Mit 35 Millionen Franken gegen die Fettleibigkeit
Aktualisiert

Mit 35 Millionen Franken gegen die Fettleibigkeit

Rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung ist übergewichtig, ein Drittel bewegt sich kaum oder gar nicht und schon jedes fünfte Kind ist zu dick. Dies soll sich ändern.

Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz will Stress bei der Arbeit und Übergewicht bekämpfen. Innerhalb von vier Jahren will sie die Zunahme der Übergewichtigen und Stresskranken stoppen, in zwölf Jahren soll die Entwicklung rückläufig sein.

Im Visier hat die Stiftung besonders das stetig zunehmende Übergewicht, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Dies teilte die Stiftung am Freitag vor den Medien in Bern mit. Mit einer Kampagne in den Medien und Aktionsprogrammen will sie die Bevölkerung ab Anfang 2007 für das Thema sensibilisieren und mobilisieren.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beziffert in einer Studie die Folgekosten von Übergewicht jährlich auf rund 2,7 Milliarden Franken. Die Eindämmung dieses Problems sei demnach nicht nur von gesundheitlichem, sondern auch von wirtschaftlichem Interesse, sagte Bertino Somaini, Direktor der Stiftung.

Die auf eine lange Frist ausgelegte Strategie soll in drei Etappen zu je vier Jahren umgesetzt werden. Die erste Etappe kostet 35 Millionen Franken und hat zum Ziel, die Zunahme der Anzahl Übergewichtiger bis Ende 2010 zu stoppen. In der zweiten und dritten Etappe, also bis 2018, soll die Zahl übergewichtiger Schweizerinnen und Schweizer verringert werden.

Gegen Stress am Arbeitsplatz

Ebenfalls verringert werden sollen vom Stress am Arbeitsplatz verursachte Erkrankungen. Diese kosten das Gesundheitswesen nach Angaben der Stiftung jährlich 4,2 Milliarden Franken. Bis 2010 soll in möglichst vielen Betrieben eine effektive Gesundheitsförderung zur Stressreduktion etabliert sein.

Schliesslich widmet sich die Stiftung in den nächsten Jahren aktiver der effektiven Gesundheitsförderung und der Prävention. Sie will das Bewusstsein dafür auf allen politischen Ebenen fördern und die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken. Bevölkerung, Politik, Verwaltung und Wirtschaft sollten gemeinsam dafür eintreten, sagte Stiftungsratspräsidentin Verena Diener.

Reaktion auf Kritik

Die Drei-Punkte-Strategie ist einerseits die Antwort auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die kürzlich erschienen ist. Sie kritisiert, dass das Schweizer Gesundheitswesen zu teuer sei, und dass zu wenig in die Prävention investiert werde.

Andererseits liegt dem neuen Programm eine Richtungsänderung der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz zugrunde. Die Stiftung habe in der Vergangenheit in ihrer Arbeit zuwenig Schwerpunkte gesetzt. Das habe ihr oftmals Kritik eingebracht, sagte die Zürcher Gesundheitsdirektorin Diener.

Um dies in Zukunft zu verhindern, habe die Stiftung entschieden, sich in den nächsten Jahren primär für die drei vorgestellten Bereiche einzusetzen. Zudem übernimmt sie künftig eine aktivere Rolle, indem sie vermehrt gemeinsam mit Partnern Projekte konzipiert und umsetzt.

Damit sie den Fokus auf die drei Schwerpunktthemen setzen kann, werden weniger fremde Projekte finanziell unterstützt. Künftig werden Projekte ausserhalb des neuen Kernbereichs nur unterstützt, wenn sie besonders innovativ und klar definiert sind. Dafür stehen jährlich höchstens 1,5 Millionen Franken zur Verfügung. (sda)

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