Kartellbehörde: Missbraucht Apple seine Dominanz?
Aktualisiert

KartellbehördeMissbraucht Apple seine Dominanz?

Die US-Kartellbehörden interessieren sich für Steve Jobs neuen Abo-Service. Das Preismodell für iPad–Zeitungen wirft Fragen auf.

von
owi
Apples Abo-Service für iPad-Zeitungen ruft die US-Kartellbehörde auf den Plan.

Apples Abo-Service für iPad-Zeitungen ruft die US-Kartellbehörde auf den Plan.

Die US-Kartellbehörden haben ein Auge auf Apple geworfen. Ungemach droht, weil der iPhone- und iPad-Hersteller aus Cupertino vor einer Woche ein umstrittenes Abo-Modell für Zeitungen und Zeitschriften lanciert hat. Die Verleger bestimmen zwar den Preis und die Dauer des Abos, müssen aber 30 Prozent der Einnahmen an Apple abtreten. Was für den kalifornischen Konzern ein gerechtfertigter Obolus ist, da die Kunden die Abos bequem über iTunes verwalten können, stösst bei Medienhäusern teils auf harsche Kritik. In der Schweiz sei Apples Abo-Service bei der Wettbewerbskommission (WEKO) momentan allerdings kein Thema. «Es laufen deshalb auch keine diesbezüglichen Abklärungen», teilte die WEKO auf Anfrage mit.

In den USA sollen sich nun die Kartellbehörde und das Justizdepartement für den neuen Abo-Service interessieren, wie das Wall Street Journal mit Berufung auf gut informierte Quellen schreibt. Noch ist aber völlig offen, ob die Behörden ein Untersuchungsverfahren einleiten werden.

Schlechte Erfahrungen mit den US-Behörden hat Apple indes schon mehrmals gesammelt. Vor Jahresfrist untersuchte die US-Kartellbehörde Apples Vorschriften, die App-Entwickler daran hindern sollten, Programme von Konkurrent Adobe einzusetzen. Die Behörden untersuchten im Weiteren mutmassliche Einschränkungen für Google-Werbung auf Apple-Geräten. Im September 2010 gab Apple in beiden Streitfragen klein bei und wendete so weitere Untersuchungen ab.

Apple diktiert die Regeln

Im Gegenwind steht Apple derzeit, da den Medien untersagt wird, ihre Inhalte ausserhalb des iTunes-Stores billiger zu verkaufen. Auch Links aus den Apps auf eigene Verkaufs-Kanäle sind verboten. Apple kanalisiert so die Kunden auf den eigenen Vertriebsweg und zweigt stolze 30 Prozent des Verkaufspreises ab. Zum Vergleich: Konkurrent Google beansprucht lediglich zehn Prozent Umsatzbeteiligung.

Rechtsgelehrte in den USA stellen Apples Abo-Service daher in Frage, da er möglicherweise den Wettbewerb und somit tiefere Preise für die Konsumenten verhindere: «Es scheint ausschliesslich im Interesse von Apple zu sein, wenn sie zu verhindern versuchen, dass Konsumenten Käufe tätigen, bei denen sie leer ausgehen», sagt Eric Goldmann, Direktor des Rechtsinstituts für High-tech an der Santa Clara Universität, gegenüber dem Wall Street Journal.

Schlechte Karten für Verleger

Die Chancen für die Verleger auf gesetzlichem Weg Änderungen zu erstreiten, scheinen aber gering zu sein. Die Kartellbehörden müssten beweissen, dass Apple eine marktbeherrschende Stellung hat und sie missbraucht. Ob Apple ein Monopol besitzt, hängt davon ab, wie man den Markt definiert. Apples iPhone ist zwar die erste Wahl für viele begüterte Konsumenten – in der Schweiz beträgt der Marktanteil 52 Prozent – weltweit stammen aber weniger als zwei von zehn Smartphones aus dem Hause Apple. Im Handy-Gesamtmarkt beträgt der Marktanteil weltweit gar nur drei Prozent. Bei den Tablet-PCs hat die Firma mit dem Apfel im Logo zwar mit rund 75 Prozent Marktanteil global klar die Nase vorne, die Zahlen könnten aber bald sinken, da für dieses Jahr zahlreiche Konkurrenz-Tablets angekündigt worden sind.

Kommt es zu einer Untersuchung, müssten die Wettbewerbsbehörden beurteilen, ob den Medienhäusern alternative Vertriebswege zur Verfügung stehen. Mit dem derzeit rasch wachsenden Marktanteil von Android-Phones und -Tablets, scheint dies durchaus gegeben. Für Schweizer Medienhäuser wird die Situation in nächster Zeit aber kaum einfacher werden, da Apple hierzulande derzeit 92 Prozent des Tablet-Markts für sich beansprucht und es noch eine Weile dauern dürfte, bis sich Konkurrenzprodukte etablieren können.

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