Ford Fairlane Sunliner - Mit 2630 Franken hat dieses Cabriolet zu den teuersten Modellen gehört
Der Ford Fairlane Sunliner war ein Strassen-Cruiser für Sonnenanbeter und Sonnenanbeterinnen.

Der Ford Fairlane Sunliner war ein Strassen-Cruiser für Sonnenanbeter und Sonnenanbeterinnen.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
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Ford Fairlane SunlinerMit 2630 Franken hat dieses Cabriolet zu den teuersten Modellen gehört

Mitte der Fünfzigerjahre gehörte es für US-amerikanische Autohersteller noch zum guten Ton, ihr Modellprogramm mit einem Full-Size-Cabriolet zu krönen. Bei Ford übernahm diese Aufgabe ab 1955 der Fairlane Sunliner.

von
Bruno von Rotz

Im Oktober 1954, zum Modelljahr 1955, löste der Fairlane den Crestline als Fords Spitzenmodell ab. Gleichzeitig bekamen alle Modelle völlig neue Karosserien aus der Feder von Franklin Q. Hershey. Die angedeuteten hinteren Kotflügel verschwanden nun in einer völlig glatten Fahrzeugflanke, gleichzeitig wuchsen über den Rückleuchten erste zaghafte Heckflossen empor. An der Fahrzeugfront ersetzte ein feinmaschiges Kühlergitter die dicke Chromleiste mit mittiger «Bulletnose».

Bereits ein Jahr zuvor hatte Ford den bewährten, aber mittlerweile veralteten Flathead-V8 zugunsten eines modernen ohv-Achtzylinders in Rente geschickt. Wegen seines charakteristischen, weit nach unten ragenden Kurbelgehäuses und des daraus resultierenden Y-förmigen Querschnitts erhielt er schnell den Spitznamen Y-Block. Sogar Ford selbst sprach in der Werbung und in seinen Prospekten vom «Y8» statt vom «V8», um den Neuen auch namentlich klar vom Alten abzugrenzen. Die Basis-Version holte aus 4,5 Litern Hubraum 164 PS bei 4400 Umdrehungen pro Minute. Das 4,8-Liter-Spitzenmodell namens «Thunderbird Special» brachte es auf 200 PS.

Bis zu 228 PS

Zum Modelljahr 1956 änderte sich optisch wenig. Die kreisrunden vorderen Blinker wurden flach und oval, die Quadrate des Kühlergitters verwandelten sich in breite Rechtecke. Der Falz der seitlichen Fairlane-Zierleiste wanderte ein Stück weiter nach hinten und war nun etwas schnittiger geraten. Im Cockpit ersetzten sportliche Rundinstrumente das bisherige halbrunde Kombiinstrument; dem Lenkrad wuchs eine zusätzliche Speiche. Der Y8, den jetzt alle Ford-PKWs serienmässig trugen, war in seiner schwächsten Ausbaustufe auf 175 PS erstarkt. Der neue «Thunderbird Special Y-8» mass nun 5,1 Liter und leistete bis zu 228 PS.

Der Fairlane Sunliner gehörte mit einem Basispreis von 2870 Dollar (zum heutigen Kurs umgerechnet rund 2630 Franken) zu den teuersten Modellen im 1956er Ford-Programm. Aber durch freizügigen Umgang mit der Aufpreisliste konnten schnell noch ein paar Dollar mehr dazukommen.

Das Fotoauto trägt die originale Farbkombination «Diamond blue over Bermuda blue».

Das Fotoauto trägt die originale Farbkombination «Diamond blue over Bermuda blue».

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Besonders im Profil offenbart sich die elegante Linie des Sunliners.

Besonders im Profil offenbart sich die elegante Linie des Sunliners.

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Gut versteckt: Die Auspuff-Endrohre werden durch die Ecken der Stossstange geführt.

Gut versteckt: Die Auspuff-Endrohre werden durch die Ecken der Stossstange geführt.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com

Unaufgeregt und entspannt

Hinter dem Steuer bietet der diamantblau und bermudablau lackierte Ford keine Überraschungen, und wer keinen Lotus Elan erwartet, wird auch nicht enttäuscht. Ja, die Lenkung ist vage, ja, die Dämpfung ist lasch, aber schlecht ist das in keiner Weise. So unaufgeregt und entspannt fährt es sich in keinem europäischen Auto. Nichts am Fairlane erfordert viel Kraft, schliesslich musste einst auch die zierlichste Hausfrau mit ihm zurechtkommen.

Die Dreigang-Fordomatic arbeitet unauffällig im Hintergrund, Schaltvorgänge sind kaum spürbar. Damit ist DER Schaltvorgang gemeint. Der eine bei etwa 50 Kilometern pro Stunde, wenn der Ford von der zweiten in die dritte Fahrstufe wechselt. Hat man es nicht eilig, fährt der Fairlane nämlich im zweiten Gang an, und der Drehmomentwandler erledigt den Rest. Fordert man alle 228 Pferde, haben sie erst bei 175 km/h das Nachsehen gegen den Luftwiderstand – freilich bei heute nicht mehr ganz zeitgemässer Strassenlage. Den Fairlane Skyliner geniesst man am besten bei der Hälfte dieses Tempos. Dann bleibt auch der Benzindurst im Rahmen, das Auto brav in der Spur und die Frisur intakt.

Schon 1957 verlor der Sunliner dann seine Einzigartigkeit im Ford-Programm. Der Skyliner, seit 1954 die Glasdach-Version des «Victoria» genannten Hard-Top-Coupés, lernte, sein Blechdach im Kofferraum verschwinden zu lassen, und stahl dem Sunliner die Cabrio-Show.

Weitere Informationen und viele Bilder gibt es auf www.zwischengas.com zu sehen.

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