Die Schlussplädoyers im Fall R. Kelly werden gehalten.
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Schlussplädoyers zu R. KellyMisshandlungsopfer sind laut Anwälten des Stars bloss «gekränkte Fans»

Am Donnerstag werden die Schlussplädoyers zum Fall R. Kelly gehalten, der wegen mutmasslicher sexueller Misshandlung vor Gericht steht. Beide Seiten haben ihre Zeugen befragt.

von
Lara Hofer
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Im August startete der Gerichtsprozess gegen Ex-Superstar R. Kelly (54). Nun kommt es zu den Schlussplädoyers. Danach werden zwölf Geschworene über Kellys Schicksal entscheiden. 

Im August startete der Gerichtsprozess gegen Ex-Superstar R. Kelly (54). Nun kommt es zu den Schlussplädoyers. Danach werden zwölf Geschworene über Kellys Schicksal entscheiden.

AFP
Die Verhandlung findet in Brooklyn, New York, statt. Dem 54-jährigen Sänger wird seit Jahren schwere sexuelle Misshandlung vorgeworfen. Zudem wurde er wegen Verbrechen wie Entführung und Erpressung angeklagt. 

Die Verhandlung findet in Brooklyn, New York, statt. Dem 54-jährigen Sänger wird seit Jahren schwere sexuelle Misshandlung vorgeworfen. Zudem wurde er wegen Verbrechen wie Entführung und Erpressung angeklagt.

AFP/ho
Festgenommen wurde der Sänger im Sommer 2019. Seither sitzt er im Gefängnis.

Festgenommen wurde der Sänger im Sommer 2019. Seither sitzt er im Gefängnis.

AFP/Scott Olson

Darum gehts

  • Der US-amerikanische Sänger R. Kelly (54) steht derzeit wegen mutmasslicher sexueller Misshandlung, Kinderpornografie und Erpressung in New York vor Gericht.

  • Die Staatsanwaltschaft spricht von «Lügen, Manipulation, Drohungen und körperlichen Missbrauch».

  • Die Verteidigung hat insgesamt fünf Zeugen befragt, die alle sagten, den Missbrauch nicht gesehen zu haben. Kelly plädiert auf unschuldig.

  • Die Anklageseite hingegen hat 45 Zeugen und Zeuginnen aufgerufen, wobei mehrere Frauen aussagten, sie seien von dem 54-Jährigen vergewaltigt, geschlagen, unter Drogen gesetzt oder eingesperrt worden.

  • Die Schlussplädoyers werden voraussichtlich bis am Donnerstag anhalten. Danach werden die Geschworenen über Kellys Schicksal entscheiden.

Im Prozess gegen den ehemaligen R’n'B-Star R. Kelly (54), der wegen mutmasslichen sexuellen Misshandlungen vor Gericht steht, werden derzeit die Schlussplädoyers gehalten. Die Staatsanwältin Elizabeth Geddes sagte am Mittwoch vor den Geschworenen in New York, dass der Sänger «Lügen, Manipulation, Drohungen und körperlichen Missbrauch» einsetzte, um jahrzehntelang ungestraft Frauen und Teenager zu missbrauchen.

Laut Geddes hatte Kelly einen ganzen Ring an Unterstützern, die für ihn systematisch Opfer rekrutierten und ihn schützten. «Ohne sie hätte der Angeklagte sein Verbrechensmuster nicht fast drei Jahrzehnte lang ausüben können», so Geddes. Der Angeklagte hat zuvor auf eine eigene Aussage verzichtet.

Verteidigung befragte fünf Zeugen

Während ihrer Ausführungen stand die Staatsanwältin vor einer Plakatwand, auf der Mitglieder aus Kellys Umfeld zu sehen waren. Sie waren entweder direkt in kriminelle Aktivitäten verwickelt, oder sie «ermöglichten» diese, indem sie «keine Fragen stellten» und «die Regeln des Angeklagten effektiv durchsetzten».

In den drei Prozesstagen zuvor hatte die Verteidigung fünf Zeugen befragt – ehemalige Angestellte und einen Kindheitsfreund von Kelly. Diese sagten alle, sie hätten den Missbrauch nicht gesehen.

Opfern sei Essen und Gang zur Toilette verweigert worden

Die Anklageseite hingegen hatte insgesamt 45 Zeugen und Zeuginnen aufgerufen, um die Vorwürfe gegen Kelly und sein Umfeld zu beweisen. Mehrere Frauen sagten aus, sie seien vergewaltigt, geschlagen, unter Drogen gesetzt und eingesperrt worden. Manchmal sei ihnen Essen oder der Gang zur Toilette verweigert worden.

Sechs der mutmasslichen Opfer waren minderjährig, als Kelly die Misshandlungen begonnen haben soll. Viele Opfer sagten auch, der Sänger habe den Geschlechtsverkehr regelmässig gefilmt, was in mehreren Fällen den Tatbestand der Kinderpornografie erfüllen würde. Eine Frau sagte, Kelly habe sie als Teenager zu einer Abtreibung gezwungen. Vier Frauen sagten, sie hätten sich nach sexuellen Kontakten mit dem Sänger mit Herpes angesteckt. Dieser habe ihnen seine Infektion verschwiegen.

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Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Opfer seien bloss «gekränkte Fans»

Die Anklage konzentrierte sich auf die Misshandlung von sechs Frauen. Darunter war auch die Sängerin Aaliyah, die Kelly als 15-Jährige illegal heiratete. Sie starb 2001 im Alter von 22 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Mehrere weitere Opfer, darunter auch Männer, wurden nur als Zeugen befragt. Die Verteidiger versuchten dabei, die Ankläger als «gekränkte Fans» darzustellen, die nach dem Ende der Beziehung mit dem Superstar bloss «gehässig» wurden.

Der Prozess gegen R. Kelly hatte Mitte August begonnen. Dem Sänger des Hits «I Believe I Can Fly» werden in dem Verfahren unter anderem sexuelle Misshandlung Minderjähriger, Entführung und Bestechung in den Jahren 1994 bis 2018 vorgeworfen.

Der heute 54-Jährige mit dem bürgerlichen Namen Robert Sylvester Kelly weist alle Vorwürfe zurück und hat auf nicht schuldig plädiert. Die Schlussplädoyers werden voraussichtlich mindestens bis Donnerstag andauern. Anschliessend entscheidet eine Jury aus zwölf Geschworenen, sieben Männern und fünf Frauen, über Kellys Schicksal.

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Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

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