Nationalelf von Togo: Ministerpräsident setzt sich gegen Spieler durch
Aktualisiert

Nationalelf von TogoMinisterpräsident setzt sich gegen Spieler durch

Der togoische Ministerpräsident Gilbert Houngbo setzte sich über den Willen der Fussballspieler hinweg, die nach dem tödlichen Angriff auf ihr Team am Afrika-Cup teilnehmen wollten. Er schickte ein Flugzeug nach Angola, um die Mannschaft zurück nach Lomé zu holen.

von
Samuel Petrequin
AP

«Angola und der Afrikanische Fussballverband (CAF) haben nicht die notwendigen Massnahmen für die Sicherheit der Mannschaft ergriffen», erklärte Houngbo am Sonntag seinen Entscheid. Die Spieler stünden noch unter Schock.

Erst in der Nacht zum Sonntag hatte das Team nach Angaben von Spielern einstimmig beschlossen, zu Ehren der drei Todesopfer am Montag gegen Ghana anzutreten. «Der Mannschaft ist klargeworden, dass sie spielen muss, um die Toten zu ehren», sagte CAF-Sprecher Kodzo Samlan der Nachrichtenagentur AP. Letztlich beugte sich die Mannschaft aber der Forderung der Regierung und sagte die Teilnahme an dem Turnier ab. «Wir sind Kinder Togos und wir werden die Entscheidung unserer Regierung akzeptieren», sagte Mannschaftskapitän Emmanuel Adebayor.

Fünf Monate vor Beginn der Fussball-WM in Südafrika hat der tödliche Rebellenangriff auf den Mannschaftsbus der Nationalelf von Togo die internationale Sportwelt schockiert. Das Team wurde am Freitag auf dem Weg zum Afrika-Cup in der angolanischen Exklave Cabinda von Schwerbewaffneten überfallen, drei Insassen des Busses wurden getötet. Auf Anweisung der togoischen Regierung zog sich das Nationalteam am Sonntag nur wenige Stunden vor Beginn des Afrika-Cups von dem Turnier zurück.

Afrika-Cup als wichtiges Prestigeobjekt

Bei dem Überfall auf den Mannschaftsbus waren am Freitag der angolanische Fahrer, ein Mitglied des Trainerstabs sowie ein Sprecher des Fussballteams getötet worden. Ein Torwart wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen nach Südafrika geflogen und dort notoperiert. Am Sonntag war sein Zustand stabil, er musste aber noch künstlich beatmet werden, wie die Ärzte in Johannesburg mitteilten.

Zu dem Überfall bekannte sich in einer Botschaft an die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa die sogenannte Befreiungsfront für Cabinda (FLEC). Diese kämpft für die Unabhängigkeit der Exklave, die wegen ihrer Ölvorkommen für die angolanische Regierung von grösster Bedeutung ist. Der Verteidigungsminister des selbst ernannten Bundesstaates von Cabinda, Tiburcio Tati Tchingobo, sagte dagegen am Sonntag der Nachrichtenagentur AP, seine Befreiungsfront habe mit dem Überfall nichts zu tun.

Die Organisatoren des Afrika-Cups betonten, dass die Spiele nicht abgebrochen würden. Für die angolanische Regierung ist es ein wichtiges Prestigeobjekt. In Cabinda und drei weiteren Städten wurden eigens neue Stadien gebaut. Die Tragödie wirft auch ihren Schatten auf die Fussballweltmeisterschaft, die im Sommer in Südafrika ausgetragen wird.

Afrika Cup für Anfänger

Unter der Rubrik nimmt Sie 20-Minuten-Online-Sportchef Reto Fehr auf die Reise nach Angola an die Kontinentalmeisterschaften mit und berichtet – eine tägliche Internetverbindung vorausgesetzt – regelmässig aus Afrika. Das fängt bei der mühsamen Visumbeschaffung an, geht über die Unterkunftssuche bis hin zu den erhofften Erlebnissen und vermuteten Problemen im Land.

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