18.08.2020 18:10

Lovely Me«Mit 16 Jahren wurde mir fast das Bein amputiert»

2002 hatte Fabio einen schweren Rollerunfall mit einem Kollegen. Nur sein Vater verhinderte, dass dem damals 16-Jährigen ein Bein amputiert wurde.

von
Meret Steiger
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Der damals 16-jährige Fabio erlitt 2002 einen schweren Rollerunfall, nachdem sein Kollege in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hatte. 

Der damals 16-jährige Fabio erlitt 2002 einen schweren Rollerunfall, nachdem sein Kollege in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hatte.

privat
Direkt nach dem Unfall war Fabio gar nicht klar, wie gravierend seine Verletzungen waren:  «Ich habe mein Bein betrachtet und dachte erst, dass da ein Ast drinsteckt – bis ich gemerkt habe, dass das mein Knochen ist!»

Direkt nach dem Unfall war Fabio gar nicht klar, wie gravierend seine Verletzungen waren: «Ich habe mein Bein betrachtet und dachte erst, dass da ein Ast drinsteckt – bis ich gemerkt habe, dass das mein Knochen ist!»

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Im Spital wurde ihm gesagt, man müsse vielleicht sein Bein amputieren. Fabios Vater, der zu diesem Zeitpunkt in Italien war, hat die Ärzte aber gebeten, alles zu tun, um das Bein zu retten.

Im Spital wurde ihm gesagt, man müsse vielleicht sein Bein amputieren. Fabios Vater, der zu diesem Zeitpunkt in Italien war, hat die Ärzte aber gebeten, alles zu tun, um das Bein zu retten.

privat

Darum gehts

  • Fabio hatte mit 16 Jahren einen schweren Rollerunfall.
  • Im Spital sollte ihm sogar das Bein amputiert werden, sein Vater konnte das aber verhindern.
  • Heute lebt Fabio mit mehreren Narben an den Beinen, kann aber wieder (fast) jeden Sport machen.
  • Fabio sagt: «Ich freue mich immer wieder darüber, wie viel Glück ich in meinem jugendlichen Leichtsinn hatte.»

Fabio, was ist dir passiert?

2002 habe ich den Abend mit ein paar Freunden verbracht. Ich habe mich von einem Kollegen mit einem schnelleren Roller abholen lassen, und wir haben uns so gegen 2 Uhr auf den Heimweg gemacht. In einer Kurve sind wir auf der Mittellinie ausgerutscht. Als ich die Augen wieder aufgemacht habe, lag ich auf der Strasse und konnte nicht aufstehen. Ich habe mein Bein betrachtet und dachte erst, dass da ein Ast drinsteckt – bis ich gemerkt habe, dass das mein Knochen ist!

Dann ist die Polizei gekommen, und nach 45 Minuten wurde ich mit einem Krankenwagen ins Spital gefahren. Dort haben sie meine Eltern angerufen, die am Vortag nach Italien gefahren sind. Sie haben meinem Vater gesagt, dass man mein Bein vielleicht amputieren muss, und er hat sich sehr dafür eingesetzt, dass das nicht passiert. Ich hatte aber viel Blut verloren und musste dringend operiert werden. Die Ärzte haben mein Bein mit Platten, Schrauben und Nägeln zusammengeflickt.

Wie bist du damit umgegangen?

Am Anfang war es wirklich hart. Ich konnte ein halbes Jahr eigentlich nichts selbst machen, meine Mutter musste mir bei allem helfen. Ich musste auch wieder lernen, zu gehen und mein Knie zu biegen. In diesem halben Jahr hat auch noch meine damalige Freundin, meine erste grosse Liebe, mit mir Schluss gemacht, das war hart. Ich war manchmal richtig wütend und musste mir immer wieder sagen, dass die Leute um mich herum ja nichts dafür können. Ich habe davor viel Sport gemacht und ich hatte grosse Probleme damit, plötzlich nicht mehr Fussball spielen zu können. Ich war 16 Jahre alt, da bildet man sich ein, man sei unverwundbar, und es hat mich hart getroffen, dass dem nicht so war.

Kannst du heute wieder Sport machen?

Ja, das kann ich. Aber erst nach einer weiteren Operation: In den Jahren nach dem Unfall habe ich wieder angefangen, Sport zu machen, und dabei ist mein Knie immer angeschwollen. 2009 liess ich das abklären, und die Spezialisten haben festgestellt, dass die Rotation in meinem Bein nicht stimmte – wenn ich gerade stand, dann schaute mein linker Fuss ein bisschen nach innen. Mein Bein wurde erneut «gebrochen» und dieser Fehler korrigiert. Heute kann ich wieder viele Sportarten machen, einfach nicht zu exzessiv.

Wirst du auf deine Narben angesprochen?

Am Anfang haben die Leute oft gefragt, ob es eine Verbrennung sei. Ich habe kein Problem damit, wenn jemand fragt, woher die Narben sind. Ich erzähle das gerne und nutze den Moment, um zu zeigen, dass es eben jeden treffen kann. Ein Kollege hat auch mal gesagt «Wenn ich dein Schienbein hätte, würde ich keine kurzen Hosen anziehen». Aber mir ist das echt egal. Narben machen ja auch interessant, oder?

Wie geht es dir heute?

Ich bin ein sehr aufgestellter Mensch. Ich glaube an Karma und freue mich immer wieder darüber, wie viel Glück ich hatte in meinem jugendlichen Leichtsinn. Meine Beine funktionieren (fast) einwandfrei. Ich hoffe wirklich, dass ich mein Glück zum ersten und letzten Mal so strapazieren musste. Ich bemühe mich heute auch um einen gesunden Lebensstil – abgesehen vom Rauchen.

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