16.09.2019 17:40

Tiny-House-Ausstellung in Basel

Minihäuser zum Anfassen

Ob minimalistisch, selbst entworfen oder von der Stange: Tiny-House-Bauer geben Gas. Richtig gewohnt wird in den Minihäusern aber selten.

von
Daniela Gschweng
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Am 14. und 15. September konnten Interessierte auf dem Dreispitzgelände drei Tiny Houses in Augenschein nehmen und den Herstellern Löcher in den Bauch fragen.

Am 14. und 15. September konnten Interessierte auf dem Dreispitzgelände drei Tiny Houses in Augenschein nehmen und den Herstellern Löcher in den Bauch fragen.

Daniela Gschweng
Cauma – nachhaltig aus GraubündenBeste Aussicht: Das gemütliche Tiny House Cauma wurde in Graubünden als Ganzjahresunterkunft für Touristen konzipiert.

Cauma – nachhaltig aus GraubündenBeste Aussicht: Das gemütliche Tiny House Cauma wurde in Graubünden als Ganzjahresunterkunft für Touristen konzipiert.

Daniela Gschweng
Einen Wasseranschluss und eine Toilette enthält das Häuschen nicht.  Eine zentrale WC- und Duscheinheit für mehrere Häuschen ist für Kurzzeitwohnende besser und ...

Einen Wasseranschluss und eine Toilette enthält das Häuschen nicht. Eine zentrale WC- und Duscheinheit für mehrere Häuschen ist für Kurzzeitwohnende besser und ...

Daniela Gschweng

Das Interesse an Tiny Houses ist gross, derzeit werden sie aber noch wenig als Hauptwohnsitz genutzt, zeigte eine Ausstellung der Vereine «Hey und Bergs Club» und «Kleinwohnformen Schweiz» in Basel. Am 14. und 15. September konnten Interessierte auf dem Dreispitzgelände drei Tiny Houses in Augenschein nehmen und den Herstellern Löcher in den Bauch fragen.

Eine Gelegenheit, die die Besucher ausführlich nutzten. «Hier gibt es wirklich jede Menge Stauraum», antwortete beispielsweise Sonja Graesslin auf mehr als eine ungläubige Frage zu ihrem selbst geplanten Domizil, zeigte geduldig Schubladen und Schränke ihres nur etwa 20 Quadratmeter grossen Holzhäuschens, das ein Schwager in Holland für sie gebaut hat. Das kleine Haus wirkt erstaunlich gross. Beengt fühlte man sich in ihrer hellen Wohnküche nicht, obwohl sich gerade ein halbes Dutzend Besucher im Haus umsahen.

Praktisch, minimalistisch oder ein bisschen Hobbit

Wie Graesslin setzen fast alle Hersteller auf Holz, den Preis für ungewöhnliche Optik gewinnt das Häuschen nebenan. An den Ecken abgerundet und mit Holzschindeln bedeckt, sieht «Igluhut» aus wie ein Holzkokon aus dem nahen Schwarzwald.

Die Aussenverkleidung sei jedoch eine traditionelle Bauweise aus Estland, erklärte Michael Schittenhelm, der das Haus in Hergensweiler am Bodensee als Ferienwohnung vermietet. «Zum Probewohnen», warb er für das Modell, das es in verschiedenen Grössen gibt. Das Innere unter dem holzverkleideten bogenförmigen Dach lässt sich nur als «kuschlig» beschreiben.

Total lokal, total nachhaltig

Während Graesslin einen Regenwassertank auf dem Dach hat, kommen Wasser und Strom im «Igluhut» von aussen. Total nachhaltig geht aber auch: Das Minihaus-Projekt «Cauma» besteht aus Holz aus Graubünden und wird lokal gefertigt. Die Truner Firma, die das Haus hergestellt hat, fertigt auch den Holzofen.

Strom kommt aus der Solarzelle, eine dicke Isolierung aus Schafwolle schützt vor Kälte. Eine vollständige Wohnung ist «Cauma» dafür nicht. Ein Etagenbett, ein Tisch und ein Holzofen müssen als Einrichtung genügen, Wasseranschluss und Toilette gibt es nicht.

Mit der VR-Brille durch Minihäuser

Wer mochte, konnte eine VR-Brille aufsetzen und einen virtuellen Rundgang durch «Modell Livo» machen, einem Projekt der FHNW. Das Modulhaus ist eher an den urbanen Raum angepasst, hat drei Stockwerke, eine in der VR-Simulation etwas schwindelerregende Dachterrasse und etwa 40 Quadratmeter Wohnfläche.

30'000 bis 60'000 Franken kostet ein Tiny House je nach Ausbauzustand mit oder ohne Solarzellen, Wassertank und Terrasse, Verbrennungklo oder Komposttoilette. Wie viele Besucher der kleinen Ausstellung tatsächlich Eigentümer werden wollen, ist schwer festzustellen. Interesse ist zweifelsohne da: Männer wie Frauen fachsimpelten über Isolierung, Lüftung, Stauraum und Transportprobleme. Für grosses Interesse sorgte die Trockendemo einer Verbrennungstoilette, die das Geschäft mittels Gasbrenner umgehend in einen Haufen Asche verwandelt.

Die Szene wartet auf den Startschuss

«Probewohnen», «touristische Nutzung» und «Projekt» umschreiben aber vor allem eines: So richtig Wohnen trauen sich Tiny-House-Bauer wie Interessenten noch nicht zu. Nur die Logistikerin Graesslin will in ihre Mini-Wohnung auch einziehen. Ob sie am avisierten Stellplatz in Reinach wenigstens eine Genehmigung für ein halbes Jahr bekommt, weiss sie aber erst in ein bis zwei Wochen. Auch das für Touristenübernachtungen gedachte Pilotprojekt «Cauma» in Graubünden ist noch nicht im Einsatz. Mindestens drei Häuschen müssten für einen rentablen Betrieb aufgestellt werden, rechneten die Projektplaner aus, genehmigt wurde bisher nur eines.

Spezialbewilligung für Tiny Houses?

Der Startschuss, auf den die Szene wartet, ist vor allem politischer Natur. Es scheitere nicht nur an Zoneneinteilung und Bauvorschriften, sondern an einer speziellen Regelung für Tiny Houses, erklärt Markus Mühlenbacher vom Verein Kleinwohnformen Schweiz. Sein Modellhaus konnte er nicht mitbringen, dafür hatte er jede Menge Wissen und Infomaterial dabei. Im Einzelfall komme es oft darauf an, wie die lokale Behörde reagiere, sagt er.

In Basel-Stadt, wo günstiger Wohnraum knapp ist, aber durchaus Flächen zur Verfügung stehen, ist das Problem erkannt. Ein Auftrag, Sonderbewilligungen zu schaffen und Stellplätze für Tiny House auszuweisen, liegt beim baselstädtischen Regierungsrat, der bis Ende 2020 Zeit hat, darauf zu reagieren. Und Stadtentwickler Lukas Ott soll zumindest gesagt haben, das Thema stehe «weit oben» auf seiner Liste.

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