Aktualisiert 20.10.2006 05:27

Minderjährige Prostituierte: In Zürich keine Einzelfälle

Minderjährige Mädchen, die als Prostituierte arbeiten: Laut Zürcher Beratungsstellen kommen solche Fälle immer wieder vor. Vor ein paar Tagen war in Winterthur eine 16-jährige Liebesdienerin entdeckt worden.

In einem Sexclub in Winterthur ist die Stadtpolizei auf eine 16-Jährige gestossen, die dort ihre Liebesdienste anbot (20 Minuten berichtete). Keine Seltenheit: Auf dem Zürcher Strassenstrich habe sie in den letzten zwei Monaten über fünf Minderjährige angetroffen, sagte Jeanette Vernay von der Beratungsstelle Basta zu 20 Minuten: «Am Sihlquai und an der Brauerstrasse gibt es immer wieder Mädchen im Alter von 16 oder 17 Jahren, die sich Freiern anbieten.» Meist seien die Teenager noch in Ausbildung und gingen nur in der Freizeit auf den Strich. Vernay: «Sie leben nicht von der Prostitution, sondern verwenden das Geld als Zustupf, um teure Mode oder Kokain zu kaufen.»

Auch Eva Danzl, Leiterin Beratung beim Fraueninformationszentrum (FIZ), kennt Fälle von minderjährigen Prostituierten. «Mädchen, die nach der Schule keine Lehrstelle finden, können ins Sex-Milieu abrutschen.» Das FIZ berät immer mehr ausländische Teenager, die durch Mädchenhandel als Prostituierte nach Zürich gebracht werden. «Sie sind besonders wehrlos, weil sie nicht nur traumatisiert sind, sondern auch noch pubertieren.» Dass Prostitution schon ab 16 erlaubt ist, sei problematisch.

Marco Lüssi

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