Pressestimmen: Minarettverbot macht international Schlagzeilen
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PressestimmenMinarettverbot macht international Schlagzeilen

Das Minarett-Verbot in der Schweiz sorgt international für Aufsehen. Für Spiegel Online, Al Jazeera und BBC war am Sonntagnachmittag das deutliche Ja der Schweizer zum Minarett-Verbot das Thema zur Stunde. Auch auf anderen Nachrichtenseiten im Internet war es die Nummer eins.

von
Annette Hirschberg

Die Annahme der Minarettverbots geht um die Welt. Fast überall ist die Meldung die Topstory auf den Online-Portalen der internationalen Zeitungen. Fast alle Artikel bezeichnen den Ausgang der Abstimmung als unerwartet. Da und dort wird bereits Kritik laut.

Eine Riesenüberraschung

So bezeichnet BBC-News, wo die Meldung am Nachmittag die am meisten gelesene Geschichte war, das Abstimmungsergebnis als «Riesenüberraschung». BBC verweist aber auch auf das europäische Umfeld. So habe Frankreich seinen Fokus auf die Kopfbedeckung für muslimische Frauen gelegt und Deutschland auf den umstrittenen Bau einer der grössten Moscheen Europas in Köln.

Botschaft an Muslime

Der Spiegel glaubt, dass auf die Schweiz mit der Annahme der Initiative

aussenpolitische Probleme zukommen werden, welche «die international orientierte Wirtschaft belasten werden.» Für den islamischen Sender Al Jazeera ist das Minarett-Verbot eine Botschaft an die Muslime in der Schweiz, damit sie «wissen wo ihr Platz ist». In der deutschen Bild ist bereits die Angst vor Terroranschlägen extremer Islamisten gegen die Schweiz ein Thema. Die Süddeutsche Zeitung streicht die symbolische Bedeutung der Abstimmung hervor.

Ausländerpolitischer Konfliktstoff

Auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird der Hintergrund der Minarett-Initiative thematisiert. «Ausländerfragen kochen in der Schweiz immer wieder hoch. Überfremdung, Sprachverkümmerung und Arbeitsplatzkonkurrenz lauten die Stichworte für Debatten zwischen Abgrenzung und Toleranz», heisst es in einem Kommentar. Die heutige Initiative sei ein Beispiel für diesen ausländerpolitischen Konfliktstoff.

«Schweiz fällt hinter Aufklärung zurück»

Hart geht die Welt mit dem Schweizer Stimmvolk ins Gericht: Die Schweiz falle hinter die Aufklärung zurück, heisst es in einem Kommentar. Das Ergebnis zeige aber auch, wie tief die Ängste vor dem Islam in Europa sind. Es sei aber die falsche Antwort auf eine richtige Frage: Die nach dem richtigen Umgang mit einer wachsenden muslimischen Minderheit, nach den Grenzen der Toleranz gegenüber zuweilen rückschrittlicher Gesinnung.

In der britischen Times wird die Rolle der Frau für die Abstimmung thematisiert. So sollen die feministischen Frauen das Zünglein an der Waage gespielt haben.

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