Esaf 2019: Missionare versuchen, Schwingfans zu bekehren
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Esaf 2019Missionare versuchen, Schwingfans zu bekehren

Am Eidgenössischen Schwingfest waren auch Freikirchler unterwegs. Die Organisatoren des Festes distanzieren sich von der Aktion.

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juu
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Am Sonntag wurde eine junge Besucherin am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest von einem Paar angesprochen.

Am Sonntag wurde eine junge Besucherin am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest von einem Paar angesprochen.

Keystone/urs Flueeler
«Sie fragten ob sie für mich beten könnten und legten mir die Hände auf die Schultern. Es war mir unangenehm, dass ich so überrumpelt wurde», sagt die Besucherin.

«Sie fragten ob sie für mich beten könnten und legten mir die Hände auf die Schultern. Es war mir unangenehm, dass ich so überrumpelt wurde», sagt die Besucherin.

Keystone/Ennio Leanza
Danach wurde ihr eine DVD überreicht.

Danach wurde ihr eine DVD überreicht.

Keystone/urs Flueeler

Eine Besucherin des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (Esaf) in Zug hatte am Sonntag eine kuriose Begegnung: «Ein gut aussehendes Paar kam auf mich zu und sprach mich an. Wenig später legten die beiden ihre Hände auf meine Schultern und beteten für mich.»

Die Frau beschreibt das Paar als um die 30 Jahre alt und gut gekleidet. Sie selbst sei dabei nur still dagestanden. «Es war mir unangenehm, dass ich so überrumpelt wurde.» Danach wurde ihr eine DVD überreicht. «Sie war rot und hatte ein Schweizer Kreuz drauf.» Laut ihr ist es gut möglich, dass es noch weitere Versuche gab, Leute am Esaf zu bekehren.

Schweizer Geschichte durch Gott geprägt

20 Minuten ist in Besitz einer solchen DVD gelangt. Dabei handelt es sich um die christliche Dokumentation «More than Chocolate and Cheese – Switzerland – The Inside Story». Darin werden dem Zuschauer die christlichen Werte der Schweiz nahegelegt und unter anderem wird auch auf die Symbolik der Flagge eingegangen. «Die Schweizer Fahne symbolisiert die religiöse Dimension dieses Bundes. Auch heute noch weist sie auf unser geistliches Erbe hin», heisst es dort etwa. Der Film vermittelt dem Betrachter hauptsächlich eines: Die Schweizer Geschichte ist durch Gott stark geprägt.

Verantwortlich für die DVD ist Campus für Christus, der Schweizer Ableger einer streng evangelikalen Gemeinschaft aus Los Angeles. Diese bestätigt auf Anfrage Produktion und Verkauf von «More than Chocolate and Cheese». Hinter der Aktion vom Schwingfest stehe sie aber nicht. Man vermute, dass es sich dabei um Einzelpersonen gehandelt habe, die missioniert hätten. Die DVD kann auf der Website für 12.80 Franken gekauft werden.

Menschen handeln im «Auftrag» der Freikirchen

Laut Sektenexperte Georg Otto Schmid handeln solche Menschen im «Auftrag» von Freikirchen. «Nach freikirchlichem Verständnis ist es die Pflicht aller Gläubigen, ihren Glauben weiterzugeben. Dies kann beispielsweise durch Verteilen von Werbematerial in der Öffentlichkeit geschehen. Dass man grössere Anlässe dafür nutzt, ist fast schon Tradition.»

Grundsätzlich gehe es nicht um eine bestimmte Kirche, sondern um die Form des Glaubens. So obliege es dem Angesprochenen, zu entscheiden, wo er sich anschliesst. «Finanziert werden solche Projekte und Mitgaben vor allem über Spenden. In Freikirchen wird empfohlen, zehn Prozent des Einkommens für den Glauben zu verwenden. Daraus werden die Werbematerialien bezahlt», erklärt Schmid.

Veranstalter distanzieren sich von Aktion

Laut Schmid führen solche Strassenaktionen aber nur zu mässigem Erfolg: «Durch Verteilaktionen gibt es nur selten neue Zugänge in der Freikirche. In der Regel passiert das über soziale Kontakte, also wenn man einen Kollegen hat, der dort Mitglied ist und einen mitnimmt.»

Auf Anfrage beim OK des Esaf heisst es, dass man bisher keine Kenntnis von der Verteilaktion habe. «Es ist selbstverständlich nicht in unserem Sinn. Wir verurteilen das», sagt Kommunikationschef Freddy Trütsch. Da das Gelände aber für jedermann zugänglich sei, könne man dies nicht verhindern.

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