Aktualisiert 17.01.2011 19:46

Rive-Reine-Tagung

«Mini-Bilderberger» beraten sich

Die Top-Shots aus Wirtschaft und Politik sind in einer Nestlé-Villa bei Vevey zur Geheimkonferenz. 20 Minuten Online war vor Ort.

von
Sandro Spaeth

Mehrere Limousinen und ein Car mit den Einflussreichen sind kurz vor 19 Uhr beim Nestlé-Tagungszentrum Rive-Reine in La-Tour-de-Peilz eingetroffen. Die wenigen Demonstranten forderten Transparenz und skandierten «Mini-Bilderberger». Verschwörungstheoretiker unterstellen den Teilnehmern der jährlichen Bilderberg-Konferenz, sie würden hinter dem Rücken der übrigen Menschenheit über das Schicksal der Welt bestimmen.

Das exklusive Treffen der Mächtigen hatte bereits um 16.30 Uhr im Nestlé Hauptsitz in Vevey begonnen. Nach einem Apéro hat sich die illustre Garde aus Topmanagern, Magistraten und einigen Partei- oder Fraktionschefs dann per Reisecar ins einige Kilometer entfernte Tagungszentrum zurückgezogen.

An der Rive-Reine-Tagung diskutieren die Konzernchefs und Politiker über das Thema Demografie. Als Experte ist laut «Tages-Anzeiger» der Hamburger Professor Reinar Münz eingeladen. Offiziell spricht man von lockerem Gedankenaustausch. Anderer Meinung ist Autor Viktor Parma: Er schreibt in seinem Buch «Machtgier», dass an der Rive-Reine-Tagung über die Zukunft der Schweiz bestimmt wird. 2010 diskutierte der «Club der Einflussreichen» über die Themen Abwehr der Abzockerinitiative und Boni-Steuern.

Einladung als grosse Ehre

Die Rive-Reine-Konferenz ist eine Art Schweizer WEF, nur dass an der Tagung am Genfersee alles hinter verschlossenen Türen stattfindet. Während in Davos vor laufender Kameras diskutiert wird, ist beim Rive-Reine-Treffen die Öffentlichkeit ausgesperrt. Die Mächtigen bleiben unter sich. Wer teilnimmt - oder besser gesagt eine der begehrten Einladungen erhält -, ist geheim.

Die Einladung an die Rive-Reine-Tagung gilt als Ehre. Dieses Jahr unterzeichnete das Schreiben der ehemalige Nationalbankpräsident und heutige Nestlé-Verwaltungsrat Jean-Piere Roth. Stammgast bei der Tagung, die 1975 das erste Mal durchgeführt wurde, ist der Abt von Einsiedeln, Martin Werlen. Vertreten ist meist auch der Blocher-Clan - zuletzt durch Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher, der Tochter von alt Bundesrats Christoph Blocher. Nie zuteil wurde die Ehre einer Einladung angeblich dem 2010 verstorbene Swatch-Gründer Nicolas Hayek. Er soll als zu rebellisch gegolten haben.

Ursula Wyss geht nicht

An der Rive-Reine-Tagung erwartet werden hingegen Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sowie Natinalbankpräsident Philipp Hildebrand. Zudem dürfte UBS-Chef Oswald Grübel und Novartis-VR-Präsident Daniel Vasella anwesend sein. Zur Rive-Reine-Tagung eingeladen war auch SP-Fraktionschefin und Berner Ständeratskandidatin Ursula Wyss. Die Nationalrätin verzichtet aber aus Termingründen auf eine Teilnahme, wie sie 20 Minuten Online auf Anfrage mitteilte. Zudem findet sie: «Das geheimnisvolle Gehabe ist problematisch.»

Wer beim Geheimtreffen tatsächlich vorfährt und ob die Globalisierungskritiker von Greenpeace und der Erklärung von Bern (EvB) die Rive-Reine Tagung erneut zu stören versuchen, erfahren sie bei 20 Minuten Online.

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