Auf Heimweg nach Wien: Mischling Neelix irrt durch die Schweiz
Aktualisiert

Auf Heimweg nach WienMischling Neelix irrt durch die Schweiz

Neelix lief einer Österreicherin im Elsass davon. Fünf Monate später ist der Mischling in der Schweiz gesehen worden – Hundefreunde vermuten, er wolle heim zum Frauchen laufen.

von
Marco Lüssi

Eineinhalb Jahre ist Mischlingshund Neelix alt – und er hat schon mehr durchgemacht als die meisten Vierbeiner in ihrem ganzen Leben. Geboren wurde er als Strassenhund in Serbien. Daraufhin wurde er in ein Auffanglager für verwahrloste Vierbeiner gebracht, das die österreichische Tierschutzorganisation Iacawa in einer ehemaligen Pferdestallung in Südserbien betreibt. Im November 2013 erhielt Neelix einen Platz bei einer Betreuerin in Wien. Diese nahm ihn Mitte Dezember mit zu ihren Eltern in Süddeutschland nahe der französischen Grenze. Sie wollte ihnen einen Weihnachtsbesuch abstatten. Da entwischte ihr Neelix bei einem Ausflug ins elsässische Volgelsheim.

«Wir haben dort sofort Steckbriefe von Neelix verteilt und sind immer wieder durch die Gegend gelaufen, doch es fehlte von ihm jede Spur», sagt Claudia Schraml vom Iacawa-Vorstand. «Nach längerer erfolgloser Suche hatten wir die Hoffnung, Neelix wiederzufinden, schon fast aufgegeben.»

Plötzlich im Aargau aufgetaucht

Das änderte sich Ende April: Fast fünf Monate nach seinem Verschwinden tauchte Neelix in der Schweiz auf – vor der Haustür von Anja Werffeli in Schinznach AG. «Ein abgemagerter und verwahrloster Hund strich um mein Haus herum», sagt Werffeli zu 20 Minuten. «Ich ging sofort Hundefutter kaufen und es gelang mir mehrere Tage hintereinander, ihn zu füttern. Er traute sich zum Napf, den ich für ihn in meinem Garten aufgestellt hatte.»

Dabei filmte und fotografierte die Tierfreundin den Hund. Im Internet durchforstete sie systematisch die Vermisstenanzeigen, um herauszufinden, wem der unbekannte Vierbeiner gehört – und stiess dabei auch auf Einträge zum Verschwinden von Neelix.

«Als wir die Bilder und Videos sahen, die Frau Werffeli gemacht hatte, war uns klar, dass es sich um Neelix handelt», sagt Tierschützerin Schraml. Identifizieren liess er sich nur schon durch sein markantes «Gstältli», das der Ausreisser auch jetzt noch trägt. Doch noch bevor man versuchen konnte, Neelix einzufangen, war er wieder weg: «Plötzlich blieb der Napf vor meinem Haus voll, der Hund kehrte nicht mehr zu meinem Haus zurück», sagt Werffeli.

Zuletzt wurde Neelix im Kanton Zürich gesehen

Das Schicksal von Neelix liess Werffeli keine Ruhe. Gemeinsam mit anderen Tierfreunden suchte sie mit einer Facebook-Gruppe nach dem Hund. Mit Erfolg: Es gingen mehrere Meldungen von Personen ein, die ihn beobachtet haben wollten. Offenbar hatte er den Aargau verlassen und hielt sich im Kanton Zürich auf, zuerst in Zweidlen, zuletzt am Samstag in Schleinikon.

Wer Neelix sieht, solle aber nicht versuchen, ihn einzufangen, betont Werffeli. Bei solch einem Versuch bestehe die Gefahr, dass das bereits jetzt sehr scheue Tier noch mehr erschreckt werde und noch schwieriger einzufangen sei. «Wer ihn sieht, sollte sich bei der Polizei oder bei mir melden – und Futter für ihn bereitstellen, damit er wieder zurückkommt.»

Neelix reagiert auf «Dotschi»

Anlocken könne man ihn auch mit dem Wort «Dotschi» – so werden Hunde in Neelix' serbischer Heimat gerufen. «Man sollte aber alles vermeiden, was seine Scheu vor den Menschen verstärken könnte.»

Auch Tierschützerin Schraml hofft, dass es für Neelix bald ein Happy End gibt und er zu seiner Betreuerin in Wien zurückkehren kann. «Denn dorthin ist er offenbar unterwegs – es ist doch unglaublich, dass er noch immer in die richtige Richtung läuft.»

Dieses Video von Neelix hat Anja Werffeli vor ihrer Haustür in Schinznach aufgenommen:

Im Grossformat auf dem Videoportal

Personen, die Neelix gesehen haben, können Anja Werffeli per E-Mail (anja.werffeli@gmx.ch) erreichen.

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