Ukrainischer Schüler in der Schweiz – «Mir gefallen die Berge – aber ich will so schnell wie möglich nach Hause»

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Ukrainischer Schüler in der Schweiz«Mir gefallen die Berge – aber ich will so schnell wie möglich nach Hause»

Nikita ist aus der Ukraine in die Schweiz geflüchtet und geht bereits vorübergehend in die Schule. Richtig angekommen ist er aber noch nicht.

von
Helena Müller
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Nikita (15) flüchtete mit seiner Mutter und Schwester aus Odessa in die Schweiz. 

Nikita (15) flüchtete mit seiner Mutter und Schwester aus Odessa in die Schweiz. 

20min/helenamüller
Seit dieser Woche besucht er den Englisch-Unterricht in einer Zürcher Sekundarschule. 

Seit dieser Woche besucht er den Englisch-Unterricht in einer Zürcher Sekundarschule. 

20min/helenamüller
Er kann sich nicht vorstellen, lange in der Schweiz zu bleiben. Sein grösster Wunsch ist es, nach Odessa zurückzukehren. 

Er kann sich nicht vorstellen, lange in der Schweiz zu bleiben. Sein grösster Wunsch ist es, nach Odessa zurückzukehren. 

REUTERS

Darum gehts

  • Rund 100 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine besuchen bereits die Schule in der Stadt Zürich.

  • Nikita (15) aus Odessa ist einer von ihnen. Er ist mit seiner Mutter und Schwester in die Schweiz geflüchtet. 

  • Obwohl es ihm in der Schweiz gefällt, will Nikita so schnell wie möglich zurück nach Hause. 

  • Seit dieser Woche besucht er den Englisch-Unterricht an einer Zürcher Sekundarschule. «Ich bin müde vom Englisch sprechen, aber der Unterricht gefällt mir.»

  • Die Solidarität an der Schule sei gross und die anderen Kinder seien hilfsbereit, sagt die Sekundarlehrerin. 

Der junge Ukrainer spricht nicht viel. Nikita, der noch vor einem Monat in der ukrainischen Stadt Odessa lebte und vor zwei Wochen vor dem Krieg in die Schweiz geflüchtet ist, wirkt nachdenklich. Seine Mutter und er leben nun bei seiner Tante in Horgen im Kanton Zürich. Den Vater mussten sie in der Ukraine zurücklassen.

Seit dieser Woche geht Nikita – wie bereits rund 100 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine – in der Stadt Zürich in die Schule. Er sagt: «Die anderen Jugendlichen waren sehr freundlich zu mir.» Auch gefielen ihm die Schweizer Berge. Aber: «Es ist mir hier alles ein bisschen zu langsam. Ich will so schnell wie möglich nach Hause zurück in meine alte Schule und zu meinen Freunden.»

Hier neue Freundschaften zu schliessen, mache für ihn deshalb wenig Sinn. Dennoch wünscht er sich, dass mehr Ukrainer und Ukrainerinnen an die Schule kommen. «Es wäre schön für mich, wegen der Sprache.»

«Hilfsbereitschaft hat mich berührt»

Nikita besucht zurzeit nur den Englisch-Unterricht an einer Zürcher Sekundarschule. Bald soll er auch einen Deutschunterricht besuchen. Die meisten Fächer besucht der 15-Jährige noch über den Fernunterricht von seiner Schule aus Odessa, wo er drei Stunden täglich Online-Unterricht habe. «Ich bin froh darüber. Wenn ich mir vorstelle, dass ich etwa das Fach Geschichte auf Deutsch hätte, wäre ich überfordert.»

Der Grund für seinen Schulbesuch ist die Sekundarlehrerin Claudia (38). Sie hat durch Bekannte von Nikita erfahren. «Ich habe mir überlegt, wie ich helfen kann und ihm deshalb angeboten, meinen Englisch-Unterricht zu besuchen.» Die Solidarität im Schulhaus sei gross: «Die Offenheit und Hilfsbereitschaft meiner Klasse hat mich berührt.»

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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