Beziehungs-Trend: Mingles erzählen: «Es hat mich kaputtgemacht»
Aktualisiert

Beziehungs-TrendMingles erzählen: «Es hat mich kaputtgemacht»

Als Mingle glücklich? So einfach ist das nicht, stellen jene fest, die es ausprobiert haben. Für viele Mingles bleibt die traditionelle Beziehung das Ideal.

von
Camilla Alabor
Alle Freiheiten, und ein bisschen Sicherheit gleich mit dazu: Die Mingels bringen das Lebensgefühl unserer individualisierten Gesellschaft auf den Punkt. Einfach ist das Mingle-Dasein aber nicht immer.

Alle Freiheiten, und ein bisschen Sicherheit gleich mit dazu: Die Mingels bringen das Lebensgefühl unserer individualisierten Gesellschaft auf den Punkt. Einfach ist das Mingle-Dasein aber nicht immer.

Zusammen sein und sich dennoch alle Optionen freihalten – das wollen die Mingles. Aber wollen sie es wirklich? Eine Umfrage unter Mingles zeigt: Längst nicht alle, die eine solche Beziehung führen, sind glücklich damit.

Nicole Kuhn* hat zwei Jahre lang als Mingle gelebt. So richtig gefallen hat es ihr nicht. «Ich wusste nie wirklich, woran ich bin mit meinem ‹Freund›», sagt die 25-Jährige. «Es hätte ja immer passieren können, dass er eine andere kennenlernt, die ihm besser gefällt.» Das sei schwierig gewesen, weil sie mehr empfunden habe für ihn als umgekehrt. Dennoch hofft sie immer noch, dass er eines Tages ihr fester Freund wird.

«Es hat mich kaputtgemacht»

Eine Leserin und ihr Halb-Freund waren ebenfalls sieben Jahre lang ein Mingle-Paar. «Ich habe mitgemacht, weil ich ihn liebte», schreibt sie. «Er war mit anderen Frauen und ich habe es immer erfahren. Es hat mich kaputtgemacht und trotzdem sah ich zu, denn ich wollte mit ihm zusammen sein.» Letzten Endes habe sie mit ihm Schluss gemacht.

Doch nicht nur Frauen beklagen sich über beziehungsscheue Männer – den Männern geht es nicht anders. So findet ein Leser, dass Frauen um die 40 kaum mehr interessiert seien an ihm als an gemeinsamen Kinobesuchen und Essen: «Wenn man das Wort ‹Beziehung› in den Mund nimmt, wird man schräg angeschaut.»

Eine Beziehung, die keine ist

Frustriert ist auch der 26-jährige Leser Raphi. Er lebt seit einigen Monaten in einer Mingle-Beziehung. Seine «Freundin» sehe er täglich, dennoch sei sie nicht bereit für eine feste Beziehung. «Langsam befürchte ich, dass das eine unendliche Geschichte werden könnte.»

Mit dieser Angst ist er nicht alleine. Denn selbst wenn diese Art von Beziehung das Lebensgefühl unserer individualisierten Gesellschaft auf den Punkt bringt – viele sehen den Mingle-Status als etwas Vorübergehendes und träumen von einer «richtigen» Beziehung.

Aus der Affäre soll mehr werden

Das ist bei Patrick Sutter* nicht anders. Zwar gefällt ihm das Mingle-Leben. «Ich schulde niemandem Rechenschaft und kann meinen Träumen nachgehen, ohne dass ich auf jemanden Rücksicht nehmen muss.» Wenn ihm eine Frau gefalle, könne er ihr ohne schlechtes Gewissen näherkommen. Und doch: Sein Leben lang Mingle bleiben will der 37-Jährige nicht. «Mein Ziel ist es schon, irgendwann eine traditionelle Beziehung zu führen.» Er glaubt daran, dass aus einer Affären-Freundschaft mehr werden kann.

Für Jasmin Steiner* hat sich das erfüllt. Die 42-Jährige hatte lange Zeit Panik vor Beziehungen. Weil sie wusste, dass ihre überrissenen Erwartungen an den Partner nur enttäuscht werden konnten. Als sie vor zweieinhalb Jahren einen netten Mann kennenlernte, wollte sie erst mal sehen, wohin das führen würde.

Kein Druck, keine Erwartungen

«Wäre er mein Freund gewesen, hätte ich sofort erwartet, dass er mich jeden Tag anruft.» So aber habe sie ihre Beziehung ganz ohne Druck und Erwartungen beginnen können, sagt die zweifache Mutter. Ein Jahr lang lebten sie und ihr Partner eine Mingle-Beziehung, bevor sie sich entschlossen, das Ganze offiziell zu machen – und aus den Mingles zwei Beziehungsmenschen wurden.

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*Namen von der Redaktion geändert

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