Aktualisiert 20.07.2017 16:35

Unsinnige TransportwegeMineralwasser reist 22'000 km um die Welt

In Schweizer Supermarktregalen finden sich Produkte, die eine lange Reise hinter sich haben. Die Alpen-Initiative kürt die schlimmsten Sünder.

von
laz
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Seit 2002 vergibt die Alpen-Initiative jährlich den «Teufelsstein für Unsinnstransporte». Es werden Produkte gekürt, welche unnötig lange Transportwege in die Schweiz nehmen.

Seit 2002 vergibt die Alpen-Initiative jährlich den «Teufelsstein für Unsinnstransporte». Es werden Produkte gekürt, welche unnötig lange Transportwege in die Schweiz nehmen.

Alpen-Initative
Zur Auswahl steht zunächst das Luxus-Mineralwasser «Fiji». Laut der Alpen-Initative befördert die Transportfirma Trivarga  das Wasser gut 22'000 Kilometer von den Fidji Inseln über  Grossbrittannien in die Schweiz. Der Transport einer Flasche verbrauche rund 12'000 Mal mehr CO2 als dieselbe Menge Hahnenwasser.

Zur Auswahl steht zunächst das Luxus-Mineralwasser «Fiji». Laut der Alpen-Initative befördert die Transportfirma Trivarga das Wasser gut 22'000 Kilometer von den Fidji Inseln über Grossbrittannien in die Schweiz. Der Transport einer Flasche verbrauche rund 12'000 Mal mehr CO2 als dieselbe Menge Hahnenwasser.

Alpen-Initative
Arturo Sutter, Generaldirektor von Trivarga sagte der «Tribune de Genève», dass die Stiftung «Fiji-Water» welche, das Mineralwasser verkauft, «eine der grössten Non-Profit-Organisationen auf den Fidschi-Inseln» sei.

Arturo Sutter, Generaldirektor von Trivarga sagte der «Tribune de Genève», dass die Stiftung «Fiji-Water» welche, das Mineralwasser verkauft, «eine der grössten Non-Profit-Organisationen auf den Fidschi-Inseln» sei.

Fiji-Water

Seit 2002 vergibt die Alpen-Initiative jährlich den «Teufelsstein für Unsinnstransporte». Es werden Produkte gekürt, die unnötig lange Transportwege in die Schweiz nehmen. Dieses Jahr wird zum ersten Mal öffentlich darüber abgestimmt, wer den Preis bekommt.

Zur Auswahl steht zunächst das Luxus-Mineralwasser Fiji, das unter anderem bei Manor und Globus verkauft wird. Laut der Alpen-Initiative lässt die Transportfirma Trivarga das Wasser gut 22'000 Kilometer von den Fidschi-Inseln nach Grossbritannien verschiffen, um es schliesslich per Lastwagen in die Schweiz zu befördern.

(Grafik: Alpen-Initiative)

Vom Klimawandel bedrohte Inseln

Der Transport einer Flasche verursache rund 12'000-mal mehr CO2 als dieselbe Menge Hahnenwasser und 22-mal mehr als ein Mineralwasser aus der Schweiz, rechnet die Alpenschutz-Initiative vor. Dies ist besonders ironisch angesichts der Tatsache, dass die Fidschi-Inseln aufgrund des Klimawandels vom Versinken bedroht sind.

Arturo Sutter, Generaldirektor von Trivarga, nahm gegenüber der «Tribune de Genève» Stellung. Die Stiftung Fiji Water, die das Mineralwasser verkaufe, sei «eine der grössten Non-Profit-Organisationen auf den Fidschi-Inseln». Sie erreiche mit ihren Einnahmen eine grosse Verbesserung der Lebensqualität für Tausende Bewohner der Fidschi-Inseln.

Teure Abfüllmaschine

Der zweite Kandidat ist der Caffè Latte Extra Shot von Emmi. Dieser wird zwar mit Schweizer Milch hergestellt, das Produkt wird aber im norddeutschen Münster in Dosen abgefüllt und dann per Lastwagen zurück in die Schweiz befördert. Der Hin- und Rückweg ist somit 1360 Kilometer lang. Ein ähnliches Getränk von Emmi, das in einem Becher verkauft und in der Schweiz abgefüllt wird, verursacht fast 13-mal weniger CO2 als die Dosenversion.

(Grafik: Alpen-Initiative)

Emmi habe der Alpen-Initiative erklärt, dass sie keine Alternative zum Befüllen in Deutschland hätten. Emmi-Sprecherin Esther Gerster sagte zur «Tribune de Genève»: «Es gibt keine Maschine, die es uns erlauben würde, die Dosen in der Schweiz zu befüllen, da in der Schweiz die Anforderungen von Milchprodukten in Dosen kompliziert sind.» Emmi hätte dazu eine neue Maschine nur für dieses Produkt erwerben müssen, was eine Investition von mehreren Millionen Franken bedeutet hätte.

Migros kommt auf andere Zahlen

Die längste Reise nimmt aber Kandidat Nummer drei auf sich, der Hirschpfeffer aus der Migros. Dieser wird mit Fleisch aus Neuseeland hergestellt, das tiefgefroren nach Bremerhaven (D) verschifft wird und dann per Lastwagen und Zug in die Schweiz gelangt. Somit reist das Fleisch für den Hirschpfeffer rund 23'000 Kilometer um die Welt. Würde die Migros Fleisch aus der näheren Umgebung verwenden, hätte der Transport des Fleisches neunmal weniger CO2 verursacht.

(Grafik: Alpen-Initiative)

Migros-Sprecherin Aurélie Descheneux sagte gegenüber der «Tribune», dass die Migros nach eigenen Berechnungen auf einen tieferen CO2-Ausstoss komme als die Alpenschutz-Initiative. Letzere hat einen Ausstoss von 99 Gramm für den neuseeländischen Hirschpfeffer ermittelt, die Migros geht von 39 bis 74 Gramm aus. Hirschfleisch aus der Schweiz würde laut Alpenschutz-Initiative lediglich 11 Gramm CO2 produzieren. Weiter sei man «aufgrund des Mangels an bewaldeten Flächen und der kleinen landwirtschaftlichen Weidefläche auf importiertes Wild angewiesen, so auch der Rest der Branche», sagt Deschenaux.

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