Kambodscha bittet darum, «Penispflanze» in Ruhe zu
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Nur gucken, nicht anfassen«Penispflanze» in Gefahr - Behörden warnen vor dem Pflücken

Weil die Kannenpflanze aus Kambodscha wie ein Penis aussieht, wird sie gern gepflückt und zum Posieren benutzt. Das könnte zum Aussterben dieser fleischfressenden Pflanze führen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Das ist eines der Fotos, welche das kambodschanische Umweltministerium am 11. Mai 2022 auf Facebook teilte. Auslöser für den Post ist das, was die Frau in ihren Händen hält.

Das ist eines der Fotos, welche das kambodschanische Umweltministerium am 11. Mai 2022 auf Facebook teilte. Auslöser für den Post ist das, was die Frau in ihren Händen hält.

Facebook/Ministry of Environment
Es sind Vertreter der Pflanzenart Nepenthes bokorensis (N. bokorensis), die die Frau und ihre Begleiterinnen gepflückt haben.

Es sind Vertreter der Pflanzenart Nepenthes bokorensis (N. bokorensis), die die Frau und ihre Begleiterinnen gepflückt haben.

Facebook/Ministry of Environment
Die Pflanzen werden auf Deutsch als Kannenpflanzen bezeichnet, die wegen ihrer Form auch «Penispflanzen»  genannt werden.

Die Pflanzen werden auf Deutsch als Kannenpflanzen bezeichnet, die wegen ihrer Form auch «Penispflanzen»  genannt werden.

Facebook/Ministry of Environment

Darum gehts

Das kambodschanische Umweltministerium hat sich auf Facebook mit einem auf den ersten Blick ungewöhnlichen Post an die Bevölkerung gewandt: Er zeigt drei Frauen, die etwas Penisförmiges in der Hand halten. Es sind Vertreter der Pflanzenart Nepenthes bokorensis (N. bokorensis), die auf Deutsch Kannenpflanze heissen und inoffiziell «Penispflanze» genannt werden. Und genau um diese geht es, denn sie gelten als potenziell gefährdet.

«Oh, die Kannenpflanze! Was sie tun, ist falsch und bitte tun Sie es in Zukunft nicht wieder!», schreiben die Verantwortlichen. «Danke, dass ihr die natürlichen Ressourcen liebt, aber erntet sie nicht, damit sie nicht verloren gehen!» Es ist nicht das erste Mal, dass die Regierung davor warnt, die phallischen Pflanzen zu beschädigen; hochrangige Beamte des Ministeriums baten Touristen im Juli 2021 in einer Erklärung, N. bokorensis und die recht ähnlich aussehende Nepenthes holdenii nicht zu pflücken, da sie sonst aussterben könnten.

Fünf kambodschanische Kannenpflanzen

Kannenpflanzen (Nepenthes) sind tropische fleischfressende Pflanzen. Heute sind weltweit rund 130 Arten bekannt, von denen fünf Arten in Kambodscha wachsen. Zwar werden immer wieder neue entdeckt, aber viele sind auch schon ausgestorben. Bei den meisten Kannenpflanzen handelt es sich um Mikroendemiten. Das heisst: Sie kommen nur in einem sehr begrenzten Berggebiet vor.

Laut einer im «Cambodian Journal of Natural History» veröffentlichten Studie aus dem Jahr 2021 sind die natürlichen Lebensräume der fleischfressenden Kannenpflanzen in Kambodscha durch die Ausweitung der Landwirtschaft auf Privatland und das Wachstum der Tourismusindustrie in geschützten Gebieten zurückgegangen. 

Fleischfresser lassen Insekten ertrinken

Wie alle Pflanzen der Art Nepenthes leben sie auf nährstoffarmen Böden und ernähren sich von lebenden Insekten. Die Tiere werden vom Duft des Nektars angelockt, den sie vom Rand der Kanne aufnehmen. Mittels Flügelleisten, die aussen am Rand sitzen, werden sie gezielt zum Inneren geleitet. Einmal dort gelandet, haben die Insekten keine Chance mehr, dort zu entkommen. Sie ertrinken in den Verdauungsflüssigkeiten der Pflanze. 

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