Ex-Asylzentrum in Zürich: «Mit Alkohol, Gewalt und Drogen gab es Probleme»
Publiziert

Ex-Asylzentrum in Zürich«Mit Alkohol, Gewalt und Drogen gab es Probleme»

Kritiker des neuen Bundesasylzentrums in Zürich-West fordern eine Anpassung an die Praxis im Ex-Asylzentrum auf dem Juch-Areal. Doch auch dort gab es offenbar Probleme.

von
ilh/tam
1 / 12
Im Asylzentrum Juch soll es unter der Führung der Stadt grosse Sicherheitsprobleme gegeben haben, berichtet die «Neue Zürcher Zeitung».

Im Asylzentrum Juch soll es unter der Führung der Stadt grosse Sicherheitsprobleme gegeben haben, berichtet die «Neue Zürcher Zeitung».

Keystone/Gaetan Bally
Mehrere ehemalige Mitarbeiter erzählen von organisierter Kriminalität, von regelmässiger Gewalt und Erpressungen. «Das Asylzentrum wurde von kriminellen Banden als Umschlagplatz für Diebesgut und Drogen genutzt», sagt etwa Markus Giger.

Mehrere ehemalige Mitarbeiter erzählen von organisierter Kriminalität, von regelmässiger Gewalt und Erpressungen. «Das Asylzentrum wurde von kriminellen Banden als Umschlagplatz für Diebesgut und Drogen genutzt», sagt etwa Markus Giger.

Keystone/Gaetan Bally
Das Zürcher Sozialdepartement wies den Vorwurf, dass auf dem Areal mit Drogen gehandelt worden sei, als falsch zurück. Diebesgut sei in der Regel ausserhalb des Zentrums gelagert worden.

Das Zürcher Sozialdepartement wies den Vorwurf, dass auf dem Areal mit Drogen gehandelt worden sei, als falsch zurück. Diebesgut sei in der Regel ausserhalb des Zentrums gelagert worden.

Keystone/Gaetan Bally

Erst Anfang November ist das Bundesasylzentrum in Zürich-West eröffnet worden. Doch bereits jetzt gibt es heftige Kritik. Es ist von unmenschlichen Bedingungen, fragwürdigen Regeln und massloser Repression die Rede. Die Bewohner vergleichen das Zentrum mit einem Gefängnis. Das Staatssekretariat für Migration (SEM), das das Zentrum betreibt, weist die Kritik zurück.

Kritiker fordern, dass man sich bei der Unterbringung von Asylsuchenden mehr an der Praxis des Juch-Areals in Zürich ausrichtet, auf dem ein Testbetrieb stattgefunden hat. SP-Stadtrat Raphael Golta bezeichnete die dortigen Sicherheitsmassnahmen gegenüber 20 Minuten als «pragmatischer».

«Kriminalität, regelmässige Gewalt und Erpressungen»

Doch im Asylzentrum Juch soll es massive Sicherheitsprobleme gegeben haben, wie Recherchen der «NZZ» zeigen. Ehemalige Mitarbeiter berichten gegenüber der Zeitung von organisierter Kriminalität, regelmässiger Gewalt und Erpressungen.

Darunter ist Markus Giger, der frühere Sicherheitschef des Asylzentrums Juch. «Das Asylzentrum wurde von kriminellen Banden als Umschlagplatz für Diebesgut und Drogen genutzt, während die Leitung weggeschaut hat», sagt er. Zudem seien dort auch unbefugte Personen ein- und ausgegangen und hätten dort sogar übernachtet.

Diebstahl, Alkohol und Drogen

Manche Bewohner hätten im grossen Stil geklaut, sagt Giger. Trotzdem sei die damalige Regelung gewesen, dass das Sicherheitspersonal aus Rücksicht vor der Privatsphäre Taschen nur von aussen abtasten und Zimmerkontrollen zurückhaltend durchführen solle.

Bei gezielten Durchsuchungen auf konkreten Verdacht hin seien jeweils unterschiedlichste Dinge im Wert von mehreren Tausend Franken gefunden worden – von falschen Ausweisen und Bargeld über Markenkleider, elektronische Geräte und Alkohol bis hin zu Drogen, insbesondere Kokain, und Medikamenten. Ein weiteres Problem war laut Giger, dass die Bewohner oft exzessiv Alkohol konsumiert hätten. Es sei dann zu Gewalt gekommen.

Giger musste noch in der Probezeit gehen. Sein Nachfolger, der anonym bleiben will, hat gegenüber der Zeitung gesagt, dass auch nach dem Weggang von Giger Alkohol, Drogen und Gewalt ein Thema gewesen sein sollen und Diebesbanden bis zuletzt im Asylzentrum Unterschlupf gesucht hätten.

«Es gab keinen Drogenhandel»

Polizeisprecher Marco Cortesi sagte zur «NZZ», dass man keine Kenntnis über Drogenbesitz oder Drogenhandel auf dem Areal gehabt habe. Er bestätigt aber regelmässige Einsätze wegen Verdachts auf Diebstahl. Das Zürcher Sozialdepartement hat den Vorwurf, dass auf dem Areal mit Drogen gehandelt worden sei, ebenfalls als falsch zurückgewiesen. Diebesgut sei in der Regel ausserhalb des Zentrums gelagert worden.

Eingeräumt hat es dagegen, dass unbefugte Personen auf dem Areal übernachteten. Dabei habe es sich aber um Einzelfälle gehandelt. Alkohol sei ein Problem gewesen, aber ebenfalls vor allem ausserhalb des Zentrums konsumiert worden.

«Wir hatten nicht mehr Polizeieinsätze, nicht mehr Suizidversuche, nicht mehr Gewalt oder Alkohol als in strenger geführten Zentren», betonte auch eine ehemalige Betreuungsperson gegenüber der Zeitung. Da solche Phänomene ohnehin nicht zu vermeiden seien, solle man den Aufenthalt für die Asylsuchenden besser so angenehm wie möglich gestalten,

statt sie zu schikanieren.

Deine Meinung