Gewalt in Ägypten: Minister protestiert mit seinem Rücktritt
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Gewalt in ÄgyptenMinister protestiert mit seinem Rücktritt

Seit Sonntag sind bei heftigen Zusammenstössen in Kairo mindestens 22 Menschen getötet worden. Der Kulturminister schämt sich für die Reaktion der ägyptischen Führung auf die Proteste und tritt zurück.

Die blutigen Krawalle in Ägypten gehen weiter. Auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz in Kairo lieferten sich Demonstranten und Sicherheitskräfte am Montag den dritten Tag in Folge schwere Auseinandersetzungen. Bisher starben mindestens 22 Menschen.

Etwa 3000 Protestierende besetzten den Platz, obwohl die Polizei mit Tränengas, Knüppeln und Gummigeschossen gegen sie vorging. Die Demonstranten warfen ihrerseits Steine. Zu besonders schweren Ausschreitungen kam es vor dem Innenministerium. Offenbar brannte auch ein Gebäude in der Nähe des Tahrir-Platzes. Über einem sechsstöckigen Wohnhaus stieg schwarzer Rauch auf.

Die Armee bestritt ein Eingreifen. Die Soldaten hätten vielmehr das nahe gelegene Innenministerium geschützt, zu dem dann die Demonstranten geströmt seien.

Laut den Vertretern der Leichenhalle in Kairo starben 21 Menschen in der Hauptstadt, ein Mensch kam bei Protesten in Alexandria ums Leben. Zuvor war von 33 Toten die Rede gewesen - elf Opfer hätten mit den Protesten aber doch nichts zu tun, sagte ein Vertreter später.

Landesweit wurden seit Samstag laut Gesundheitsministerium 1750 Menschen verletzt. Ärzte schätzten die Zahl auf 2200. Die Börse in Kairo brach angesichts der anhaltenden Gewalt am Montag um vier Prozent ein.

Zögerliche Wahlen

Seit Tagen richtet sich der Protest der Menschen gegen die Macht des regierenden Obersten Militärrats und besonders gegen dessen Chef, Marschall Hussein Tantawi. «Das Volk will die Hinrichtung des Marschalls», riefen die Demonstranten.

In Ägypten wird ab kommendem Montag (28.11.) in drei Phasen ein neues Parlament gewählt. Damit zieht sich die Wahl bis zum Januar hin. Anschliessend soll das Land eine neue Verfassung bekommen. Es ist die erste Wahl seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Hosni Mubarak im Februar.

Die Streitkräfte haben angedeutet, sich Ende 2012 oder Anfang 2013 aus der Regierung zurückzuziehen. Die Demonstranten verlangen jedoch eine raschere Übergabe der Macht an eine zivile Regierung.

Aus Protest gegen den Umgang der Militärführung mit den Protesten trat Kulturminister Emad Abu Ghasi zurück. Er reichte am Sonntagabend beim Obersten Militärrat seinen Rücktritt ein.

Sorge im Ausland

International wurde die Gewalt kurz vor den Wahlen mit grosser Sorge betrachtet. Der Chef der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, rief zur Ruhe auf. Er sei «sehr beunruhigt» und alle Seiten müssten sich unter Wahrung des Demonstrationsrechts und des Rechts auf freie Meinungsäusserung in Zurückhaltung üben, erklärte er.

Die EU rief die Ägypter auf, Selbstbeherrschung zu üben. Der britische Aussenminister William Hague sagte in der BBC, die Gewalt in Ägypten gebe «Anlass zu grosser Sorge». Dennoch stünden Wahlen an und trotz aller Konflikte und Probleme «müssen wir optimistisch bleiben, was den arabischen Frühling angeht».

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle appelliere an alle Seiten, die Gewalt einzustellen und «den Weg in Richtung Demokratie jetzt nicht abzubrechen».

Proteste hatte es am Sonntag unter anderem auch in Suez, Alexandria und in Al-Arisch gegeben. Die Demonstrationen hatten am Freitag auf dem Tahrir-Platz begonnen - am Samstag kam es dann zu Zusammenstössen, als Beamte versuchten, eine Sitzblockade unter Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen aufzulösen.

(sda)

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