27.03.2020 10:02

Netflix-Star Jeff Wilbusch

«Mit 13 bin ich von zu Hause weggelaufen»

Netflix zeigt die Bestsellerverfilmung «Unorthodox» als Vierteiler. Hauptdarsteller Jeff Wilbusch (32) stieg als Jugendlicher selbst aus der jüdisch-orthodoxen Gemeinde aus.

von
cat

Wie bist du zur Rolle in «Unorthodox» gekommen?

Ich wurde Ende 2018 zu einem «geheimen» Gespräch eingeladen. Meine Agentin sagte mir am Telefon, es gehe um eine Figur, die Jiddisch spricht. Die Macher waren dann sehr überrascht zu hören, dass ich Jiddisch spreche, weil es die Sprache meiner Kindheit ist. Und überhaupt, dass die Geschichte der Serie sehr viele Ähnlichkeiten mit meiner eigenen aufweist.

Du bist selbst jüdisch-orthodox aufgewachsen. Wie war deine Kindheit in Jerusalem?

Ganz viele Geschwister. Sehr laut. Sehr lebendig.

Warum hast du der Community den Rücken gekehrt?

Es gibt nicht eine einzige Antwort darauf. Es gab keinen Platz für mich, weder in der Familie noch in der Gemeinde. Auch meine Eltern mussten sich den Platz in der Gemeinde hart erkämpfen, weil sie aus einer nicht religiösen Familie kommen. Ich habe als Erstgeborener viel Härte und Stress erlebt. Als ich 13 Jahre alt war, bin ich weggelaufen.

Wie war es, sich dem Leben da draussen anzupassen?

Schwierigkeiten gab es natürlich. Ich war ein Kind und hatte kein Zuhause. Aber alles war sehr neu für mich, berauschend. Es gab viele erste Male. Ich kannte das Wort Kino zum Beispiel nicht. Ich erinnere mich an den ersten Film, den ich gesehen habe. Ich erinnere mich auch an meine ersten Jeans, mein erstes T-Shirt, mein erstes Haargel.

Was vermisst du an deinem alten Leben?

Meine Familie. Meine tollen 13 Geschwister, die ich über alles liebe. Die jiddische Sprache. Freitagabend mit der Familie Sabbat zu feiern.

Hast du als Kind davon geträumt, Schauspieler zu werden?

Eigentlich nicht. Als Kind wusste ich nicht, was Schauspiel ist. Als Jugendlicher habe ich angefangen, Musik zu machen. Aber auch das nicht als eine Berufsmöglichkeit begriffen. Also habe ich Wirtschaft in Holland studiert. Irgendwann aber bin ich über die Musik dann doch zum Schauspiel gekommen. Das hat meine Seele gerettet.

«Unorthodox» ist jetzt auf Netflix verfügbar.

Über die Serie:

«Unorthodox» erzählt die Geschichte einer jungen Frau aus Williamsburg, Brooklyn. Esther Shapiro hat immer nach den strengen Regeln der chassidischen Gemeinschaft gelebt. Eines Tages bricht sie aus ihrer arrangierten Ehe aus und reist nach Berlin, um sich selbst zu finden. Doch gerade als sie eine völlig neue Welt für sich entdeckt, holt sie die Vergangenheit wieder ein. Die Miniserie ist inspiriert vom gleichnamigen Bestseller von Deborah Feldman. Die Autorin wuchs in der chassidischen Gemeinde Satmar in Williamsburg, Brooklyn, auf. Im Alter von 25 Jahren veröffentlichte sie ihre persönlichen Erinnerungen an das Leben in der Gemeinde.

Fehler gefunden?Jetzt melden.