Aktualisiert 03.12.2008 09:36

«Time-out» mit Klaus Zaugg

Mit 30 Jahren ist noch lange nicht Schluss

Die letzte NLA-Runde hat es einmal mehr gezeigt: Die Liga wird älter. Vor 25 Jahren gingen Karrieren mit 30 zu Ende. Heute beginnt in diesem Alter der goldene Herbst des Eishockey-Lebens. Wieso ist das so? Erklärung dazu liefert auch ein Witz.

von
Klaus Zaugg

Bei Gottérons Sieg (2:1 n.P.) in Davos liess sich Gil Montandon ein Assists zum 1:1 notieren. Am 28. April ist er 43 geworden. Zugs Paul Di Pietro ist am 8. September 38 geworden. Beim Punktgewinn in Kloten (1:2 n.P.) assistierte er zum 1:1 und spielt auch in der Nationalmannschaft eine wichtige Rolle. Zwei Saurier? Nein, Trendsetter. Die Liga wird älter.

Die Neuzeit unseres Eishockeys begann mit der Einführung der Playoffs in der Saison 1985/86. Damals war die Liga im wahrsten Sinne des Wortes wesentlich jünger als heute. Durchschnittlich standen im Herbst 1985 in jedem der zehn NLA-Teams 2,1 Spieler, die 30 Jahre oder älter waren. Heute stehen in den Kadern der zwölf NLA-Mannschaften durchschnittlich 6,6 Spieler, die 30 oder älter sind. Oder noch anders gesagt: Rund ein Viertel der Liga ist 30 oder älter. Vor 25 Jahren machten die Senioren noch nicht einmal ein Zehntel der Liga aus.

Darum bleiben die Spieler länger dabei

Spielerkarrieren dauern heute im Eishockey länger. Das hat seine Gründe.

1. Heute sind drei Viertel der NLA-Spieler Profi. 1985/86 hatten noch nicht einmal ein Viertel der NLA-Stars das Eishockey zum Beruf gemacht. Spätestens mit 30 war es zwingend notwendig, die berufliche Zukunft zu regeln und es lohnte sich nicht mehr, fürs Eishockey nach dem 30 Altersjahr die berufliche Karriere zurückzustellen. Heute verdienen die Profis so gut, dass sich jede weitere Saison finanziell lohnt. 1985/86 betrug die Lohnschallmauer für einen guten Schweizer Spieler 100 000 Franken. Heute liegt sie bei 500 000 Franken. Zudem gibt es inzwischen gute Berufschancen im Eishockey selbst: Als Sportchef, Trainer, Juniorentrainer, als Manager, in der Administration der Eishockeyunternehmen und des Verbandes oder bei einer der Firmen, die im Eishockey werben.

2. Die medizinische Betreuung ist umfassender und besser geworden, die Ernährung ausgewogener. Kleine Verletzungen werden sofort erkannt und behandelt. Die «Altersbeschwerden» sind heute geringer.

3. Die Belastung im Eishockey ist anders als beispielsweise im Fussball. Die kurzen Einsatzzeiten (oft unter einer Minute, dann wieder Ruhepause) ermöglichen eine bessere Verwaltung der Energie. Vor allem dann, wenn ein Spieler technisch begabt ist. Zudem ist die Erfahrung im Eishockey ein wichtiger Faktor und ermöglicht es einem Spieler, fehlende Explosivität zu kompensieren. Ein Witz erklärt am besten, wie sich die Schlauheit eines alten Eishockeyspielers auswirkt: Vater und Sohn Bulle stehen auf einem Hügel und sehen unten in der Ebene eine Herde knackiger junger Kühe. Sagt Bulle junior aufgeregt: «Vater, lass uns sofort runterrennen und eine nehmen.» Antwortet Bulle senior: «Nein, mein Sohn. Lass uns gemütlich runtergehen und alle nehmen.» So ist es bei Gil Montandon: Kein blindes Herumrennen und -fräsen. Sonder weise die Kräfte so entfalten, dass es ein Maximum bringt.

Montandon hat alle Voraussetzungen

Gil Montandon ist einer der komplettesten und intelligentesten Spieler der Liga und bringt alle Voraussetzungen für einen langen Karriere-Herbst mit.

Der gelernte Schiffszimmermann aus Neuenburg ist der einzige Spieler, der noch vor dem «Playoff-Zeitalter», also vor der Saison 1985/86 in der NLA gespielt hat. 1985/85 gehörte er schon zur NLA-Mannschaft von Fribourg-Gottéron. Er hat inzwischen für Gottéron und den SC Bern 1040 NLA-Partien bestritten. 1002 davon seit Einführung der Playoffs und dabei hat er im Playoff-Zeitalter 401 Tore und 434 Assists gebucht. Den schönsten und wichtigsten Treffer im letzten Frühjahr: Den Siegestreffer zum 4:3 in der Verlängerung des sechsten Viertelfinalspiels gegen den SC Bern, der die Saison des Qualifikationssiegers beendete. Dazu kommen 161 Länderspiele, acht WM- und zwei Olympia-Turniere. Zwischen 1989 und 1999 stürmte er für den SC Bern und feierte drei Titel (1991, 92 und 97). Heute ist er bei Gottéron in seiner 26. NLA-Saison längst eine Legende und es heisst, Gottéron werde nicht untergehen so lange Montandon spiele.

Das Geheimnis von Montandon

Noch immer ist bei ihm keine Spur von Eishockey-Müdigkeit zu erkennen: «Ich denke einfach nicht an mein Alter» hat er einmal über das Geheimnis seines «ewigen» Eishockey-Lebens gesagt. «Bei mir steht der Spass an meiner Arbeit, die auch mein Hobby ist, im Vordergrund. Und dieser Spass gibt mir die Motivation, Tag für Tag alles zu tun, um so lange wie nur möglich auf NLA-Niveau weiterspielen zu können.»

Und auch nach einem Rücktritt von Gil Montandon wird sein Name nicht verschwinden. Bei den Elite-Junioren von Fribourg stürmt in der Centerposition Arnaud Montandon (17). Der Sohn von Gil Montandon.

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