Aktualisiert 05.01.2011 19:21

Vaduz

Missglückte Imagekampagne

Die gebeutelten Liechtensteiner Treuhänder wollen mit einer Plakatkampagne ihr angeschlagenes Image aufpolieren. Ein Schuss in den Ofen, sagen Experten.

von
Valeska Beck
Plakat der Liechtensteiner Treuhänder im Ländle – Experten äussern Kritik.

Plakat der Liechtensteiner Treuhänder im Ländle – Experten äussern Kritik.

Seit gut einer Woche säumen Plakate die Liechtensteiner Hauptstrassen. Mit der Botschaft «Die Treuhandbranche: Einkommen für 3500 Menschen» will die Liechtensteinische Treuhändervereinigung (THV) der Bevölkerung im Ländle «klarmachen, wie viele Arbeitsplätze vom Treuhandsektor abhängen», so Ivo Elkuch von der THV. Doch hinter der Kampagne steckt viel mehr: Seit die Politiker nach der Datenklauaffäre auf die Weissgeldstrategie umgeschwenkt sind, geht es der einst gewinnträchtigen Treuhandbranche mies. Vorher hatte sie mit anonymen Stiftungen ein lukratives Geschäft mit unversteuerten Geldern betrieben. Damit ist nun Schluss: Allein im Jahr 2010 wurden in Liechtenstein 6000 Stiftungen gelöscht. «Die Branche sieht ihre Millionen davonschwimmen», sagt PR-Berater Klaus J. Stöhlker.

Die Branche hat aber noch ein anderes Ziel: «Die Akzeptanz soll wieder besser werden», so Elkuch. Ob die Treuhänder aber überhaupt etwas mit ihren Plakaten erreichen, ist fraglich. «Ihre Art ist unbeholfen und verknorzt», sagt Stöhlker. Geri Aebi, CEO der Wirz-Gruppe, setzt noch einen drauf: «Das ist ein eher hilfloser Hilfeschrei einer Branche, die gerade den Image-Gau erlebt.» Skeptisch äussert er sich auch über den Inhalt der Kampagne: «In so einer Situation wird gerne das Arbeitsplatz-Argument als Rettungsanker ausgeworfen.» Doch 3500 Arbeitsplätze würden nicht Geschäfte um jeden Preis rechtfertigen.

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