Aktualisiert 07.12.2010 17:25

Louis van Gaal

«Mir hört ja keiner zu»

Bei der Pressekonferenz der Bayern vor dem Spiel gegen Basel interessiert alles, nur nicht der Schweizer Gegner. Er wird einfach mal kurz ausgelassen.

von
Reto Fehr, München
Bayern-Trainer Louis van Gaal bei der Pressekonferenz. (Bild: Keystone)

Bayern-Trainer Louis van Gaal bei der Pressekonferenz. (Bild: Keystone)

Louis van Gaal ist gut drauf, im überfüllten Pressekonferenzraum an der legendären Säbener Strasse. Zumindest zu Beginn. «Was für ein Trainer», schwärmt er von Thorsten Fink, als er erfährt, dass dieser den Medien erlaubt während einer Stunde das Abschlusstraining zu besuchen. Bei ihm waren es nur 15 Minuten, erklärt der Pressesprecher. «Es waren 17 Minuten», verbessert ihn der Holländer im Spass und rührt mit dem Löffel in seiner mitgebrachten Tasse. Er ist halt ein Perfektionist. Dann erklärt er, dass Danijel Pranjic sich im Training noch leicht verletzte und deshalb fraglich ist. «Das war leider, als die Medien schon weg waren. Tut mir leid», sagt er und lächelt.

Danach wird es aber ernst. Thema ist allerdings nicht der FC Basel und die Champions League. Dort ist für die Münchner eh schon alles klar. Nein, die Fragen drehen sich um die schwachen und inkonstanten Auftritte des grossen FCB in der Liga. «Nicht die Leistungen sind inkonstant, sondern die Resultate», korrigiert van Gaal. «Wir sind meist die bessere Mannschaft. Aber das sieht ja keiner. Am Ende zählen nur die Tore.» Auch gegen Überflieger Dortmund sei dies so gewesen. «Das wissen sie wohl alle nicht mehr», fragt van Gaal in die Runde, «da war Dortmund nicht so dominant. Sie haben zweimal aufs Tor geschossen und zwei Treffer erzielt.»

«Wir müssen nicht gewinnen, aber wir sollten vielleicht»

Man merkt es ihm an, die Fragen zur Bayern-Krise stören. Als er mit einem Zitat von Manager Christian Nerlinger konfrontiert wird, stellt der 59-Jährige klar: «Ich kann nicht auf einen Satz reagieren, sondern muss den Kontext kennen. Ich habe in Holland Lehrgeld für solche Antworten bezahlt.» Dem alten Trainerfuchs ist klar, er sass schon bequemer auf seinem Stuhl. Gegen Basel verlieren, liegt nicht drin. Darum sagt er auch: «Wir müssen nicht gewinnen, aber wir sollten vielleicht.» Anders gesagt: Der Verein muss am Mittwoch nicht siegen, aber will van Gaal ruhig schlafen, würde es sehr helfen.

Auch zur allgemeinen Lage der Champions League wird der Holländer gefragt. Was hält er davon, dass es Teams gibt, welche noch null Punkte aufweisen und dass viele Gruppen schon entschieden sind. Wird die Schere zwischen den grossen und kleinen Klubs immer grösser? «Das ist nicht das Problem. Das war schon vor 20 Jahren so. Grund ist der Einfluss der Kommerzialisierung. Sie wisse alle was 'Champions' bedeutet. In diesem Wettbewerb sollten nur die Meister mitspielen. Ich würde das ändern.» Ebenso hat der eigenwillige van Gaal in anderen Bereichen seine Meinung. «Ich habe schon vor langer Zeit technische Hilfsmittel gefordert und Kunstrasen sind ein Problem. Der Verband muss dafür sorgen, dass der Wettbewerb fair ist, das ist er nicht.» Aber er mag nicht diskutieren: «Mir hört ja keiner zu», klagt er halb im Spass.

«Und Basel?»

Zum Abschluss fragt ein deutscher Journalist, was der 59-Jährige denn in den verbleibenden drei Spielen bis zur Winterpause noch erreichen will. Die Bayern spielen in der Bundesliga gegen St. Pauli und Stuttgart, sowie im Cup-Achtelfinal erneut gegen den VfB, zählt er auf. «Und Basel?», fragt van Gaal zurück. «Die wollte ich eigentlich weg lassen, aber naja, dann nehmen wir die auch dazu», antwortet der Journalist. Das zeigt nochmals, wie wenig der kleine FCB hier interessiert. «Dann will ich vier Siege», hält van Gaal fest. Was denn sonst?

Thorsten Fink vor dem Spiel in München

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