St. Gallen: Missbrauchte 19-Jähriger Nachbarsbub (10)?
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St. GallenMissbrauchte 19-Jähriger Nachbarsbub (10)?

Der heute 21-Jährige muss sich am Dienstag vor Gericht verantworten, weil er an einem Nachbarsbuben sexuelle Handlungen vorgenommen haben soll.

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taw
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Zum Vorfall soll es am 31. Juli 2017 an einer vorgezogenen 1.-August-Feier gekommen sein. (Symbolbild Keystone/Peter Klaunzer)

Zum Vorfall soll es am 31. Juli 2017 an einer vorgezogenen 1.-August-Feier gekommen sein. (Symbolbild Keystone/Peter Klaunzer)

Der mutmassliche Täter und sein Opfer trafen bei der Feier aufeinander. (Symbolbild Keystone//Salvatore Di Nolfi)

Der mutmassliche Täter und sein Opfer trafen bei der Feier aufeinander. (Symbolbild Keystone//Salvatore Di Nolfi)

Dort habe er mit Kollegen Feuerwerk gezündet. (Symbolbild/KeystoneGeorgios Kefalas)

Dort habe er mit Kollegen Feuerwerk gezündet. (Symbolbild/KeystoneGeorgios Kefalas)

Am Abend des 31. Juli 2017 fand in einem Dorf im Kanton St. Gallen eine vorgezogene 1.-August-Feier statt. In deren Vorfeld, so gegen 19 Uhr, traf sich der Beschuldigte laut Anklage mit Kollegen bei sich zu Hause. Gegen 20.30 Uhr gingen sie dann zum Fest. Dort hätten sie Bier getrunken, wie schon zuvor beim Beschuldigten zu Hause. Zudem hätten sie Feuerwerk gezündet.

Um etwa 23.30 Uhr traf der junge Mann laut Anklageschrift «auf die ihm bestens bekannten Nachbarskinder». Er habe ihnen beim Anzünden einer Schachtel Frauenfürze geholfen.

Vom Festplatz entfernt

Nach Mitternacht habe er den Nachbarsbuben (damals zehn Jahre alt) dann aufgefordert, mit ihm zu kommen. Sie entfernten sich in der Folge vom Festplatz. Dann soll er dem Buben gesagt haben, er solle seine Hose herunterziehen. Was dieser auch tat, weil er sich nicht traute, zu widersprechen. Laut Anklage hat der Beschuldigte den Buben dann auf Mund und Wange geküsst und sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen. Als dieser «nein» sagte, habe er aufgehört und es sei ihm bewusst geworden, dass er einen «uh hueren Schissdreck» mache. Vor dem Verlassen des Tatortes habe er dem 10-Jährigen gesagt, er solle niemandem davon erzählen.

Bei der polizeilichen Sicherstellung Mitte August wurde auf dem Handy des Beschuldigten Bild- und Filmmaterial gefunden, das sexuelle Handlungen mit Kindern respektive Tieren zum Inhalt hat.

Stationäre Behandlung angeordnet

Am Dienstag muss sich der Beschuldigte nun vor dem Kreisgericht Rorschach wegen sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher Pornographie sowie mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes verantworten. Die Privatklägerschaft beteiligt sich am Prozess als Zivil- und Strafklägerin. Die Zivilforderungen wurde noch nicht beziffert.

Der Beschuldigte war im November 2015 bereits vom Kreisgericht Rorschach verurteilt worden. Die neun Monate unbedingter Freiheitsentzug wurden damals zugunsten einer ambulanten Behandlung für Jugendliche aufgeschoben. Mit Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 1. September 2017 (also kurz nach Bekanntwerden der neuen Vorwürfe) wurde die ambulante Massnahme aufgehoben und der Vollzug der Haftstrafe beantragt. Der Schluss liegt also nahe, dass er bereits 2015 wegen ähnlicher Delikte straffällig geworden war und eine ambulante Therapie offenbar nicht fruchtete.

Im aktuellen Fall beantragt die Staatsanwaltschaft eine unbedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Hinzu kommt eine unbedingte Geldstrafe von 30 Tagessätze zu je 70 Franken und eine Busse in Höhe von 300 Franken. Zudem wird eine stationäre Behandlung im Sinne von Art. 59 StGB (siehe Box) beantragt. Der Vollzug der Freiheitsstrafe soll zugunsten dieser Massnahme aufgeschoben werden.

Art. 59 StGB

Ist ein Täter psychisch schwer gestört, kann das Gericht eine stationäre Behandlung anordnen. Dies wenn der Täter ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat, das mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang steht und wenn zu erwarten ist, dass dadurch die Gefahr weiterer damit verbundener Taten verhindert werden kann.

Die Dauer der stationären Massnahme gemäss Artikel 59 StGB ist unbestimmt. Für eine solche Massnahme ist ein psychiatrisches Gutachten nötig. Erst wenn erwartet werden kann, dass der Täter keine neuen Straftaten begeht, folgt eine Entlassung. Spätestens nach fünf Jahren muss die Vollzugsbehörde beim Gericht eine Verlängerung beantragen, wenn die Massnahme weiter nötig ist.

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