Bolivien: Mindestens 30 Tote bei Gefängnisrevolte
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BolivienMindestens 30 Tote bei Gefängnisrevolte

Im grössten Gefängnis Boliviens sind nach einem Streit 30 Häftlinge umgekommen. Eine Gasexplosion hat beim Machtkampf um die Führung des Gefängnisses einen Brand verursacht.

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Das Gefängnis Palmasola ist wie viele andere in Bolivien deutlich überfüllt.

Das Gefängnis Palmasola ist wie viele andere in Bolivien deutlich überfüllt.

Bei Zusammenstössen rivalisierender Banden im Gefängnis Palmasola im bolivianischen Santa Cruz sind am Freitag mindestens 30 Menschen getötet worden. 60 Häftlinge seien schwer verletzt worden, sagte der Direktor der bolivianischen Strafvollzugsbehörde, Ramiro Llanos.

Hintergrund der Auseinandersetzung war offenbar ein Machtkampf in dem Gefängnis. Eine Gruppe von Häftlingen war nach Polizeiangaben in einen anderen Trakt eingedrungen und hatte dort ein Feuer gelegt. Innenminister Carlos Romero sagte, Insassen eines Zellenblocks hätten Mithäftlinge mit Messern, Macheten und Gasflaschen angegriffen, die wie Flammenwerfer benutzt worden seien. Es sei ein Machtkampf um die Führung des Gefängnisses gewesen.

Tanks mit Gas explodierten

Die Angreifer hätten die Ventile der Gasflaschen geöffnet und das ausströmende Gas entzündet, sagte Romero. Die Strohmatratzen in den Zellen hätten Feuer gefangen. «Die Opfer wurden von den Flammen eingeschlossen», sagte der Minister. Sicherheitskräfte brauchten Stunden, um das Feuer zu löschen und wieder die Kontrolle in dem Hochsicherheitsgefängnis Palmasola ausserhalb der ostbolivianischen Stadt Santa Cruz zu übernehmen. Romero präsentierte den Medien fünf Männer, die er als Anführer der Revolte bezeichnete. 50 weitere Häftlinge seien wegen Beteiligung an der Gewalt in Isolationshaft genommen worden.

Unter den Toten war nach Behördenangaben auch ein eineinhalbjähriges Kind. Die Vereinten Nationen hatten erst vor zwei Monaten die bolivianische Praxis kritisiert, inhaftierten Eltern zu gestatten, ihre bis zu sechs Jahre alten Kinder mit ins Gefängnis zu nehmen. Rud ein Dutzend Kinder wurden nach der Revolte aus dem Gefängnis gebracht.

Wie in vielen lateinamerikanischen Gefängnissen haben Gefangenengruppen die Kontrolle im Inneren von Palmasola übernommen. In dem Gefängnis sitzen 3500 Gefangene, mehr als vier von fünf Insassen warten noch auf ihren Prozess. Romero räumte ein, dass hinter den Gefängnismauern Häftlingsbanden die Kontrolle des Alltags übernommen hätten. Er sprach sich für eine Reform des Strafvollzugs aus, «um die Kontrolle des Staates wieder zu erlangen». (kle/sda)

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