Lausanne – Mit 16 von Hodenkrebs geheilt – nun warnt er andere junge Männer
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LausanneMit 16 von Hodenkrebs geheilt – nun warnt er andere junge Männer

Ein 16-jähriger Kantonsschüler aus Lausanne erkrankte an Hodenkrebs. Seine Maturaarbeit widmet er der Prävention dieser Krebsart.

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Ein 16-Jähriger widmet seine Maturaarbeit der Prävention von Hodenkrebs.

Ein 16-Jähriger widmet seine Maturaarbeit der Prävention von Hodenkrebs.

20min/François Melillo

Darum gehts

«Viele Leute denken, dass Krebs eine Krankheit ist, die ältere Menschen betrifft. Man denkt nicht daran, dass auch junge Menschen betroffen sein können. Ich denke, das liegt an der fehlenden Prävention. Gerade beim Hodenkrebs gibt es diese viel zu wenig.» Der 17-jährige Martin* erhielt die Diagnose im Frühjahr 2020, wie «20 Minutes» schreibt. Der Schüler einer Kantonsschule in Lausanne machte die Erkrankung zum Thema seiner Maturaarbeit. Er nutzt seine persönlichen Erfahrungen, um andere junge Männer mithilfe einer Website zur Prävention zu sensibilisieren.

«Sie sprachen darüber, wie wichtig die Selbstuntersuchung ist»

Er selbst war nicht sensibilisiert, bis er per Zufall eine Fernsehsendung zum Thema sah, «ein Glücksfall»: «Sie sprachen darüber, wie wichtig die Selbstuntersuchung ist und das hat mich aufhorchen lassen. Bei mir war es so, als hätte ich einen kleinen Knoten am Ende meines Hodens. Der Knoten war hart, schmerzte aber nicht», erzählt der junge Mann. Das Schwierigste sei es gewesen, dann tatsächlich zum Arzt zu gehen. Und Martin hatte Recht mit seiner Selbstdiagnose: Bereits einen Monat später wurde ihm der Hoden entfernt.

Nach einigen Checks sprach sein Arzt von Krebs und einem lokal begrenzten Tumor. «Ich erfuhr gleichzeitig, dass ich geheilt war und dass ich krank gewesen war. Auch wenn ich erleichtert war, war es in dem Moment ein Schock», erinnert sich der Teenager, der das «sehr frühe» Stadium der Krankheit erlebt hatte.

«Eine Prävention existiert nicht»

In der Schweiz werden jedes Jahr etwa 470 Fälle von Hodenkrebs diagnostiziert, 80 Prozent davon betreffen Männer unter 50 Jahren. Laut der Krebsliga Schweiz ist etwa einer von 20'000 jungen Männern unter 20 Jahren betroffen. Die Inzidenzrate liegt in der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen mit rund 26 Fällen pro 100'000 Personen am höchsten.

Aber bevor er die Sendung gesehen hatte, hatte Martin noch nie von dieser Krankheit gehört. «Die Kinderärzte tasten uns ab, aber sie erklären uns nichts. Eine Prävention existiert nicht», bedauert der Schüler. Auf seiner Website hat er darum die Risikofaktoren und die wichtigsten Symptome im Zusammenhang mit der Krebsform aufgelistet und über die einzige Massnahme informiert, mit der man ihn frühzeitig erkennen kann.

Website zur Hodenkrebs-Aufklärung

«Zunächst wollte ich in Turnhallen auftreten, aber dann dachte ich, dass eine Website ein guter Weg ist, um junge Menschen und ihre Familien zu erreichen», sagt Martin.

Er muss zwar weiterhin regelmässig Bluttests und Scans durchführen lassen, aber nach anderthalb Jahren Nachsorge sehe es gut aus für ihn. Andere hatten weniger Glück. In seiner Maturaarbeit berichtet er über einen 20-Jährigen, der in einem weiter fortgeschrittenen Stadium mit starken Schmerzen zu kämpfen hatte. «Das Ziel ist es, zu verhindern, dass sich die Krankheit unbemerkt entwickeln kann, deshalb ist die Selbstuntersuchung so wichtig», wiederholt der Teenager.

*Name geändert

Hast du oder hat jemand, den du kennst, die Diagnose Krebs erhalten?

Hier findest du Hilfe:

Krebstelefon, Tel. 0800 11 88 11

Cancerline, Chat mit Fachpersonen

Regionale Beratungsstellen der Krebsliga

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