Milosevic: Falsche Medikamente nachgewiesen
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Milosevic: Falsche Medikamente nachgewiesen

Der vor zwei Tagen gestorbene frï¿?here jugoslawische Prï¿?sident Slobodan Milosevic hat nach Angaben von Medizinern eigenmï¿?chtig ein Medikament eingenommen, das die Wirkung der ihm verschriebenen Mittel gegen Bluthochdruck aufhob.

Der serbische Ex-Diktator hat nachweislich ein Medikament eingenommen, das ihm die ï¿?rzte nicht verschrieben haben. Dies teilte der niederlï¿?ndische Toxikologe Ronald Uges am Montag nach der Analyse einer vor zwei Wochen entnommenen Blutprobe des Verstorbenen mit. Mï¿?glicherweise habe sich Milosevic auf diese Weise einen "einfachen Fahrschein nach Moskau" erhofft, wo er sich gegen seine Herzkrankheit behandeln lassen wollte, so Uges.

Laut vorlï¿?ufigen Ergebnissen der Autopsie starb der ehemalige Staatschef an einem Herzinfarkt. Bisher konnten aber weder Selbstmord noch eine Vergiftung als Todesursache ganz ausgeschlossen werden. Die Ermittlung der genauen Todesursache soll noch mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Milosevic musste sich seit 2002 wegen Kriegsverbrechen vor dem UNO-Tribunal (ICTY) in Den Haag verantworten und war im Gefï¿?ngnis des Tribunals inhaftiert. Er hatte einen Antrag gestellt, ihm zur Behandlung seiner Herz- und Blutdruckkrankheit eine Reise nach Moskau zu gestatten. Das Gericht hatte den Antrag aber aus Sorge, Milosevic kï¿?nnte nicht mehr nach Den Haag zurï¿?ckkehren, abgelehnt.

Auch in einer ï¿?lteren Blutprobe von Milosevic sind der niederlï¿?ndischen Nachrichtenagentur ANP zufolge Spuren eines Medikaments nachgewiesen worden, das die Wirkung seiner Blutdruckmittel einschrï¿?nkt. Die Blutprobe sei Ende vergangenen Jahres abgenommen worden, meldete ANP am Montag.

Das UNO-Kriegsverbrechertribunal (ICTY), vor dem Milosevic wegen Verbrechen wï¿?hrend der Balkan-Kriege in den 90er Jahren angeklagt war, hatte damals einen Toxikologen der Universitï¿?t Groningen eingeschaltet, um herauszufinden, warum Milosevics Blutdruck trotz seiner Medikamente hoch blieb.

Richter gegen Legendbildung

Ein deutscher Richter am ICTY hat unterdessen vor weiteren Mutmaï¿?ungen ï¿?ber die Todesursache Milosevics gewarnt. Derartige Spekulationen wï¿?rden "letztendlich nur dazu fï¿?hren, dass irgendwelche Legenden gebildet werden", sagte Wolfgang Schomburg am Montag im Deutschlandfunk. Den Erfolg und die Arbeit des Gerichts sieht der deutsche ICTY-Richter durch Milosevics Tod nicht gefï¿?hrdet.

Durch zahlreiche Zeugenvernehmungen seien "Dinge ans Licht gekommen, die ohne das Verfahren nicht gehï¿?rt worden wï¿?ren", sagte Schomburg. Die vielen Verfahren gegen weniger prominente Angeklagte hï¿?tten erst dazu beigetragen, das Fundament der Anklage gegen Milosevic zu untermauern. Der Tod des frï¿?heren jugoslawischen Prï¿?sidenten werde das Gesamtwerk des Tribunals nicht zerstï¿?ren, sagte Schomburg, der frï¿?her Richter beim deutschen Bundesgerichtshof war.

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