«Ich kam an meine Grenzen»: Miss Schweiz hat erste Trucker-Tour hinter sich
Publiziert

«Ich kam an meine Grenzen»Miss Schweiz hat erste Trucker-Tour hinter sich

Lauriane Sallin hat ihre erste Brummi-Tour hinter sich. Die Miss Schweiz hat einen LKW voll Hilfsgüter in Marokko abgeliefert. Die Reise war holprig.

von
Bettina Bendiner

Miss Schweiz Lauriane Sallin parkiert ihren LKW wie ein Profi auf der Fähre nach Marokko. (Video: zvg)

Sie schwingt nicht nur grosse Reden. Lauriane Sallin (23) lässt ihren Worten Taten folgen. Mit dem frischgedruckten Lastwagen-Fahrausweis in der Tasche wagte die Miss Schweiz ihr erstes grosses Abenteuer: Als Boftschafterin für die Stiftung Corelina manövrierte sie einen 18-Tonner mit medizinischem Material nach Rabat in Marokko. Die Reise entpuppte sich als grösste Herausforderung ihres Lebens.

«Erst lief alles gut. Wir haben sogar meine Tante in Cordoba besucht», sagt Lauriane zu 20 Minuten. «Am vierten Tag standen wir um 3 Uhr morgens auf. Wir wollten das erste Schiff von Algeciras nach Tanger erwischen», so Lauriane. Nach sechs Stunden Fahrt erreichten sie den Hafen.

Die ungeduschte Miss Schweiz

«Ich war so erschöpft. Da wusste ich, ich werde an meine Grenzen stossen.» Eine Grenze erreichte sie dann auch gleich: Ein Sturm legte den Schiffsverkehr lahm. Statt den erwarteten null LKWs vor ihnen standen da schon 1000 Brummis in der Warteschleife. Lauriane und der zweite Chauffeur nahmen sich ein Hotel. «Ich konnte immerhin vier Stunden schlafen. Zum Duschen blieb keine Zeit.»

Nach 18 Stunden Warten am Hafen kam plötzlich das Go: Um Mitternacht ging ein Schiff. Mit vier Stunden Verspätung legte die Fähre dann endlich in Richtung Marokko ab. Lauriane: «Ich habe den Laster selbst einparkiert. Das hat mir den Respekt der anderen eingebracht. Es waren nur Männer da.» Sie wollte sich auch nicht untreu werden. «Ich hatte immer ein langes Kleid an. Damit fährt es sich nicht schlechter als in Jeans.» Hoffnungsvoll setzte der Tross nach Marokko über.

Und schon wieder steckt Lauriane fest

Dann steckte Lauriane schon wieder fest. «Diesmal an der Grenze, es fehlte ein Papier. Keiner sagt dir, was das Problem ist. Das war schwierig.» Die Transit-Firma war nicht zu erreichen. Und Lauriane mobilisierte ihre letzten Reserven. «Ich versuchte, das Papier zu organisieren. Immer hiess es, in einer Stunde klappt es dann.» Es sollten 36 werden. Zwischendurch schlief die Miss auf einer Matratze im LKW, trank eine Tasse Tee in einem kleinen Restaurant. «Ich hatte Angst, dass alles schiefgeht», erinnert sie sich.

Nach bangen Stunden durfte Lauriane ihren LKW endlich nach Rabat steuern. Nach all dem Ärger erlebte sie bei ihrer verspäteten Ankunft einen Glücksmoment. «So viele Menschen halfen uns spontan beim Ausladen. Ich war so kaputt, aber auch so happy.» Hat sie nach diesen Strapazen die Nase voll? «Nein, ich würde das gern wieder machen.»

Deine Meinung