Stromkrise: War das Abschalten vom AKW Mühleberg falsch?

Publiziert

Energiekrise «Mir tun die Besitzer von E-Autos leid»

«Mühleberg hätte man nicht abstellen sollen», findet Alt-Bundesrat Adolf Ogi. 20-Minuten-Leser und Leserinnen stehen unterschiedlich dazu – und fordern, dass jetzt gezielt Lösungen gegen die Energiekrise geschaffen werden.

von
Gabriela Graber
1 / 6
Aufgrund der drohenden Strommangellage lanciert der Bund im Winter eine Stromspar-Kampagne. 

Aufgrund der drohenden Strommangellage lanciert der Bund im Winter eine Stromspar-Kampagne. 

20min/Matthias Spicher
Auch schon in den Achtzigerjahren wurde die Bevölkerung dazu aufgefordert, Strom zu sparen. Vorbild war damals Energieminister Adolf Ogi. Noch heute werde er auf sein Eierkoch-Video angesprochen, so der Alt-Bundesrat. 

Auch schon in den Achtzigerjahren wurde die Bevölkerung dazu aufgefordert, Strom zu sparen. Vorbild war damals Energieminister Adolf Ogi. Noch heute werde er auf sein Eierkoch-Video angesprochen, so der Alt-Bundesrat. 

Tamedia
Als Energieminister hat er 1988 persönlich gezeigt, wie man beim Eierkochen Energie sparen kann. Die Abstimmung zum neuen Energiegesetz stand damals bevor.

Als Energieminister hat er 1988 persönlich gezeigt, wie man beim Eierkochen Energie sparen kann. Die Abstimmung zum neuen Energiegesetz stand damals bevor.

Screenshot SRF

Darum gehts: 

  • Der Bundesrat lanciert über die Wintermonate eine Stromspar-Kampagne.

  • Auch Ende der Achtzigerjahre wurde die Bevölkerung angehalten, Strom zu sparen. Vorbild war damals Energieminister Adolf Ogi (SVP).

  • Heute sagt Adolf Ogi, dass es ein Fehler gewesen sei, das AKW Mühleberg abzustellen.

  • Hier liest du, was die 20-Minuten-Community darüber denkt.

Im Interview mit 20 Minuten berichtet der ehemalige Energieminister Adolf Ogi (SVP) über die Stromsparmassnahmen in der Schweiz Ende der Achtzigerjahre. Der Alt-Bundesrat war damals mit seinem Eierkoch-Video das Vorbild der Stromsparmassnahme des Bundesrats. Auch diesen Winter lanciert der Bundesrat eine Stromspar–Kampagne. Adolf Ogi erachtet es als Fehler, das Kernkraftwerk Mühleberg abgeschaltet zu haben. Dennoch zeigt er sich angesichts der drohenden Energiekrise zuversichtlich: «Ich glaube, dass der Bundesrat und die verantwortlichen Gremien und Verbände die Situation meistern.»

«Für diese Entscheidung muss jetzt das Volk zahlen»

Viele 20-Minuten-Leser und Leserinnen teilen Adolf Ogis Meinung und halten das Abschalten des Kernkraftwerks Mühleberg im Jahr 2019 für eine Fehlentscheidung.

User Edelweiss schreibt: «Es war unüberlegt, Mühleberg abzuschalten. Strom muss produziert werden, er kommt nicht einfach aus der Steckdose. Für diese Entscheidung muss nun das Volk bezahlen.» Ähnlich denkt auch Thömi65: «Ganz klar: Mühleberg wurde überhastet und unüberlegt abgeschaltet.» «Das Kraftwerk Mühleberg war meines Wissens in einem einwandfreien Zustand und hätte noch für viele Jahre Strom erzeugt», findet User Kornichon.

«Den alten Mühleberg-Reaktor abzuschalten, war schon die richtige Entscheidung», denkt dagegen User Jahrgang-1952. Doch zeitgleich zum Abschalten hätte man ein leistungsfähigeres Kernkraftwerk errichten sollen – wie vom Stimmvolk gewünscht, findet er.

«Man hat E-Auto-Besitzern weisgemacht, sie würden etwas Gutes tun»

User Gligli schreibt: «Die Besitzer von Elektroautos tun mir diesen Winter leid. Man hat ihnen weisgemacht, dass sie mit dem Kauf ihres Wagens etwas Gutes tun.» «Ich finde, wir hätten damals auf Wasserstoff statt Elektro setzen müssen. Hätten wir das getan, hätten wir heute diese Probleme nicht. Hätten wir damals auf Wasserstoff statt auf Elektro gesetzt, hätten wir diese Probleme heute erst gar nicht. Immer mehr Menschen haben ein Elektrofahrzeug – und das trägt meines Erachtens zum Strommangel bei!» sagt User Villu.

«Ständig diese Diskussion um die Schuldfrage. Sie bringt uns keinen Zentimeter weiter!», so Leser AndreasN. Im Nachhinein könne man immer sagen, dass man etwas nicht hätte tun sollen oder anders oder besser gemacht hätte, denkt User Kätzin. «Doch gestern war gestern, heute ist heute. Man muss jetzt schauen, was das Beste ist und dann auch machen. Jeder sollte sich zuerst an die eigene Nase greifen, anstatt die Schuld bei anderen zu suchen.»

User Ich weiss einen ganz anderen möglichen Grund, weshalb Mühleberg abgestellt hätte werden können: «Der Kontext ‹Nuklearkatastrophe von Fukushima› fehlt hier… Damals, als diese Entscheidung getroffen wurde, hatte man ganz andere Ängste.»

«Wenn die Preise weiter steigen, wird die Bevölkerung Strom sparen»

Adolf Ogi lebe umweltfreundlich, sagt er im Interview. «Wenn immer möglich, benutze ich den öffentlichen Verkehr. Bei uns zu Hause sind alle Wasserhähne auf kalt eingestellt, und abends werden alle Apparate ausgeschaltet.» Können das Schweizer und Schweizerinnen auch? Die Community hat ihre Zweifel. «Doch wenn die Preise weiter steigen, wird die Bevölkerung von sich aus Strom sparen», sagt Asterixis. User Ökonom ist derselben Auffassung: «Angesichts der explodierenden Energiepreise kommt der Spareffekt automatisch. Wer nicht spart, wird spätestens nach der Abrechnung der Nebenkosten lernen, weniger Energie zu konsumieren.»

User Angeliqueb hingegen findet Stromsparen nicht schwierig: «Etwas mehr Socken und einen Pullover wird ja wohl kein Drama sein. Wir haben gestern entschieden, dieses Jahr auf die Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten. Jetzt sollte die Politik das Problem gezielt anpacken!»

Die obenstehenden Aussagen sind Meinungen von Leserinnen”innen und entsprechen nicht zwingend dem aktuellen Stand der Wissenschaft.

Wie sollte man der Energiekrise entgegenwirken? 

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

143 Kommentare