Nach Absage des Alba-Festivals - «Misst mit ungleichen Ellen» – Zürcher Politiker fordern Antworten von Fehr
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Nach Absage des Alba-Festivals«Misst mit ungleichen Ellen» – Zürcher Politiker fordern Antworten von Fehr

Die Absage des Alba-Festivals sorgt seit Tagen für Empörung. Zürcher Politiker und Politikerinnen fordern nun Antworten von SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr.

von
Monira Djurdjevic
Lynn Sachs

Veranstalter vom Alba-Festival fühlt sich diskriminiert.

Darum gehts

  • Die Absage des Alba-Festivals stösst auf Unverständnis.

  • Auch im Kantonsrat in Zürich wurde das Thema diskutiert.

  • Mehrere Parteien gaben eine Fraktionserklärung ab. Sie üben Kritik an Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) und fordern Antworten von der Justizdirektorin und dem Regierungsrat.

Zwei Tage vor der Veranstaltung hat der Kanton Zürich dem Alba-Festival die Bewilligung entzogen – unter anderem mit der Begründung, dass sich der Event an eine «stark von Covid betroffene Community» richtet. Der Entscheid sorgt in der albanischen Community für Empörung. Insbesondere, weil andere Veranstaltungen, wie unter anderem der «Zurich Pride» oder einem Dayrave am Flughafen Zürich, die Bewilligung nicht entzogen wurde. Auf Instagram posteten die Veranstalter des Alba-Festivals ein Video dazu.

Auch an der Kantonsratssitzung in Zürich wurde das Thema diskutiert. Die AL, SVP und die SP gaben am Montag dazu Fraktionserklärungen ab. So sagte AL-Kantonsrätin Nicole Wyss unter anderem: «Entweder die Schutzkonzepte taugen etwas oder nicht.» Wenn nur eine Veranstaltung abgesagt werde, impliziere das, dass man es den Veranstaltern nicht zutraue, den Event richtig umzusetzen. «Es ist verständlich, dass sich die albanische Community als Menschen zweiter Klasse fühlt», so Wyss. Wir fordern, dass die Regierung das Gespräch mit den Betroffenen sucht und die Veranstalter finanziell entschädigt.»

Ähnlich sieht es SVP-Kantonsrat Claudio Schmid. Er spricht von einem «ungeheuerlichen Fall behördlicher Willkür». «Aus unserer Sicht handelt die Justizdirektion nach voraufklärerischen Richtlinien. Sie lässt zu, was ihr gefällt und verbietet, was ihr nicht gefällt.» Die SVP verurteile «das Messen mit ungleichen Ellen und sehe Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) in der alleinigen Verantwortung».

«Der Regierungsrat muss nun Antworten liefern»

Sonja Rueff-Frenkel (FDP), Isabel Garcia (GLP), Anne-Claude Hensch (AL) und Qëndresa Hoxha-Sadriu (SP) haben eine schriftliche Anfrage an den Regierungsrat gestellt. Damit soll geklärt werden, wieso die Veranstaltung kurzfristig abgesagt wurde. «Ich finde den Entscheid des Regierungsrats nicht nachvollziehbar», sagt AL-Kantonsrätin Anne-Claude Hensch auf Anfrage. Das Alba-Festival habe, wie auch andere Veranstaltungen, die vom Kanton definierten Massnahmen erfüllt.

«Die Argumentation, dass das Festival nicht stattfinden konnte, da die albanische Community stark von Corona betroffen sei und eine tiefe Impfquote aufweise, ist diskriminierend», so Hensch. Der Regierungsrat soll deshalb ein Zeichen setzen: «Die albanische Bevölkerung versteht sich durch den Entscheid als Sündenbock. Das geht nicht. Der Regierungsrat muss nun Antworten liefern.»

Verweis auf die albanische Community «skandalös»

Regierungsrätin Jacqueline Fehr hat sich bisher nicht direkt dazu geäussert. Am Freitagnachmittag hat der Kanton Zürich zu den Diskriminierungsvorwürfen Stellung genommen. «Der Widerruf der Bewilligung erfolgte ausschliesslich aufgrund der Einschätzung der epidemiologischen Situation und der spezifischen Risiken des Events», sagt Sprecher Andreas Melchior. Die Absage des Festivals habe auch damit zu tun, dass es sich an eine stark von Covid-19 betroffene Bevölkerungsgruppe richte: «Man hätte das auch bei einer anderen Community getan», so Melchior.

Am Freitag traten Adem Morina, Veranstalter des Alba-Festivals, und der Zürcher FDP-Gemeinderat Përparim Avdili vor die Medien. Er sei extrem enttäuscht, sagt Morina: «Vom Regierungsrat habe ich mich klar diskriminiert gefühlt.» Das Schutzkonzept sei gut gewesen, man hätte sogar einen Impfbus vor Ort gehabt. Avdili findet den Verweis auf die albanische Community «skandalös». Avdili fordert eine Gleichbehandlung aller Grossveranstaltungen: «Ein Schwingfest wird auch nicht abgesagt, nur weil Schwing-Fans eine tiefere Impfquote haben.»

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