Dolomiten, Italien: Mehrere Tote bei Gletscherbruch – Suche nach Vermissten unterbrochen

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Dolomiten, ItalienMehrere Tote bei Gletscherbruch – Suche nach Vermissten unterbrochen

Auf dem Dolomitenberg Marmolata ist eine Bergsteigergruppe von herunterfallendem Gletschereis verschüttet worden. Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich mindestens 15 Personen im Gebiet. 

von
Reto Bollmann
Karin Leuthold

Eine massive Lawine aus Schnee-, Eis- und Stein verschüttete mehrere Personen in den Dolomiten. Auf etlichen Handyvideos war zu sehen, wie die Lawine über die Felswände des Massivs in Tal stürzte. 

CNSAS

Darum gehts

  • In den Dolomiten brach am Sonntag von einem Gletscher ein gewaltiges Stück ab.

  • Der Gletscher riss auf dem Weg ins Tal mehrere Bergsteiger mit.

  • Das Unglück dürfte mit der Trockenheit und der Hitze im Land zusammenhängen.

Ein Gletscherabbruch ist Wandernden auf dem Dolomiten-Berg Marmolata zwischen Trentino-Südtirol und Venetien zum Verhängnis geworden. Mindestens sechs Menschen starben, hinzu kommen acht Verletzte. Eine der verletzten Personen befinde sich in ernstem Zustand, wie der «Corriere della Serra» berichtet. Wie die alpinen Rettungskräfte auf Facebook schreiben, ging eine Schnee-, Eis- und Steinlawine herunter, während sich mehrere Seilschaften im Gebiet befanden.

Personen aus mindestens zwei Seilschaften wurden von der Lawine erfasst und weggerissen. Ein Sprecher der italienischen Bergrettung sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass zunächst unklar war, ob neben den Seilschaften auch noch einzelne Bergsteiger an den Unglücksstellen unterwegs waren.

Dennoch musste die Suche nach weiteren Opfern und Vermissten am Sonntagabend unterbrochen worden – wegen der Gefahr von neuen Gletscherstürzen. Wie die Einsatzkräfte mitteilten, wurden die Bergretter von der Flanke des Berges Marmolata abgezogen. Zunächst müsse geklärt werden, wie sicher die Lage für die Helfer sei. Die Helikopter waren indes weiter im Einsatz. Der gesamte Gletscher wurde mittlerweile gesperrt.

16 Autos stehen auf dem Parkplatz am Fusse des Berges

Noch ist unklar, wie viele Menschen beim Unglück vermisst werden. Die Rettungskräfte befürchten, dass es noch zwischen 12 und 15 Opfer geben könnte. Denn: Auf dem Parkplatz am Fusse des Bergmassivs Marmolata, von dem die Aufstiegswege losgehen, wurden 16 Autos gezählt, deren Halter noch nicht ausfindig gemacht wurden.

«Wir wissen noch nicht, ob die Wagen den toten oder vermissten Personen gehören oder Leuten, die nichts mit dem Unfall zu tun haben», sagte der Regionalpräsident von Trentino-Südtirol, Maurizio Fugatti.

Lawinenhunde und Helikopter im Einsatz

Am frühen Sonntagnachmittag waren sämtliche Bergretter der Gegend aus den Regionen Venetien und Trentino-Südtirol alarmiert worden. Fünf Helikopter flogen sie auf den Berg und bargen die Toten und Verletzten. Einige Hundestaffeln kamen zum Einsatz, um nach Opfern zu suchen.

Die Leute, die oberhalb der Unglücksstelle festsassen, wurden mit Helikoptern in das Tal gebracht. Nach Angaben der Rettungskräfte wurden die Leichen aus den Eismassen geborgen.

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Beim Marmolatagletscher kam es zu einem folgenschweren Gletscherbruch.

Beim Marmolatagletscher kam es zu einem folgenschweren Gletscherbruch.

Facebook/Corpo Nazionale Soccorso Alpino e Speleologico - CNSAS
Eine Schnee-, Eis- und Steinlawine erfasste die Mitglieder mehrerer Seilschaften.

Eine Schnee-, Eis- und Steinlawine erfasste die Mitglieder mehrerer Seilschaften.

Facebook/Montagna Magica
IMAGO/Eibner

Unglück mit Hitze und Trockenheit verbunden

Zur Ursache des Unglücks gab es zunächst keine offiziellen Angaben – allerdings deutet alles darauf hin, dass die hohen Temperaturen der vergangenen Tage, Wochen und Monaten eine Rolle spielen dürften. Gestern erreichten die Temperaturen auf der Marmolata einen Rekordwert mit etwa zehn Grad auf dem Gipfel. Dies begünstigte wohl den Abbruch.

Die Situation ist gefährlich, denn es besteht die Gefahr weiterer Lawinen. Darum war auch ein Helikopter mit einer sogenannten Daisybell im Einsatz – ein System, das Lawinen künstlich und kontrolliert auslöst, um weitere Unfälle zu vermeiden. Retter und Retterinnen forderten alle Alpinisten auf, bis auf Weiteres nicht auf die Marmolata zu kommen.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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