Mindestgebühr in Cafés: «Absolut lächerlich»
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Mindestgebühr in Cafés: «Absolut lächerlich»

Künftig soll jeder Gast, der sich in ein Café setzt, eine Mindestgebühr bezahlen müssen. Mit diesem Vorschlag zur Gewinnmaximierung haben die Café-Betreiber einem Sturm der Empörung bei Konsumentenorganisationen und Preisüberwacher ausgelöst.

«Der Vorschlag ist absolut lächerlich», sagt Jacqueline Bachmann, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die Idee sei alles andere als kundenfreundlich und verjage höchstens die Gäste. «Das würden sich garantiert sehr viele Gäste nicht bieten lassen.»

Die Wirte hätten offenbar ein wirkliches Problem mit dem Einkommen. Bachmann zeigt grundsätzlich Verständnis für die Lösungssuche der Branche. Dass Wirte bei zuwenig Einkommen nach Lösungen suchen müssten, sei klar. «Aber offenbar gibt es zuviele Beizen», erklärt Bachmann.

Keine Wirte subventionieren

«Mit Konsumationsgebühren Wirte subventionieren, nein danke» - sagt Bachmann. Wirte sollten sich dem Wettbewerb stellen, die Innovativen würden gewinnen und die anderen ihre Betriebe aufgeben müssen. «Das mussten die Bauern und andere Branchen auch lernen. Wenn Preis und Qualität stimmen für die Gäste, dann bezahlen diese auch einen fairen Preis».

Verärgert über den Vorschlag ist auch Fabiola Monigatti, Geschäftsführerin des Konsumentenforums: «Die Konsumenten werden sich heftig wehren.» Es könne doch nicht sein, dass immer die Konsumenten als erste zur Kasse gebeten werden, wenn die Betriebe wirtschaftlich nicht rentieren. «Das ist nicht gerechtfertigt.»

Imageproblem

Von einem psychologisch hochgradig aufgeladenen Thema spricht Rudolf Strahm, Preisüberwacher und häufiger Kaffeetrinker: «Jene, die diesen Vorschlag inszenieren, müssen sich ganz stark bewusst sein, was sie damit auslösen», warnt Strahm.

Die Branche werde sich ein Imageproblem einhandeln. «Der Vorschlag ist kontraproduktiv», erklärt Strahm. Denn es werde genügend Anbieter geben, die diese Gebühr nicht einführen werden und damit Marktanteile gewinnen dürften.

Die Cafétiers überrascht der erhebliche Widerstand seitens der Kunden nicht. Doch Verbandsgeschäftsführerin Johanna Bartholdi verteidigt ihr «Denkmodell». «Wir haben zwar eine Lawine losgetreten. Aber manchmal muss man schräge Denkanstösse geben, damit die Wirte selber kreativ werden», erklärt Bartholdi. 1400 der 2100 Betriebe beim Cafétier-Verband schreiben rote Zahlen.

Denkanstoss

«Im übrigen habe ich nie von 5 Franken gesprochen. Die Spannbreite für eine Mindestkonsumation liegt zwischen 3.50 und 5.50 Franken.» Letztlich sei aber jeder Betrieb selbst für seine Preispolitik verantwortlich. «Es ist nur ein Denkanstoss, keine Empfehlung».

Wichtig sei, dass sich die Kundinnen und Kunden wie auch die Gastwirte bewusst seien, dass jede Dienstleistung im Gastgewerbe bezahlt sein müsse, sagt Bartholdi weiter. Und die Geschäftsführerin freut sich: «Wir haben heute von Konsumenten bereits zwei sehr kreative und interessante Vorschläge erhalten.»

Damit zahlte sich der im «SonntagsBlick» lancierte Vorschlag für den Cafétier-Verband bereits aus, wie Bartholdi bilanziert.

(sda)

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