Afghanistan: Verheerendes Erdbeben fordert bereits 1000 Tote
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AfghanistanVerheerendes Erdbeben fordert bereits 1000 Tote

Es ist später Abend, als an der Grenze von Afghanistan und Pakistan die Erde bebt. Das bergige Terrain ist abgelegen und erschwert die Rettungsarbeiten. Die Opferzahlen sind enorm.

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Rettungskräfte in der Provinz Paktika.

Rettungskräfte in der Provinz Paktika.

Afghanische Nachrichtenagentur
Es sind mindestens 1000 Personen ums Leben gekommen.

Es sind mindestens 1000 Personen ums Leben gekommen.

Afghanische Nachrichtenagentur
Das Erdbeben hatte eine Stärke von 6,1.

Das Erdbeben hatte eine Stärke von 6,1.

Afghanische Nachrichtenagentur

Darum gehts

Bei einem verheerenden Erdbeben in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion sind nach offiziellen Angaben mindestens 920 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 1500 Menschen seien verletzt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Bachtar am Mittwoch. Der stellvertretende Staatsminister für Katastrophenmanagement, Scharafuddin Muslim, hatte in einer Pressekonferenz zunächst von 920 Toten und 600 verletzten gesprochen und gesagt, er rechne damit, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen werde.

Zuvor hatte der Generaldirektor der Nachrichtenagentur Bachtar, Abdul Wahid Rajan, bei Twitter geschrieben, in Paktika seien 90 Häuser zerstört worden und Dutzende Menschen unter den Trümmern eingeschlossen. Der afghanische Rote Halbmond habe 4000 Decken, 800 Zelte und 800 Küchensets in das betroffene Gebiet geschickt.

Zugang zu abgelegener Region schwierig

Erschwert werden die Rettungsarbeiten durch den Zugang zur abgelegenen Bergregion. Die militant-islamistischen Taliban, die seit August 2021 wieder in Afghanistan herrschen, riefen eine Notsitzung des Kabinetts zusammen. Mehrere Helikopter wurden in die Unglücksregion geschickt, um den Menschen vor Ort zu helfen. Ein Regierungssprecher rief Hilfsorganisationen zur Unterstützung auf. Bereits am Mittwoch trafen Helfer des Roten Halbmonds ein.

«Ein schweres Erdbeben hat vier Bezirke der Provinz Paktika erschüttert und Hunderte unserer Landsleute getötet und verletzt und Dutzende Häuser zerstört», schrieb Bilal Karimi, ein Vizesprecher der Taliban-Regierung, auf Twitter. «Wir drängen sämtliche Hilfsgruppen, sofort Teams in das Gebiet zu schicken, um eine weitere Katastrophe zu vermeiden.»

Erdbeben auch in Pakistan zu spüren

Die US-Erdbebenwarte (USGS) vermeldete für das Beben kurz vor 23.00 Uhr am Dienstag (Ortszeit) die Stärke 5.9 sowie ein etwas schwächeres Nachbeben. Demnach befand sich das Zentrum des Bebens rund 50 Kilometer südwestlich der Stadt Chost nahe der Grenze zu Pakistan in rund zehn Kilometern Tiefe. Pakistanische Behörden hatten das Beben mit einer Stärke von 6.1 registriert.

Pakistanischen Angaben zufolge waren die Erschütterungen in weiten Teilen des angrenzenden Landes – so auch in der Hauptstadt Islamabad und selbst in Lahore im Osten des Landes – zu spüren. Mancherorts brach Panik aus, über Schäden oder Verletzte in Pakistan war nach ersten Angaben jedoch nichts bekannt. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif drückte im Internet seine Betroffenheit aus und stellte Hilfe für die Menschen im Nachbarland in Aussicht.

Robert Sanders, Seismologe bei der amerikanischen Erdbebenwarte USGS, erklärte, an den meisten Orten der Welt würde ein Erdbeben dieser Grössenordnung keine derartigen Schäden anrichten. Die Zahl der Todesopfer hänge jedoch häufig von der Geografie, der Bauqualität und der Bevölkerungsdichte ab. Wegen der bergigen Landschaft gebe es Steinschlag und Erdrutsche, von denen man erst später erfahren werde. In der Vergangenheit habe man gesehen, dass ähnliche Beben in diesem Teil der Welt erhebliche Schäden angerichtet hätten.

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(DPA/fur)

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