Trinkwasser verunreinigt: «Mineralwasser-Absatz hat sich verdreifacht»
Aktualisiert

Trinkwasser verunreinigt«Mineralwasser-Absatz hat sich verdreifacht»

Die Bewohner von drei Solothurner Gemeinden sollen wegen Verschmutzungen seit einer Woche kein Leitungswasser trinken. Nicht alle nehmen das gleich auf.

von
Benjamin Hostettler

Was halten die Bewohner Dullikens von der Wasserverschmutzung? (Video: Benjamin Hostettler)

Am Montag letzter Woche wurden die Einwohner von Dulliken, Obergösgen und Lostorf via Flugblätter informiert, dass ihr Trinkwasser mit Fäkalkeimen aus der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Winznau verunreinigt ist.

Schuld war wohl ein Stromausfall in der Region: Nach dem Blackout versagten sowohl die Pumpen als auch das Alarmsystem in der ARA. In der Folge gelangte ungeklärtes Abwasser in die Alte Aare und von dort ins Grundwasser.

Trinkwasserverbot spaltet Dulliker

20 Minuten begab sich auf Spurensuche in die Gemeinde Dulliken. Hier zeigt sich schnell, dass die Bewohner auf verschiedene Art mit dem Thema umgehen.

Auf der einen Seite häufen sich frustrierte Stimmen. «Ich muss immer auswärts zu Bekannten duschen gehen. Die sollen sich beeilen», sagt ein aufgebrachter Anwohner.

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In Obergösgen müssen die Bürger das Leitungswasser abkochen.

In Obergösgen müssen die Bürger das Leitungswasser abkochen.

Leser-Reporter
So wurde die Bevölkerung in Obergösgen, Dulliken, Lostorf informiert.

So wurde die Bevölkerung in Obergösgen, Dulliken, Lostorf informiert.

Leser-Reporter
Dieses Schild hängt an der Eingangstür eines Altersheims in Dulliken.

Dieses Schild hängt an der Eingangstür eines Altersheims in Dulliken.

Benjamin Hostettler

Viele Bürger berichten zudem, dass sie seit längerem nichts mehr von den Behörden gehört hätten. «Man fühlt sich ein wenig im Stich gelassen», sagt der Mann.

Ein weiteres Problem: Das Wasser rieche extrem nach Chlor. «Das ist schwer zu ertragen. Man könnte meinen, man befinde sich in einem Schwimmbad», so eine Anwohnerin.

«Höchstens eine Magenverstimmung»

Auf der anderen Seite sind die Bewohner, die das Problem des verunreinigten Wassers für übertrieben halten. «Diese Fäkalbakterien im Wasser lösen höchstens eine Magenverstimmung aus», erzählt ein älterer Herr. Er habe bereits wieder vom Wasser getrunken – jeweils mit einem Schluck Hochprozentigem hinterher.

Auch ein anderer Anwohner meint, dass die Angelegenheit zu stark dramatisiert werde. «Die Schweiz hat ein riesiges und komplexes Wasserleitungssystem mit bestem Trinkwasser. Da ist es nur naheliegend, wenn einmal nicht alles wie gewünscht funktioniert.»

«Um 10 Uhr kein Wasser mehr»

Die letzte Woche sei chaotisch gewesen, berichtet eine Verkäuferin eines Lebensmittelladens. «Der Absatz von Mineralwasser hat sich in der letzten Woche verdreifacht. Bereits am Tag nach der Warnung, also am Dienstag, standen die Kunden vor leeren Wasserregalen.» Nur dank der Hilfe von Partnerfilialen in den umliegenden Orten habe man den Ansturm meistern können, so die Frau.

Mittlerweile habe sich die Lage wieder etwas normalisiert. «Wir sind aber froh, dass noch viel Wasser vorhanden ist, falls die Verunreinigung noch längern dauern sollte.»

Am Montag wurden im Auftrag des Kantons weitere Proben genommen. Gemeindepräsident Peter Frei: «Weil die Auswertung mindestens drei Tage in Anspruch nimmt, gibt es jedoch frühestens am Donnerstag eine Entwarnung.»

SP-Nationalrätin kritisiert Behörden-Kommunikation

SP-Nationalrätin Bea Heim kritisiert in einem Leserbrief in der «Neuen Oltner Zeitung», dass die Information über die Trinkwasserverschmutzung seitens der Behörden nur in Deutsch erfolgt sei. «Dabei müsste der öffentlichen Hand doch die Gesundheit von allen gleich wichtig sein», so Heim.

Der Obergösger Gemeindepräsident Peter Frei kontert: «Die Flugblätter mussten rasch erstellt und verteilt werden. Da blieb keine Zeit für Übersetzungen.» Auch stelle sich die Frage, in welche Sprache man die Warnung übertrage. «Hier leben viele Nationen – und wir wollen keine davon diskriminieren.»

Laut Frei gibt es eine Hotline, an die sich die Bürger wenden könnten. «Dort hat sich niemand gemeldet, weil er die Information nicht verstanden hätte», so Frei. SUL

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