Davide Callà: «Mir fallen nur Superlative ein»
Aktualisiert

Davide Callà«Mir fallen nur Superlative ein»

Vor 14 Tagen kämpfte Davide Callà mit dem FC Aarau um den Ligaerhalt. Am Samstag gegen Sion feiert er sein Debüt beim FCB und spielt fortan um die Titelverteidigung.

von
Eva Tedesco

Es war eine hektische Woche für den Mittelfeld-Routinier. Die Einigung mit dem FC Basel, die medizinischen Tests, eine erste Pressekonferenz in Basel und viele weitere Interview-Termine. Der Rummel um den Winterthurer, der im Tausch mit Stephan Andrist vom FCA zum FCB wechselte und für den die Aargauer rund 500 000 Franken erhalten, hielt ihn die letzten Tage auf Trab. Aber Davide Callà beschwert sich keine Sekunde. Im Gegenteil. «Ich bin ein sehr glücklicher Mann», sagt Callà und man sieht es im jede Minute an.

Vom Brügglifeld in den St. Jakob-Park...

Davide Callà: ... Sie brauchen gar nicht weitersprechen: Allein die Vorfreude darauf ist ein geiles Gefühl. Da ist ein Riesenunterschied. Ich will nicht respektlos klingen, denn ich habe auch das Ambiente im Brügglifeld genossen. Aber zwischen dem Brügglifeld und dem Joggeli liegt mehr als nur eine Welt. Bislang war ich immer nur in der Garderobe der Gäste. Ab Samstag werde ich mich in der Heimkabine umziehen. Alles, was ich mir je vorgestellt habe, ist jetzt übertroffen worden.

Sie klingen unglaublich glücklich.

Ich bin ein glücklicher Mann, ja. Und ich bin immer auf der Sonnenseite gewesen. Ich habe eine tolle Familie, eine tolle Frau und Freunde. Und ich habe einen tollen Job. Und für die letzte Woche fallen mir sowieso nur Superlative ein.

Vor 18 Monaten standen Sie aber vor dem Karriereende. Nach vielen schweren Verletzungen, Kreuzbandriss, Knorpelschaden und vier Knieoperationen konnten Ihnen die Ärzte nicht garantieren, dass es für Sie als Fussball-Profi weitergeht. Und Sie sagen, sie sind immer auf der Sonnenseite gestanden?

Natürlich habe ich mich in einer Phase der x-ten Verletzung auch schon mal gefragt: Was stimmt den nicht mit mir, zumal bei Verletzungen, die ich mir ohne gegnerische Einwirkung zugezogen hatte. Manchmal gab es auch Zweifel, aber man darf sich nicht wahnsinnig machen, indem man ständig nach dem Warum fragt. Zwar ist vorübergehend das Vertrauen in den eigenen Körper abhanden gekommen, aber man muss aufzustehen und weitermachen.

Und das Knie hält wirklich?

Ich hatte schon nach der Operation und in der Rehabilitation ein sehr gutes Gefühl. In Aarau habe ich gemerkt, dass es von Tag zu Tag besser gegangen ist. Jetzt habe ich wieder das Vertrauen in meinen Körper, bin beschwerdefrei und mehr als zufrieden. Das waren übrigens auch die Ärzte beim Medizin-Check, die mir bescheinigt haben, dass das Knie in sehr guter Verfassung ist. Das Thema Knieverletzungen habe ich endgültig abgehakt und hinter mir gelassen.

Wann kam es zum ersten Kontakt mit dem FCB?

Zu Jahresbeginn. Ich wurde gefragt, ob ich überhaupt Interesse hätte, zum FCB zu wechseln. Was für eine Frage - aber das habe ich mir nur gedacht. Die Antwort – können Sie sich denken – ist mir nicht schwer gefallen. So ein Zug wie der rotblaue, der fährt nur einmal im Leben vorbei.

Was erwartet Trainer Murat Yakin von Ihnen?

Wir haben einige taktische Sachen besprochen und ich weiss, was er von mir verlangt. Meine Qualitäten kennt er seit Jahren, da muss nicht viel darüber geredet werden. Ich bin ein Typ, der sich schnell in eine neue Umgebung einfindet. Grundsätzlich will ich mich selber und meiner Linie treu bleiben. Sportlich und menschlich.

Statt um den Ligaerhalt spielen Sie nun um den Titel. Haben Sie das schon realisiert?

Das ist ein Traum und das beflügelt mich umso mehr. Ich will die Chance unbedingt nützen und meinem Teil zum Erfolg des FC Basel beitragen, um auch einmal das Gefühl zu erleben, vom Balkon herunter zu schauen und mit den Fans zu feiern.

International sind Sie in der aktuellen Kampagne nicht spielberechtigt. Werden Sie dennoch am Mittwoch mit der Mannschaft zum Sechzehntelfinal-Hinspiel der Europa League nach Tel Aviv reisen?

Das schmerzt natürlich ein bisschen. Zum Glück ist die Rückrunde Mitte Mai fertig und mit dem FCB Meister zu werden und dann in der Champions League spielen zu können, ist Motivation genug. Wir haben noch nicht darüber gesprochen, ob ich mit der Mannschaft reise, aber ich würde ihr gerne in Israel die Daumen drücken und zum Akklimatisieren uns sich noch mehr kennenzulernen wäre es sicher toll.

Sion, der Gegner vom Samstag, hat wieder einmal den Trainer gewechselt. Was erwarten Sie für ein FC Sion?

Ich habe mit Aarau gegen Bellinzona gespielt, als Raimondo Ponte noch Trainer war. Ich weiss nur, dass er seine Mannschaften immer speziell einstellt. Ich weiss auch, dass so ein Trainerwechsel eine Mannschaft beflügeln und etwas auslösen kann. Aber wir schauen nur auf uns und, dass die Punkte in Basel bleiben.

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