Syriens Regime bröckelt: Ministerpräsident läuft zur Opposition über
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Syriens Regime bröckeltMinisterpräsident läuft zur Opposition über

Der syrische Ministerpräsident Riad Hidschab und drei weitere Minister haben dem Assad-Regime den Rücken gekehrt. Sie haben sich nach Jordanien abgesetzt und sich den Rebellen angeschlossen.

Ende Juni war Riad Hidschab (links) von Syriens Machthaber Baschar al-Assad zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Keine zwei Monate später setzte er sich ab.

Ende Juni war Riad Hidschab (links) von Syriens Machthaber Baschar al-Assad zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Keine zwei Monate später setzte er sich ab.

Mit dem syrischen Ministerpräsidenten Riad Hidschab hat sich am Montag das bislang höchste Mitglied der Regierung von Präsident Baschar al-Assad ins Ausland abgesetzt. In einer Erklärung schloss Hidschab sich der Opposition an.

Er habe sich losgesagt vom «mörderischen und terroristischen Regime», heisst es in der Stellungnahme, die Hidschabs Sprecher Mohammed al-Ottri, ein Angehöriger der Opposition, im arabischen Fernsehsender Al Dschasira verlas. «Ich erkläre, dass ich von heute an ein Soldat dieser gesegneten Revolution bin.»

Jordanien bestätigte, Hidschab habe zusammen mit seiner Familie die Grenze überquert. Gemäss Ottri plante Hidschab seine Flucht bereits seit über zwei Monaten. Damals wurde er Ministerpräsident. Bewerkstelligt wurde die Flucht gemäss Ottri mit Hilfe der aufständischen Freien Syrischen Armee.

Weiterreise nach Katar

Hidschab wolle nun nach Katar weiterreisen. Dort haben bereits mehrere übergelaufene Mitglieder des Regimes Zuflucht gefunden. Das Golfemirat unterstützt die syrische Opposition - auch mit Waffen. Nach Angaben des oppositionellen Syrischen Nationalrats flohen auch zwei Minister und drei Brigadegeneräle nach Jordanien. Dies wurde aber bislang nicht bestätigt.

Hidschab sei im Juni vom Regime vor die Wahl gestellt worden, den Posten des Ministerpräsidenten zu übernehmen oder getötet zu werden, sagte Ottri. Davor hatte Hidschab aber sein ganzes Leben den Assads gedient.

Der 46-jährige Sunnit bekleidete hohe Funktionen in der Baath- Partei. Als im Frühjahr 2011 die Proteste begannen, war er Gouverneur der Provinz Latakia, aus der die Assad-Familie stammt.

Das Staatsfernsehen bemühte sich um Schadensbegrenzung. Es berichtete, Assad habe Hidschab entlassen und eine Übergangsregierung unter dem früheren stellvertretenden Regierungschef Omar Galawandschi eingesetzt.

Gemäss Oppositionellen setzte sich auch Syriens erster und einziger Kosmonaut Mohammed Achmed Faris in die Türkei ab. Der aus Aleppo stammende Luftwaffenpilot habe sich der Opposition angeschlossen. Faris war 1987 mit den Sowjets ins All geflogen. Der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge flohen auch weitere hohe Offiziere in die Türkei.

Schwere Gefechte in Aleppo

Assad versucht seit 17 Monaten einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. In der Millionenstadt Aleppo tobten am Montag schwere Gefechte, vor allem im Stadtteil Salaheddine, der noch von den Rebellen gehalten wird.

Soldaten feuerten mit Panzern in die schmalen Gassen, in denen die Rebellen Zuflucht vor dem Beschuss aus Helikoptern und von Scharfschützen suchten. Die meist nur mit leichten Waffen ausgerüsteten Aufständischen haben der Armee wenig entgegenzusetzen.

Rebellenkommandanten erwarteten bald eine Grossoffensive in Aleppo. «Die syrische Armee durchdringt unsere Linien», sagte Mohammed Salifi der Agentur Reuters. «Daher waren wir gezwungen, uns aus strategischen Gründen zurückzuziehen.» Der Rebellenkommandant Abu Omar al-Halebi sagte der DPA am Telefon, es hätten 25 000 Soldaten Stellung bezogen.

Auch die Staatsmedien Syriens sprachen davon, die Entscheidungsschlacht um Aleppo stehe bevor. Die Angaben beider Seiten lassen sich nicht überprüfen.

Bombenanschlag auf Rundfunk in Damaskus

Ein symbolisch wichtiger Schlag gelang den Aufständischen mit einem Bombenattentat auf ein Gebäude des staatlichen Radio- und Fernsehens in Damaskus. Dabei wurden gemäss Informationsminister Omran al-Subi mehrere Menschen leicht verletzt.

Der Sendebetrieb wurde aber nicht unterbrochen. Subi machte Katar, Saudi-Arabien und Israel für den Anschlag verantwortlich. (dapd)

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