Aktualisiert 01.04.2020 08:33

Notkredit

«Mit 120'000 Franken überleben wir bis Herbst»

Am Donnerstag konnten KMUs, die finanziell unter der Corona-Krise leiden, einen Notkredit beantragen. Betroffene Unternehmer erzählen.

von
bsc
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20 Milliarden Franken hat Finanzminister Ueli Maurer für die Hilfe der KMUs in der Corona-Krise gesprochen. Am Donnerstag konnten die Unternehmen die entsprechenden Anträge online ausfüllen und einen Notkredit beantragen.

20 Milliarden Franken hat Finanzminister Ueli Maurer für die Hilfe der KMUs in der Corona-Krise gesprochen. Am Donnerstag konnten die Unternehmen die entsprechenden Anträge online ausfüllen und einen Notkredit beantragen.

Keystone/Alessandro Della Valle
Innerhalb einer halben Stunde sei das Geld bei den Firmen, versprach Maurer noch letzte Woche. Das stimmt nicht ganz, wie Betroffene einstimmig gegenüber 20 Minuten sagen. Aber der Kredit wurde vielen Unternehmen innerhalb weniger Stunden zugesprochen.

Innerhalb einer halben Stunde sei das Geld bei den Firmen, versprach Maurer noch letzte Woche. Das stimmt nicht ganz, wie Betroffene einstimmig gegenüber 20 Minuten sagen. Aber der Kredit wurde vielen Unternehmen innerhalb weniger Stunden zugesprochen.

Keystone/Alessandro Della Valle
Das Reinigungsunternehmen Wälchli Reinigungen AG in Uster hat bei der ZKB einen Kredit von rund 120'000 Franken beantragt. Dieser wurde innerhalb weniger Stunden bewilligt. Mit dem Geld könne die Firma rund sechs Monate überleben, wie Verwaltungsrat Roger Hängärtner sagt.

Das Reinigungsunternehmen Wälchli Reinigungen AG in Uster hat bei der ZKB einen Kredit von rund 120'000 Franken beantragt. Dieser wurde innerhalb weniger Stunden bewilligt. Mit dem Geld könne die Firma rund sechs Monate überleben, wie Verwaltungsrat Roger Hängärtner sagt.

Reinigungsunternehmen Wälchli Reinigungen AG

20 Milliarden Franken hat Finanzminister Ueli Maurer für die Hilfe der KMUs in der Corona-Krise gesprochen. Am Donnerstag konnten die Unternehmen die entsprechenden Anträge online ausfüllen und einen Notkredit beantragen.

Innerhalb einer halben Stunde sei das Geld bei den Firmen, versprach Maurer noch letzte Woche. Das stimmt nicht ganz, wie Betroffene einstimmig gegenüber 20 Minuten sagen. Aber der Kredit wurde vielen Unternehmen innerhalb weniger Stunden zugesprochen. Einzelne hatten das Geld sogar schon am gleichen Tag auf dem Konto:

«Wir möchten das Geld so schnell wie möglich zurückzahlen»

Eine Schreinerei im Kanton Luzern leidet bereits seit Anfang März unter der Corona-Krise. «Wir beliefern vor allem Gastrobetriebe und haben inzwischen fast 80 Prozent unseres Umsatzes verloren», sagt der Geschäftsführer. Trotzdem hat das Unternehmen den Notkredit nicht ganz ausgeschöpft: Statt 10 Prozent des Jahresumsatzes hat die Schreinerei nur 5 Prozent beantragt. «Schliesslich möchten wir das Geld so schnell wie möglich zurückzahlen», so der Geschäftsführer. Den Kredit habe er am Morgen bei der Raiffeisenbank beantragt. Innerhalb einer Stunde sei dieser bewilligt worden und bereits nach dem Mittag sei das Geld auf dem Konto gewesen. «Mir fällt ein Stein vom Herzen», meint der Geschäftsführer. Er hätte nicht gedacht, dass er das Geld so schnell erhalte: «Ich muss im Namen aller, die einen Kredit erhalten, Danke sagen.»

