SRF Dok: Berner Missionspilot fliegt Noteinsätze im Dschungel von Osttimor

Aktualisiert

SRF DokBerner Missionspilot fliegt Noteinsätze im Dschungel von Osttimor

Daniel Moser lebt mit seiner Familie seit fünf Jahren in einem der ärmsten Länder der Welt. Dort ist er für eine christliche Hilfsorganisation tätig, für die er medizinische Rettungsflüge durchführt.

von
Daniela Gigor
1 / 6
Daniel Moser fliegt seit sechs Jahren bei der Mission Aviation Fellowship (MAF)

Daniel Moser fliegt seit sechs Jahren bei der Mission Aviation Fellowship (MAF)

SRF
Daniel Moser am Starten in der Ortschaft Same, Osttimor.

Daniel Moser am Starten in der Ortschaft Same, Osttimor.

MAF
 Flugvorbereitung in der Hauptstadt Osttimors, Dili

Flugvorbereitung in der Hauptstadt Osttimors, Dili

MAF

Darum gehts

  • Das Schweizer Fernsehen SRF 1 zeigt am Freitag in der Dokumentation «Helden der Lüfte» den Alltag von Daniel Moser und seiner Familie in Osttimor.
  • Laut Moser sei das Gesundheitssystem im Land sehr schlecht. Nun fliegt er Kranke oder Verletzte in Spitäler, damit sie medizinische Hilfe erhalten.
  • Im Sommer 2023 will die Familie in die Schweiz zurückkehren. Moser beabsichtigt, danach in seiner Heimat als Schreiner selbstständig zu werden.

Obwohl viele Verwandte des Berner Oberländers Daniel Moser begeisterte Flieger waren, träumte er als Kind ganz und gar nicht davon, als Erwachsener ebenfalls abzuheben. «Mein Herz schlug damals mehr vom Gedanken, als Polizist zu arbeiten», sagt der 34-Jährige. Dieser Traum platzte, als er in militärischer Mission für die KFOR während rund 18 Monaten im Kosovo im Einsatz war. Moser: «Dort spürte ich, dass ein Leben als Polizist nicht meinem wahren Wunsch entspricht.»

Moser holt aus und erklärt, dass er ein überzeugter Christ sei: «Auf dem Rückflug aus dem Kosovo passierte mir etwas Spezielles: Eine göttliche Stimme sagte mir, dass ich für sie fliegen soll.» So kam es, dass Moser die familiäre Tradition schliesslich doch weiterführte und während zweier Jahre eine private Flugschule mit insgesamt 250 Flugstunden absolvierte. Um sich genügend Praxis anzueignen, war er weitere 250 Stunden in der Luft unterwegs, bevor er sich bei der Mission Aviation Fellowship (MAF) mit der Absicht meldete, dort einen Eignungstest als Pilot zu durchlaufen. Die MAF ist laut eigenen Angaben eine christliche internationale Non-Profit-Organisation, die Versorgung via Luftweg in schwer erreichbaren Gegenden gewährleistet.

«Ein Häuschen am Strand klingt romantischer, als es ist»

Jedoch machte ihm die Liebe einen Strich durch die Rechnung: Im Jahr 2012 lernte er seine heutige Ehefrau kennen. «Damals passte es für mich nicht, bei der MAF einzusteigen, weil für eine derartige Entscheidung beide Personen mit an Bord sein müssen», sagt Moser. Als seine Partnerin jedoch seinen Plan unterstützte, sei es für Moser auf der Hand gelegen, sich auf das Abenteuer einzulassen.

Geplant war, dass das Paar zusammen nach Australien gehen würde, doch da es Probleme mit den Visa gab, landeten die Mosers drei Wochen später, im September 2015, im südostasiatischen Kleinstaat Osttimor. An ihrem Ziel – in Beto-Tasi – angekommen, bezog das Paar ein kleines Häuschen direkt am Strand. «Dies klingt romantischer, als es ist», sagt Moser lachend und erklärt, dass das Leben hier rudimentär sei und die Menschen in Osttimor eine gänzlich andere Mentalität hätten als wir Schweizer.

Einige Einheimische würden sich ohne böse Absichten gerne als Gelegenheitsdiebe betätigen, und darum sei es möglich, dass Gegenstände plötzlich wie vom Erdboden verschluckt verschwinden. Auch habe ein menschliches Leben nicht den gleich grossen Stellenwert wie in Westeuropa: «Es ist dort normal, heute zu leben und morgen zu sterben. Dies ist auch bei Kindern der Fall, und diese Tatsache macht mir auch heute noch gelegentlich zu schaffen», so Moser.

Er kämpfe deshalb tagtäglich, dass Kranke oder Verunfallte medizinische Hilfe erhalten, indem er sie mit seinem lokalen Team im Rettungsflieger transportiert. Doch mit dem Flug allein ist es nicht getan, sagt Moser. «Das Gesundheitssystem ist sehr schlecht, und es ist beispielsweise für eine Frau ein Risiko, ein Kind zur Welt zu bringen. Auch für Kinder, die Durchfall haben, sind die Überlebenschancen unter gewissen Umständen gering.» Es gebe nur ein nationales Spital in der Hauptstadt Dili. Ausserhalb seien nur kleine Kliniken vorhanden, denen es auch an einfachsten Hilfsmitteln und Medikamenten fehle.

Familie bleibt in der Schweiz, bis das zweite Kind geboren ist

Jetzt hat aber die Pandemie dem Helfer einen Strich durch die Rechnung gemacht: Moser ist zurzeit mit seiner Frau und seinem Sohn zurück in der Schweiz. Sie waren in den Ferien, und als sie nach Osttimor zurückkehren wollten, war dies wegen des Coronavirus nicht möglich. Weil Mosers Frau das zweite Kind erwartet, werden sie vorläufig hier bleiben. Das Baby soll – wie bereits das erste Kind – in der Schweiz geboren werden. Darum ist nun eine Rückkehr erst im Januar 2021 geplant. Moser: «Danach werden wir voraussichtlich noch bis im Sommer 2023 in Beto-Tasi leben.»

Die Familie freue sich, anschliessend wieder in der Schweiz zu leben, sagt Moser. Er habe vor, sich danach als Schreiner selbstständig zu machen. Wie der Alltag der jungen Familie in Südostasien aussieht, zeigt SRF 1 am Freitag in der Sendung «Helden der Lüfte». Porträtiert werden in dieser Sendung mehrere Schweizer Piloten. Neben Moser sind das zwei Tornadojäger in Amerika, eine Rettungsflugwacht in Botswana, ein junger Segelkunstflieger und ein Heissluftballonpilot, der die Anden überqueren will.

Mission Aviation Fellowship (MAF)

Die MAF ist laut eigenen Angaben eine christliche internationale Non-Profit-Organisation, die Versorgung via Luftweg in schwer erreichbaren Gegenden gewährleistet. Dort sei Fliegen kein Luxus, sondern lebenswichtig. Die MAF fliege «über Urwälder, Wüsten und Berge», um Menschen medizinische Versorgung, Bildung, Entwicklungs- und Nothilfe sowie Zugang zum christlichen Glauben zu ermöglichen. Wie die MAF schreibt, bedient sie weltweit über 1400 Flugpisten und unterstützt dabei rund 2000 Organisationen mit 130 Flugzeugen in 26 Ländern.

Deine Meinung

14 Kommentare