René Truninger: Missbrauch-Aufruf erhält Like von SVP-Kantonsrat
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René TruningerMissbrauch-Aufruf erhält Like von SVP-Kantonsrat

SVP-Kantonsrat René Truninger likte einen Kommentar auf Facebook, der linken Politikerinnen einen Missbrauch wünscht. Ein Versehen, beteuert der Parlamentarier aus Effretikon.

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In der Facebook-Gruppe «Mehr Schweiz!» postete der Zürcher SVP-Kantonsrat René Truninger am 27.September 2018 einen Artikel des «Blicks».

In der Facebook-Gruppe «Mehr Schweiz!» postete der Zürcher SVP-Kantonsrat René Truninger am 27.September 2018 einen Artikel des «Blicks».

René Truninger
«Verteidigung fordert, dass er bleiben darf, da er Angehörige in der Schweiz hat & noch weitere folgen würden! #ohneWorte», kommentiert der Parlamentarier aus Effretikon den Link. Zahlreiche Facebook-Nutzer pflichteten in ihren Kommentaren Truninger bei.

«Verteidigung fordert, dass er bleiben darf, da er Angehörige in der Schweiz hat & noch weitere folgen würden! #ohneWorte», kommentiert der Parlamentarier aus Effretikon den Link. Zahlreiche Facebook-Nutzer pflichteten in ihren Kommentaren Truninger bei.

Unter anderem schrieb S.P. diesen Kommentar.

Unter anderem schrieb S.P. diesen Kommentar.

Facebook Printscreen

In der Facebook-Gruppe «Mehr Schweiz!» postete der Zürcher SVP-Kantonsrat René Truninger am letzten Donnerstag einen Artikel des «Blicks»: Dieser handelt von einem syrischen Asylbewerber, den das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten sowie einem Landesverweis von 10 Jahren verurteilte, weil er im Zug an seinem Penis hantiert hatte und einen Monat zuvor eine Frau vergewaltigten wollte.

«Verteidigung fordert, dass er bleiben darf, da er Angehörige in der Schweiz hat & noch weitere folgen würden! #ohneWorte», kommentiert der Parlamentarier aus Effretikon den Link. Zahlreiche Facebook-Nutzer pflichteten mit in ihren Kommentaren dem SVP-Politiker bei.

«Hoffe, es wird mal einen von dessen Frauen missbraucht»

Unter anderem schrieb S. P.: «So ein Typ soll ausgeschafft werden!!! Aber eben, unsere gescheiten, linken Parteien SP, Grüne, Juso sind ja schuld!! Hoffe, es wird mal einen von dessen Frauen missbraucht, dann denken die schnell anders!»

Für diesen Kommentar gab es ein Like von René Truninger. Das geht laut einem Leser-Reporter gar nicht. «Ein amtierender Zürcher Kantonsrat findet es in Ordnung, wenn man politisch andersdenkenden Frauen eine Vergewaltigung wünscht. Well done», findet er.

Kommentar zu liken, ist skandalös

SP-Kantonsrätin Hannah Pfalzgraf pflichtet ihm bei: «Ein Kommentar in den sozialen Medien, der zum Missbrauch von Frauen aufruft, gehört gelöscht.» Besonders wenn er unter einem Eintrag eines Parlamentariers gepostet werde und für alle öffentlich zugänglich sei, so Pfalzgraf: «Dass Truninger den Kommentar sogar likt, ist skandalös.»

Auch Truninger sagt auf Anfrage, dass dieser Kommentar klar eine Grenze überschreitet: «Natürlich unterstützte ich eine solche Aufforderung nicht.» Er habe sie aber schlichtweg übersehen und nur den ersten Satz des Posts gelesen: «Unter dem Artikel waren über 70 Kommentare – ich hätte sie besser anschauen sollen.» Er habe den betreffenden Kommentar mittlerweile gelöscht und den Verfasser blockiert.

Truninger machte sich nicht strafbar

Dies empfiehlt auch der Zürcher Medienanwalt Reinhard Oertli. Zwar könne man sich mit dem Liken eines Kommentars oder einem Retweet strafbar machen, Truninger habe dies aber wohl nicht getan, sagt Oertli: «Der fragliche Kommentar ist zwar widerlich, aber wohl nicht strafbar.»

Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn der Kommentarschreiber sich an eine von ihm herbeigewünschte Tätergruppe oder an das breite Publikum wenden und ein solcher Missbrauch billigen oder herbeiwünschen würde, so Oertli: «In diesem Fall spricht er aber von einer Tätergruppe, zu der er keinen Bezug hat.»

Truninger geriet bereits im Mai in die Schlagzeilen, als der deutsche Satiriker Jan Böhmermann gegen rechte Hetze im Internet vorgehen wollte. Dazu veröffentlichte er eine Liste von rechten Trollen, auf denen auch Schweizer Twitter-Accounts auftauchten – unter anderem jener von SVP-Mann Truninger.

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