«Mit 120'000 Franken überlebt die Firma rund sechs Monate»

Das Reinigungsunternehmen Wälchli Reinigungen AG in Uster kämpft bereits zehn Tage nach dem Lockdown um sein Überleben. «Ohne den Notkredit können wir unseren 15 Mitarbeitern im April keine Löhne mehr bezahlen, da wir die Kurzarbeitsentschädigung erst im April erhalten werden», sagt Verwaltungsrat Roger Hängärtner. Seit dem 16. März seien fast alle Mitarbeiter auf Kurzarbeit. Nun habe das Unternehmen bei der ZKB einen Kredit von rund 120'000 Franken beantragt. Dieser wurde innerhalb weniger Stunden bewilligt. Mit dem Geld könne die Firma rund sechs Monate überleben. «Das Problem ist, dass viele Kunden ihre Rechnungen nicht mehr begleichen», so Hängärtner. Dabei handle es sich vor allem um Firmen, die zurzeit selbst in eine finanzielle Notlage geraten seien. Auch in den Haushalten können seine Mitarbeiter kaum mehr putzen: Aus Angst vor dem Virus hätten fast alle Kunden abgesagt.

«Es braucht ein Zeichen des Bundesrats und des Hauseigentümerverbands»

Hart trifft die Krise die Stadtstube in Zürich. Das Geschäft für Restauration und Verkauf von seltenen Designklassikern ist seit dem 17. März geschlossen. «Nicht nur die Verkäufe sind vollständig zum Erliegen gekommen, wir können aufgrund des nationalen Stillstands auch keine neuen Waren akquirieren, und die Restaurationsaufträge bleiben zum Grossteil aus», sagt Geschäftsführer Shiran Steiner. Ohne den Kredit hätte die Reserve nur noch einen Monat gereicht. Den Überbrückungskredit konnte Steiner einfach beantragen und dieser sei schnell bewilligt worden. «Wie und wann die Auszahlung erfolgt, wissen wir noch nicht.» Dank dem Kredit können die anfallenden Fixkosten gedeckt werden. Besondere Sorgen bereitet Steiner die Miete. Noch seien seine Mietkosten nicht gesenkt worden. «Wir empfinden es als höchst unanständig, dass hier nicht schon längst ein Zeichen vonseiten des Bundesrats sowie des Hauseigentümerverbands Schweiz gesetzt worden ist.» Sollte nichts geschehen, werde er nach der Krise ein neues Ladengeschäft suchen müssen.

«Bis Ende Mai könnten wir mit dem Kredit überleben»

Kurz vor dem Konkurs steht der Erotikshop Girl and Boyshop in der Berner Altstadt: «Ohne den Notkredit können wir nicht mehr lange überleben», sagt Geschäftsführer Michel Abegg. Obwohl das Geschäft seit Anfang Jahr auch online verkauft, machen ihm die grossen Vertreiber zu viel Konkurrenz. «Zudem müssen wir weiterhin die volle Miete bezahlen, obwohl der Shop geschlossen ist.» Nun hat das Unternehmen einen Notkredit von 21'000 Franken beantragt. Dieser sei aber noch nicht bewilligt worden. Er wisse noch nicht, wie es weitergeht. Dabei könnte das Geschäft mit dem Geld auch nur bis Ende Mai überleben. «Darum verhandeln wir im Moment mit allen Partnern und den Vermietern und versuchen, alle Fixkosten zu reduzieren», so Abegg.

«Vermieter hat die Miete im April zur Hälfte erlassen»

Die Digitaldruckerei Adag Print mit Geschäftsstellen in Zürich und St. Gallen kann dank einigen Produktionsaufträgen und Self-Service-Shops weiterhin geöffnet bleiben. Trotzdem leide das Unternehmen: «Die meisten Druckaufträge sind weggefallen, wie zum Beispiel diejenigen der Universität und der ETH, das zehrt extrem an unseren Reserven», sagt Geschäftsführer Marco Schmucki. Für die 13 Mitarbeiter habe das Unternehmen bereits Kurzarbeit beantragt, aber noch keinen Bescheid erhalten. Der Notkredit wurde ebenfalls beantragt und schnell bestätigt. Auch habe der Vermieter der Firma auf Anfrage die Hälfte der Miete im April einfach erlassen. Angst vor dem Konkurs hat Schmucki darum nicht. Trotzdem sei fraglich, ob der Kredit ausreiche: «Schliesslich bleiben die meisten Kosten weiterhin fällig und der Kredit muss zudem auch noch vollumfänglich zurückbezahlt werden», so Schmucki. Das Massnahmepaket sei daher keine nachhaltige Hilfe. «Eine richtige Hilfe wäre es, wenn der Bund weniger auf Importe setzen und mehr die hiesige Industrie unterstützen würde.»

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