Bundesgericht: Misshandlung der Tochter war Mordversuch

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BundesgerichtMisshandlung der Tochter war Mordversuch

Ein 28-jähriger Mann hat seine drei Wochen alte Tochter nach einem Streit mit deren Mutter schwer verletzt. Das Bundesgericht schätzt die Tat als Mordversuch ein.

von
aeg

Ein Zürcher muss für die grausame Misshandlung seiner Tochter auf Geheiss des Bundesgerichts wegen Mordversuchs verurteilt werden. Die Richter in Lausanne haben der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft Recht gegeben und fordern vom Obergericht ein strengeres Urteil.

Der 28-Jährige hatte im Februar 2009 während einer Abwesenheit der Lebenspartnerin seine drei Wochen alte Tochter schwer misshandelt. Der Säugling überlebte trotz lebensgefährlichen Verletzungen. Mit den Taten liess der Mann seine Wut darüber aus, dass die Partnerin angeblich fremdgegangen war und er seine Vaterschaft anzweifelte.

Verwerfliche Einstellung

Das Bezirksgericht Bülach sprach ihn im Mai 2011 des versuchten Mordes schuldig und verurteilte ihn zu acht Jahren Freiheitsstrafe. Das Zürcher Obergericht erhöhte die Strafe anschliessend zwar auf elf Jahre, kam allerdings zum Ergebnis, dass lediglich eine versuchte vorsätzliche Tötung und nicht ein Mord vorliege.

Das Bundesgericht hat die Beschwerde der Oberstaatsanwaltschaft nun gutgeheissen. Das Obergericht muss den Mann auf Geheiss aus Lausanne wegen Mordversuchs verurteilen und die Strafe neu bemessen. Mit dem Motiv - der Wut auf die Mutter - kommt laut Gericht eine äusserst egoistische und verwerfliche Einstellung zum Ausdruck.

Grausam und skrupellos

Wer einen anderen Menschen zum Objekt seiner Frustration mache, an der dieser nicht den geringsten Anteil habe, zeige damit ein ausserordentliches Mass an Missachtung menschlichen Lebens. Auch die Art und Weise der Tatausführung weise auf eine besondere Grausamkeit und Geringschätzung hin.

Das Mädchen sei nur aus Zufall nicht gestorben. Der Verurteilte habe gegenüber seinem Leiden nicht das geringste Mitgefühl gezeigt und im Anschluss an die Misshandlungen am Computer gespielt, als sei nichts gewesen. Die Tat müsse insgesamt als skrupellos und damit als versuchter Mord bewertet werden. (Urteil 6B_232/2012 vom 8. März 2013) (aeg/sda)

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