Krise in Sudan - Ministerpräsident Abdalla Hamdok tritt überraschend zurück
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Krise in SudanMinisterpräsident Abdalla Hamdok tritt überraschend zurück

Der sudanesische Regierungschef Abdullah Hamdok, das zivile Gesicht der Übergangsregierung in dem nordostafrikanischen Land, hat angesichts der anhaltenden politischen Krise seinen Rücktritt erklärt.

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«Ich habe beschlossen, meinen Rücktritt bekanntzugeben und Platz für andere zu machen», sagte Hamdok am späten Abend des 2. Januar 2022 live im Staatsfernsehen.

«Ich habe beschlossen, meinen Rücktritt bekanntzugeben und Platz für andere zu machen», sagte Hamdok am späten Abend des 2. Januar 2022 live im Staatsfernsehen.

AFP
Vor wenigen Tagen war es im Sudan wie auch in Wochen zuvor wieder zu blutigen Demonstrationen gegen die Übergangsregierung gekommen, an der das Militär beteiligt ist.

Vor wenigen Tagen war es im Sudan wie auch in Wochen zuvor wieder zu blutigen Demonstrationen gegen die Übergangsregierung gekommen, an der das Militär beteiligt ist.

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Die Protestler forderten eine Machtübergabe des Militärs an eine zivile Regierung. Die Demonstranten warfen Hamdok Verrat vor.

Die Protestler forderten eine Machtübergabe des Militärs an eine zivile Regierung. Die Demonstranten warfen Hamdok Verrat vor.

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Darum gehts

  • Im Krisenstaat Sudan ist Ministerpräsident Abdullah Hamdok überraschend zurückgetreten.

  • Am 25. Oktober hatte das Militär die Macht übernommen und Regierungschef Hamdok entmachtet.

  • Nach Druck aus dem In- und Ausland wurde Hamdok am 21. November wieder eingesetzt.

Der sudanesische Ministerpräsident Abdalla Hamdok hat am Sonntag in einer Rede seinen Rücktritt erklärt. Er rief am Sonntag zur Vereinbarung einer «nationalen Charta» und einen neuen Plan auf, mit dem der Übergang zur Demokratie vollendet werden solle.

«Ich habe mein Bestes versucht, das Land davon abzuhalten, in die Katastrophe abzugleiten», sagte Hamdok am Sonntagabend in einer im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache. Nun habe der Sudan angesichts seiner politischen Spaltung aber einen «gefährlichen Wendepunkt überschritten, der sein Überleben bedroht».

Blutige Proteste gegen die Übergangsregierung

Hamdok sprach nach neuerlichen Protesten gegen den Militärputsch im Oktober. In der Hauptstadt Khartum starb nach Angaben des prodemokratischen Ärztekomitees ein Demonstrant nach einem schweren Schlag gegen den Kopf, in der Zwillingsstadt Omdurman wurde ein Kundgebungsteilnehmer tödlich von einem Schuss in die Brust getroffen. Auch in den Städten Port Sudan und Njala in der Region Darfur demonstrierten Tausende.

In der Hauptstadt setzten die Sicherheitskräfte nach Angaben des Aktivisten Nasim Sirag Tränengas und Soundgranaten ein, um Demonstranten auseinander zu treiben. Die Demonstrationen fanden trotz erhöhter Sicherheitsmassnahmen statt, bei denen Brücken und Strassen in Khartum und Omdurman gesperrt und Internetverbindungen blockiert wurden, berichtete die Gruppe NetBlocs. Seit dem Putsch am 25. Oktober sind bei Demonstrationen nach Angaben des Ärztekomitees 56 Menschen getötet worden.

Angesichts der Proteste und internationalem Drucks setzte die Militärführung den von ihr abgesetzten zivilen Ministerpräsidenten Hamdok wieder als Chef eines aus Technokraten bestehenden Kabinetts unter ihrer Aufsicht ein. Hamdok hat bisher den Deal vom 21. November verteidigt, da er seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Baschir erzielte Fortschritte zur Demokratie bewahre und verhindere, dass Sudan international isoliert werde.

Die Demokratiebewegung lehnt die Vereinbarung hingegen ab und fordert, dass eine zivile Regierung den Übergang zur Demokratie leitet.

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(DPA/AFP/kle)

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