Pornos geteilt : Minderjährige verüben jedes vierte Sexualdelikt
Publiziert

Pornos geteilt Minderjährige verüben jedes vierte Sexualdelikt

Jedes vierte Sexualdelikt wird laut Kriminalstatistik 2019 von einem Kind begangen. Viele betreffen illegale Pornografie. Aber auch bei Vergewaltigungen steigen die Zahlen.

von
jeb
1 / 5
Bei den Sexualdelikten unter Minderjährigen...

Bei den Sexualdelikten unter Minderjährigen...

Keystone/Christian Beutler
geht es meist um illegale Pornografie. (Symbolbild)

geht es meist um illegale Pornografie. (Symbolbild)

Marcus Brandt
Bei den 10- bis 14-Jährigen kam es 2019 zu 660 Anzeigen wegen Sexualstraftaten.

Bei den 10- bis 14-Jährigen kam es 2019 zu 660 Anzeigen wegen Sexualstraftaten.

Christophe Gateau

«Bei jedem vierten Sexualdelikt war die beschuldigte Person minderjährig», schreibt die «Sonntagszeitung» unter Berufung auf die Kriminalstatistik 2019 des Bundes. Die Zahl der Anzeigen habe sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Die Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen führt die Statistik der Anzeigen wegen Sexualstraftaten mit 660 Fällen an. Das sind mehr als doppelt so viele wie in jeder anderen Altersgruppe.

In den allermeisten Fällen geht es um den Straftatbestand der illegalen Pornografie. Laut Experten hat das damit zu tun, dass Jugendliche zu sorglos mit Nacktbildern und Pornografie umgehen. Einerseits versenden sie freizügige Bilder von sich selbst, andererseits Pornobilder und -videos an ihre minderjährige Kollegen. Beides ist strafbar.

Obwohl im Schulunterricht auf die Gefahr aufmerksam gemacht wird, geraten vermehrt Minderjährige in die Mühlen der Justiz. «Viele Jugendliche vergessen, wie schnell sie sich strafbar machen», sagt Hans Melliger, Leiter der Aargauer Jugendanwaltschaft zur «Sonntagszeitung». Oft gehe vergessen, dass auch das Teilen von einfachen Sexbildern und -filmen mit Jugendlichen und Kindern unter Strafe steht.

Pornos in Whatsapp-Gruppe geteilt

Das wurde beispielsweise einer Gruppe von zehn Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren aus dem Kanton Graubünden zum Verhängnis. Sie teilten innerhalb von vier Monaten fast tausend pornografische Dateien. 19 davon waren laut Kantonspolizei Graubünden auch für Erwachsene illegal. Die Strafbehörden ermittelten deswegen 2019 gegen die Jugendlichen.

Ein weiterer Jugendlicher stand vor Gericht, weil er unter anderem Nacktbilder von sexuellen Handlungen zwischen ihm und seiner damals 14-jährigen Freundin aufnahm.

Viele Anzeigen wegen Vergewaltigungen

Doch nicht nur bei der Verbreitung von Pornografie via Smartphones sind Minderjährige in der Kriminalstatistik auffallend oft vertreten. Auch bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung steigen die Zahlen. Beim Delikt Vergewaltigung wurden 56 Fälle gezählt, bei sexueller Nötigung 96. Das sind mehr als bei allen Beschuldigten über 45 Jahren zusammen.

Tipps für Eltern

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das, was es im Netz erlebt. Bieten Sie Ihrem Kind auch an, dass es sich bei einer anderen Vertrauensperson aussprechen kann.

Greifen Sie in der Familie das Thema Selbstdarstellung im Netz auf. Zeitungsberichte über Sexting- und Sextortion-Fälle können geeignete Aufhänger für Gespräche dieser Art sein.

Gehen Sie auch das Thema Gruppendruck und die Dynamik von Beziehungen ein. Fragen Sie nach: Warum macht man mit, warum nicht? Wann gehört man dazu, wann nicht mehr?

Besprechen Sie mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn, welche Fotos riskant sind. Als Faustregel gilt: Publizierte Bilder sollten so beschaffen sein, dass diese auch mit gutem Gefühl in einer Zeitung erscheinen dürften. Was als persönlicher Austausch begann, kann ungewollt oder nach dem Auseinanderbrechen einer Beziehung oder Freundschaft in einem grösseren Kreis veröffentlicht werden.

Raten Sie Ihrem Kind dringend davon ab, Nacktbilder oder sexuell gefärbte Bilder ins Netz zu stellen, zu versenden oder auf einem ungesicherten Gerät aufzubewahren.

Deine Meinung