14.09.2016 14:57

Fehler in Klinik

«Mir wurde eine falsche HIV-Diagnose gestellt»

Ein 24-jähriger Schweizer reiste für eine Haartransplantation nach Istanbul. Die Klinik testete ihn positiv auf HIV, obwohl er nicht infiziert ist.

von
Camille Kündig

Der 24-jährige Bieler A.N* leidet seit Jahren an Haarausfall. Der Versicherungsberater entschied sich deshalb, seinen Wunsch nach vollem Haar zu verwirklichen.

Im September ist er mit einem Anbieter von Gesundheitsreisen nach Istanbul geflogen, um sich Haare transplantieren zu lassen. «Das ist deutlich günstiger als in der Schweiz.»

«Viel günstiger als in der Schweiz»

N. lag bereits auf dem Operationstisch, als ihm für einen HIV-Schnelltest Blut vom Finger abgenommen wurde. Solche Tests werden vor diesen Eingriffen üblicherweise zum Schutz des Personals gemacht.

HIV-Schnelltests liefern im Gegensatz zu Labortests innert Minuten Resultate. Für N. war dieses völlig unerwartet und zutiefst schockierend. Ihm wurde eröffnet, er sei HIV-positiv. �«Ich habe nur noch gezittert, konnte kaum noch sprechen», erzählt er.

«Das Personal wollte mir die Hand nicht mehr schütteln»

Die Operation sei unverzüglich abgebrochen worden. Unter diesen Umständen könne der Eingriff nicht durchgeführt werden, teilte ihm das Personal mit. N. wurde aufgefordert, die Klinik zu verlassen.

Ausserdem habe das Klinik-Personal sehr abweisend reagiert. «Ich wollte dem Team zum Abschied die Hand reichen, einige davon haben aber nur den Kopf bewegt. So schlecht wie in diesem Moment habe ich mich noch nie gefühlt.»

«Ich war nur noch glücklich»

Die folgenden drei Tage seien ein «reiner Albtraum» gewesen. �«Ich hatte auch Selbstmordgedanken.» Am nächsten Tag sei er zurück in die Schweiz gereist und habe sofort einen Termin bei seinem Hausarzt vereinbart, um mit ihm über das Resultat zu sprechen.

Dieser habe darauf bestanden, den Test zu wiederholen. Diesmal wurde das Blut im Labor untersucht, der Test fiel negativ aus.

«Als ich das Resultat erfuhr, stand ich nochmals wie unter Schock, dann war ich nur noch glücklich.» Seine Familie organisierte sogar ein Fest, um zu feiern, dass er nun doch gesund war.

«Ein Fall in Tausend»

Laut Markus Stratmann, Mitarbeiter des Gesundheitszentrums für schwule Männer Checkpoint Zürich, sind solche falschen Testresultate sehr selten: «Wir sprechen hier von etwa einem Fall von tausend.»

In solchen Fällen heisse das im Checkpoint, «dass zu einer grossen Sicherheit eine HIV-Infektion vorhanden ist». Aber: Um endgültig sagen zu können, dass die untersuchte Person HIV-positiv ist, brauche es – wenigstens nach Schweizer Recht – auf jeden Fall einen Bestätigungstest.

«Von HIV-positiv spricht man erst, wenn ein zweiter Test (Westernblot) mit einer venösen Blutentnahme das Resultat des ersten HIV-Tests bestätigt hat.»

Wie funktioniert ein HIV-Test.

*Name der Redaktion bekannt.

Haben Sie schon einmal etwas Ähnliches erlebt? Schreiben Sie uns.

HIV-Infektion

Dank moderner Therapien kann die HIV-Infektion heute so kontrolliert werden, dass es in den meisten Fällen nicht zur Entwicklung der AIDS-Krankheit kommt. HIV-Positive Menschen müssen regelmässig Medikamente einnehmen und regelmässig zu Kontrolluntersuchungen.

Mehr Informationen finden Sie unter anderem unter:

Leben mit HIV: www.hiv.de

Aids-Hilfe Schweiz: www.aids.ch

Checkpoint Zürich: www.mycheckpoint.ch

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