatverdächtigen stellen», sagt Sprecher Folco Galli.

Bijouterie-Überfall in Schaffhausen

Wann Igor J. anschliessend an die Schweiz ausgeliefert wird, ist gemäss den montenegrinischen Behörden noch unklar. «Bis zur Auslieferung kann es nach dem Gesuch 5, aber auch 35 Tage gehen», sagt eine Sprecherin des Polizeiministeriums in Podgorica auf Anfrage von 20 Minuten Online. Sicher ist: Die Verhaftung von J. könnte den Schweizer Behörden auf die Spur weiterer Bijouterie-Überfälle führen. Wie es in Podgorica heisst, handelt es sich bei Igor J. um ein Mitglied von «Pink Panther».

Panther sind Perfektionisten und skrupellos

Die Juwelenbande agiert weltweit und ist gemäss Interpol für Diebstähle im Wert von über 100 Millionen Euro verantwortlich. «Pink Panther» wurde auch in der Schweiz in Zusammenhang mit zahlreichen Bijouterie-Überfällen gebracht. Für Schlagzeilen sorgten zuletzt die mutmasslichen Beutezüge der Juwelenbande in Zürich und Schaffhausen. In Schaffhausen raubten dabei am 9. März 2011 vier Unbekannte die Bijouterie Hannibal aus. Die Art des Überfalls zeigt auffällige Parallelen zu demjenigen in Verbier von 2009.

Die Räuber waren beide Male stilvoll gekleidet – weshalb sie auch als «Dandy-Gangster» Schlagzeilen machten. Sowohl der mutmassliche Räuber Igor J. und seine Komplizen als auch die Diebe in Schaffhausen trugen modische Accessoires wie markante Brillen, Hüte oder auch Foulards. Der dandyhafte Auftritt verschleiert allerdings die Skrupellosigkeit und die perfekte Planung der Raubüberfälle, die sie rund um den Globus begehen.

Schlug Igor J. bereits zuvor zu?

Ihre grösste List ist dabei ihre Anpassungsfähigkeit: In reichen Gegenden fahren sie mit Limousine und Chauffeur zu ihrem Raubzug. In Japan radelten sie bei einem Raubüberfall wie die Einheimischen zum Überfall und trugen praktischerweise Atemschutzmasken – wie viele Japaner.

Obwohl mit dem Dandy-Auftritt, der Wahl des Fluchtautos und dem Ablauf des Raubes in Verbier, Zürich und Schaffhausen Ähnlichkeiten bestehen, gibt es gemäss Kantonspolizei Zürich bisher keine Anhaltspunkte, dass der verhaftete Igor J. am Raub in Zürich beteiligt gewesen sein könnte. Hingegen gibt es Anzeichen dafür, dass J. und seine Komplizen zuvor bereits in Villars VD zugeschlagen haben: Das Fluchtauto von Verbier soll im Juli 2009 dort bei einem Bijouterie-Raub gesichtet worden sein. Ob sich der Hinweise bestätigte, ist noch unklar. Das zuständige Untersuchungsrichteramt Unterwallis war bisher für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Erfolgreiche «Pink Panther»-Jäger

Die Verhaftung von Igor J. in Montenegro ist kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren sind mindestens drei Mitglieder der berüchtigten Juwelenbande «Pink Panther» ins Netz gegangen. 2009 schnappte die Polizei Vladimir L. (im Bild) und zuletzt im Mai 2010 Bojan A., welcher für mehrere brutale Raubüberfälle in Österreich verantwortlich ist.

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