Digitalisierte Tinte: Millionenklage wegen Sportler-Tattoos in Games
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Digitalisierte TinteMillionenklage wegen Sportler-Tattoos in Games

Wegen der Körperkunstwerke berühmter Sportler verklagt ein US-Tätowierer einen Gamehersteller. Wem gehören eigentlich die Rechte an Tattoos?

von
Ph. Stirnemann

Die Basketballsimulation «NBA 2K» gehört zu den besten Sportspielen im Gamebereich. Unter anderem wegen der realistischen Darstellung der Athleten. Ob Schweissperlen, Gesichtsfalten oder Körperbehaarung, der aktuelle Titel der Serie, «NBA 2K16», ist an Fotorealismus kaum zu überbieten.

Allerdings sitzt Entwickler Take-Two Interactive wegen der wirklichkeitsgetreuen Darstellung der NBA-Cracks jetzt ganz schön in der Tinte: Ein US-amerikanisches Tattoo-Studio (Solid Oak Sketches) hat den Spielehersteller nämlich auf 1'114'000 US-Dollar wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt, wie der «Hollywood Reporter» berichtet.

«Ein gewisser Schöpfungsgrad muss gegeben sein»

Solid Oak Sketches macht bei ihm liegende Urheberrechte von insgesamt acht Designs geltend. Die fraglichen Tattoos zieren sowohl die echten als auch die virtuellen Köper verschiedener NBA-Spieler. Darunter die Top-Stars LeBron James (Cleveland Cavaliers) und Kobe Bryant (L.A. Lakers; siehe Bildstrecke).

Doch wem gehören eigentlich die Rechte an Tattoos? Urban Slamal ist auf dem Gebiet Tattoos und Recht spezialisierter Anwalt. Der Düsseldorfer ist selber am ganzen Körper tätowiert und Mitglied des Vorstandes des Bundesverbands Tattoo e.V. (BVT) in Deutschland.

100 Jahre Schönheit - Tattoos

Er sagt auf Anfrage von 20 Minuten, dass die Urheberrechte von Tintenkunstwerken auf menschlichen Körpern sehr wohl bei den Tätowierern lägen: «Allerdings muss ein gewisser Schöpfungsgrad gegeben sein», so Slamal. Würde ein Tattoo lediglich aus einem Schriftzug oder einem oft gestochenen, immer wieder (fast) gleichen Muster bestehen, gehörte es nicht zum geistigen Eigentum des Künstlers.

«Ist ein Tattoo aber durch die Kreativität des Tätowierers entstanden, hat er das Urheberrecht auf das Design.» Habe der Kunde das Motiv selber entworfen und der Artist es dann auf dessen Körper gebannt, liege das Copyright bei beiden, so der Tattoo-Anwalt.

In «Madden 15» ist nur einer tätowiert

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Gameentwickler wegen virtuellen Tattoos verklagt wird. 2012 forderte ein Künstler 4,1 Millionen US-Dollar. Der Entwickler THQ hatte im Martial-Arts-Game «UFC Undisputed 3» die Löwen-Tätowierung von Kämpfer Carlos Condits übernommen.

Die Entwickler des American-Football-Games «Madden NFL» wählten einen anderen Weg: Sie zeigten keine Tattoos, um keine Urheberrechte zu verletzen. Eine Ausnahme gibt es seit dem Spiel «Madden NFL 15». Dort sind die Körperkunstwerke von Quarterback Colin Kaepernick (San Francisco 49ers) zu sehen. Er hatte seinen Tätowierer um Erlaubnis gefragt.

LeBron James in Aktion, sowohl in Echt als auch in «NBA 2K16». (Video: Youtube/AJJ Productions)

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