Aktualisiert 20.10.2015 14:49

«Inakzeptable Zustände»

Mindestens ein Dutzend Gammel-Häuser in Zürich

Mietwucher bei Wohnungen von Sozialhilfeempfängern sind in Zürich kein Einzelfall. Die Stadt versucht dagegen vorzugehen – doch einfach ist das nicht.

von
som

Kakerlaken, Uringeruch, alles ist dreckig und kaputt: In zwei Häusern an der Neufrankengasse und in einem an der Magnusstrasse im Kreis 4 hat Vermieter Peter S. Wohnungen in einem desolaten Zustand zu horrenden Preisen vermietet, meist an Sozialhilfebezüger. Die Polizei ging am Dienstag mit einer Grossrazzia gegen den Mietwucher vor und verhaftete vier Personen.

Neu ist das Problem nicht. In Zürich gibt es einige Vermieter, die Flüchtlinge und Sozialhilfebezüger in ihren Lotterliegenschaften leben lassen. Für eine Einzimmer-Wohnung mit eigener Küche und Bad verlangen sie 1100 Franken – das ist der Maximalzins, den die Stadt für ihre Sozialhilfebezüger zahlt.

Regelmässige Kontrollen in Lotterliegenschaften

«Uns sind ein Dutzend Liegenschaften bekannt, in dem die Zustände fragwürdig sind», sagt Michael Rüegg, Sprecher des Sozialhilfedepartements. Dabei sei es nicht überall gleich schlimm: «Wir sind aber daran, dagegen etwas zu unternehmen.»

So werden schon seit 2014 Kontrollen wegen baurechtlicher oder hygienischer Mängel durchgeführt, an denen verschiedene Abteilungen der Stadt wie die Polizei, die Schädlingsbekämpfung oder die Feuerpolizei beteiligt sind. «Stossen unsere Leute dabei auf Baumängel, Schädlinge oder Schimmelbefall, erhält der Vermieter die Auflage, das zu beheben», sagt Rüegg. Zudem erkläre man Mietern, dass sie sich gegen unhaltbare Zustände wehren könnten: «In so einem Fall ermutigen wir die Mieter, vor Mietgericht zu sehen.»

Mieter scheuen vor Klage zurück

Momentan sind laut Rüegg zwei Verfahren am Laufen. «Viele Mieter zögern allerdings, ihren Vermieter anzuklagen», sagt er. Denn viele Menschen, die am Rande der Gesellschaft lebten, seien einfach nur froh, wenn sie etwas fänden. Die Stadt versucht ihnen laut Rüegg dabei zu helfen und fördert etwa den Bau von gemeinnützigem Wohnraum: «Trotzdem sind bezahlbare Wohnungen immer noch Mangelware.»

Dass die Vermieter dafür weniger verlangen als der Maximalzins von 1100 Franken, sei Wunschdenken: «In der Schweiz haben Vermieter einen grossen Spielraum bei der Festlegung der Mietzinse.»

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